Hückeswagen: Tödlicher Kradunfall: Autofahrerin vor Gericht

Hückeswagen : Tödlicher Kradunfall: Autofahrerin vor Gericht

Um einen Motorradunfall mit tödlichem Ausgang, der sich am 28. Mai auf der Kreisstraße 11 zwischen der Rader Straße und Mickenhagen ereignet hatte, ging es gestern vor dem Wipperfürther Amtsgericht. Auf der Anklagebank: Eine 23-jährige Autofahrerin aus Marienheide, die den Unfall verschuldet hatte. Das Opfer war ein 43-jähriger Familienvater, der in Hückeswagen Verwandte besucht hatte. Die Anklage gegen die junge Frau lautete gestern auf fahrlässige Tötung.

Die 23-Jährige sagte aus, sie habe am Nachmittag des 28. Mai eine Freundin besuchen wollen. Sie sei ortsunkundig und habe sich auf der Kreisstraße verfahren. Deshalb wendete sie auf der Fahrbahn – und übersah dabei den Motorradfahrer hinter ihrem Auto. Ein Sachverständiger, der zum Unfallablauf gehört wurde, sagte aus: „Der Motorradfahrer kam mit schätzungsweise 80 bis 90 km/h aus einer Linkskurve, sah das Auto der Frau auf der Fahrbahn und bremste. Er ist infolge der abrupten Bremsung schon vor dem Zusammenstoß gestürzt und mit Oberkörper und Kopf gegen die Seite des Autos der Frau geprallt.“ Der Mann erlag noch im Rettungswagen seinen schweren Verletzungen.

Klare Aussage des Sachverständigen: Der Motorradfahrer habe eigentlich alles richtig gemacht. Zum Verhängnis wurde ihm offenbar, dass seine Maschine gerade aus der Linkskurve kam, das Motorrad nicht mit einem Antiblockiersystem ausgestattet war und er möglicherweise zu stark über das Vorderrad gebremst habe, so der Gutachter. Zwischen dem Erkennen des Fahrzeuges und dem Aufprall blieben nur rund drei bis vier Sekunden – zu wenig Zeit für den Motorradfahrer, um kontrolliert anzuhalten.

Nach einer Unterbrechung der Sitzung verkündete Amtsrichter Armin Lührs die vorläufige Einstellung des Strafverfahrens gegen die junge Autofahrerin gegen die Zahlung einer Geldbuße von 2400 Euro. Auf Wunsch der Nebenklägerin, der Ehefrau des verstorbenen Motorradfahrers, wird das Geld an den Verein Bewährungshilfe Ulm gehen.

Zur Begründung der Einstellung des Verfahrens sagte der Richter: „Die Tat darf nicht an ihrem fürchterlichen Ergebnis gemessen werden, auch wenn ein Mensch zu Tode gekommen ist. Das Gericht hatte den Eindruck, dass das Handeln der Autofahrerin darauf ausgerichtet ist, solche Ereignisse künftig zu vermeiden.“ Die Frau selbst hat, wie sie vor Gericht schilderte, stark unter dem Unfall gelitten. Sie hätte laut Richter an dieser Stelle nicht wenden dürfen. Andererseits sei im Blut des Kradfahrers eine Alkoholkonzentration von 0,55 Promille festgestellt worden. Ein Mitverschulden des Mannes aufgrund verminderter Reaktionsfähigkeit könne deshalb nicht ganz ausgeschlossen werden.

(RP)
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