Hückeswagen: Unterhaltsame Dylan-Revue im Haus Zach

Hückeswagen: Unterhaltsame Dylan-Revue im Haus Zach

Rudi Rhode und Michael Gustorff brachten das Leben des amerikanischen Folk-Poeten auf die Bühne.

Es gibt so einige Musiker, deren Biografien eignen sich wunderbar, um daraus ein abendfüllendes Programm zu gestalten. Rio Reiser war etwa so ein Musiker, der in den wenigen Jahren, die er Musik machte, wie eine helle Wunderkerze brannte, ehe sein Leben viel zu schnell vorbei war. Bob Dylan auf der anderen Seite gehörte immer zu den eher stillen musikalischen Rebellen, auch wenn seine Entscheidung, 1965 mit elektrisch verstärkter Gitarre und Rock-Band die Bühne zu betreten, in den puristischen Folk-Kreisen ein Affront sondergleichen war. Und auch sein Umgang mit der Nobel-Akademie nach der Verleihung des Literaturnobelpreises 2016 könnte man durchaus als rebellischen Akt bezeichnen. Am Samstagabend brachten Rudi Rhode und Michael Gustorff das Leben des Folk-Poeten auf die Bühne im Kultur-Haus Zach. Etwa 20 Dylan-Freunde wollten sich das nicht entgehen lassen.

Und die bekamen ein abwechslungsreiches, etwa zweistündiges Programm geboten, das die wichtigsten Stationen aus dem Leben Dylans nachzeichnete. Dabei legten die zwei Musiker auch Wert auf Humor. Sehr schön etwa die Szene, als Dylan und Co. auf dem Newport Folk Festival nach "Maggie's Farm" von der Bühne gebuht wurden - und die Hückeswagener die 45.000 buhenden Folkfans nachmachen sollten. Der Weg Dylans zur Stromgitarre - und damit zum Rock'n'Roll mit anspruchsvollen Texten - war ebenso Thema, wie es die frühen Gehversuche des jungen Robert Allen Zimmermann, wie Dylan eigentlich heißt, waren. Dabei präsentierte das Duo Songs wie "Like A Rolling Stone" mit Bass und Akkordeon - und mit deutschen Texten. Das funktionierte erstaunlich gut und ließ tatsächlich gedankliche Vergleiche zum eingangs erwähnten Rio Reiser aufkommen, der ja seinerseits auch großen Wert auf seine Texte legte.

Es machte richtig Spaß, den beiden Musikern zuzuschauen. Rohde übernahm dabei den Part des Sängers und Erzählers: "Songs muss man mit dem Herzen spüren und nicht mit dem Verstand analysieren", sagte Rohde an einer Stelle. Und das passte perfekt zu Dylan, der doch für viele ein eher intellektuell-verkopfter Musiker ist, der sich in seinen Texten aber dennoch stets vom Herzen leiten lässt.

Schön war auch, dass die beiden die Songs eben nicht nur auf Deutsch sangen, sondern auch die musikalischen Interpretationen mit den Originalen teils nicht mehr viel zu tun hatten. Das war einerseits natürlich der ungewöhnlichen Instrumentierung geschuldet, aber andererseits zeigte sich dabei auch der Mut der Akteure zur eigenen Variation. Wunderbar war das in der perlenden Version des grandiosen "All Along The Watchtower" zu hören. Die kam nämlich zerbrechlich und kräftig zugleich aus den Lautsprechern - und eben ganz anders als gewohnt.

Am Ende war man vor allem eines: nachdenklich. Denn das Phänomen Bob Dylan war einem zwar nähergebracht worden. Wirklich verstehen konnte man es aber nicht. Denn dazu ist Dylan einfach zu komplex. Vielleicht aber würde man durch diesen tollen Abend dazu angeregt, einmal in der Plattensammlung zu kramen und die alten Dylan-Alben wieder herauszusuchen.

(wow)