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Hückeswagen: Verbraucher füllen jetzt günstig ihre Öltanks

Hückeswagen : Verbraucher füllen jetzt günstig ihre Öltanks

Die Heizölpreise sind so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Viele Kunden auch aus Hückeswagen lassen ihre Tanks deshalb befüllen.

Die Preise für Heizöl kennt Wilfried Paffrath sehr genau. Laufend informiert er sich im Internet, hört Radioberichte und beobachtet in der Zeitung die Entwicklungen weltweit. Wollen Freunde und Bekannte ihre Tanks füllen, fragen sie den 78-Jährigen um Rat. Genau einschätzen, wie sich die Preise entwickeln, könne er zwar nicht, meint der Hückeswagener, dafür seien sie zu unbeständig. "Aber mein Bruder war selber Ölhändler, da ist bei mir ein bisschen was hängengeblieben." Üblicherweise füllt er seinen eigenen Heizöltank jedes Jahr im Januar. Dieses Mal aber schlug er vor knapp zwei Wochen zu. "Da musste ich einfach kaufen, weil das Öl so billig war", sagt Paffrath. 3000 Liter orderte der Rentner für das Zweifamilienhaus, in dem er wohnt. Bis obenhin gefüllt hatte er seinen Tank, der 5800 Liter fassen kann, zuletzt vor drei Jahren. "Damals war zwar der Preis sehr hoch, aber es war notwendig, weil wir so viel Schnee hatten."

Derzeit aber sind die Heizölpreise so niedrig wie schon seit vier Jahren nicht mehr, berichtet Rainer Wieck vom Energie-Informationsdienst in Hamburg. Jede Woche fragt der EID bundesweit bei Heizölhändlern deren Listenpreise ab und ermittelt einen Durchschnittswert. Der lag vergangene Woche bei 75,75 Euro pro 100 Liter Heizöl bei einer Abnahme von 3000 Litern. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr um diese Zeit zahlten die Verbraucher etwa 84 Euro für 100 Liter Heizöl. Heute kann das jedoch bereits wieder ganz anders aussehen. "Die Preise verändern sich permanent", sagt Wieck. Das liege an vielen Faktoren. "Es ist gerade sehr viel Rohöl auf dem Markt, während die Nachfrage stagniert", erläutert Wieck. Früher sei davon ausgegangen worden, dass bei internationalen Krisen die Nachfrage und damit der Preis steige. "Heute geht die Nachfrage runter, aber die Produzenten fördern weiter."

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Einen "kleinen Ansturm" erlebte Dirk Pitzinna, Vertriebsleiter bei Mineralöl Vielhauer in Hückeswagen, vor knapp zwei Wochen. "Da war das Öl so günstig wie schon lange nicht mehr." Dabei sei es sonst eher so, dass die Kunden dann kaufen würden, wenn die Preise hochgehen. "Das ist eine Art Panikhandlung", meint Pitzinna. "Viele glauben, dass sie zuschlagen müssen, bevor der Preis noch höher wird." Andere wiederum seien "richtige Zocker", erklärt der Vertriebsleiter. Preise vergleichen - sei es bei Heizöl oder Benzin - habe sich in Deutschland fast zu einem Sport entwickelt.

Auch Friedhelm Scherkenbach von der Raiffeisenerzeugerschaft Bergisch Land und Mark mit Sitz in Wipperfürth berichtet von einer gestiegenen Nachfrage nach Heizöl. "Unsere sechs Tankzüge sind täglich unterwegs", erklärt der Bereichsleiter. Bei den meisten der Kunden seien die Rücklagen aber noch recht groß. "Der vergangene Winter war unglaublich mild."

Bei 76,20 Euro je 100 Liter lag vor kurzem der Preis im Raiffeisenmarkt. Den zahlten Kunden bei einer Abnahmemenge von 4000 Litern. "Das ist Standard für den Jahresbedarf eines Ein- bis Zwei-Familienhauses", meint Scherkenbach. Obwohl es drei bis fünf Tage nach der Bestellung dauern könne, bis das Öl bei den Kunden zu Hause ankommt, seien sie von den Preisschwankungen nicht betroffen. "Wir garantieren den Preis, der bei der Bestellung aktuell ist", sagt Scherkenbach. Das Öl bezieht der Raiffeisenmarkt bei einer Raffinerie in Köln-Godorf.

Tobias Bott, Sprecher des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen, zeigt sich vom derzeitigen Preistiefstand verwundert. "Aber er ist nun so, wie ihn der Markt vorgibt", sagt er. Immerhin: "Der Handel profitiert davon."

(RP)