Hückeswagen: Ventile gestohlen - 40-Tonner lahmgelegt

Hückeswagen: Ventile gestohlen - 40-Tonner lahmgelegt

An der Schlossfabrik wurde in der Nacht zu Samstag an einem beladenen Spezialtransporter die Luft aus sechs Reifen abgelassen. Der Fahrer vermutete Selbstjustiz. Schon im Vorfeld war es zu Streitigkeiten gekommen.

Völlig fassungslos war ein Hückeswagener Lkw-Fahrer, als er am Samstagmorgen zu seinem an der Schlossfabrik abgestellten Sattelzug gerufen wurde. Von sechs Reifen des 40-Tonners waren in der Nacht die Ventilkappen entwendet und die Luft abgelassen worden. Das Gesamtgewicht des beladenen Aufliegers lag somit auf den Felgen. "Das ist kein kleiner Jungenstreich mehr. Das ist lebensgefährlich", sagte der Lkw-Fahrer völlig aufgelöst. Schon ein zu geringer Reifendruck wirke sich nicht nur auf das Fahrverhalten, sondern auch auf den Schwerpunkt der Ladung aus. "Hier wurde in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen", betonte er.

Der Hückeswagener, der in der Siedlung Kleineichen wohnt, stellt zwischen seinen Touren das jeweilige Fahrzeug des Spediteurs in dem ausgewiesenen Industriegebiet am Straßenrand ab. "Es ist völlig legal, dort zu parken. Das haben das Ordnungsamt, die Feuerwehr und die Polizei bestätigt", betonte der 47-Jährige. Schon im Vorfeld sei es mit einigen Unternehmern, die an der Schlossfabrik ihren Firmensitz haben und denen der parkende Lkw ein Dorn im Auge war, zu Streitigkeiten gekommen. Das bestätigte auch André Kuba, Dienstgruppenleiter der Polizeileitstelle in Gummersbach, auf Anfrage unserer Redaktion. "Das Ordnungsamt ist schon längere Zeit involviert", sagte er. Der Lkw-Fahre berichtete, er sei am Tag vor der Tat konkret bedroht worden in der Art von "Du wirst mich kennenlernen". Die Polizei nahm diese Aussage in der Anzeige mit auf.

Der Schaden der Aktion ist nicht unerheblich. Ein Spezialgerät musste angefordert werden, um den beladenen 40-Tonner anzuheben und die Reifen zu wechseln. Die Aktion dauerte mehrere Stunden. "Da es eine Stichstraße ist, mussten dazu keine verkehrstechnischen Maßnahmen ergriffen werden", betonte Kuba. Anschließend sei das Fahrzeug an einen anderen Ort gebracht worden. Ob die Felgen, Achsen und das Fahrgestell Schaden genommen haben, ist noch unklar. Neben den Kosten für das angeforderte Spezialgerät und dem Schaden an dem Transporter samt Auflieger droht dem Spediteur nun eine Konventionalstrafe durch den verzögerten Transport.

Foto: Karsten

Geladen hatte das Fahrzeug zwei tonnenschwere Stahl-Rollen, sogenannte Mega Coils. "Eine Sonderanfertigung von Thyssenkrupp für die Lufthansa", wie der Fahrer berichtete. Diese sollten nach Ulm zum Verteiler gebracht und von dort nach München transportiert werden. Der Hückeswagener vermutete aufgrund der vorangegangenen Androhung Selbstjustiz eines Anwohners, ohne jedoch Beweise zu haben. "Wo soll das noch hinführen?", äußerte er sich sichtlich erschüttert.

(heka)