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Tödlicher Arbeitsunfall: Hückeswagener vor Gericht

Hückeswagener vor Gericht : Tödlicher Arbeitsunfall: Richter sieht keinen Grund für Schuldspruch

Ein tragischer Arbeitsunfall, der im Februar vorigen Jahres einen 55-jährigen Hückeswagener das Leben kostete, hatte am Freitag ein juristisches Nachspiel vor dem Wipperfürther Amtsgericht.

Wer trägt Schuld am Tod des 55-jährigen Mitarbeiters, der am 21. Februar 2019 von einem umstürzenden Bretter-Stapel begraben worden war? Um diese Frage ging‘s am Freitag im Prozess vor dem Wipperfürther Amtsgericht. Angeklagt war einer der beiden Gesellschafter und Geschäftsführer des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs aus der Schloss-Stadt, in dem es zu dem tödlichen Unfall gekommen war. Die Anklage gegen den 41-Jährigen lautete auf fahrlässige Tötung. Eine Verurteilung im Sinne der Anklage erachtete der Richter jedoch nach längerer Verhandlung mit Blick auf die nicht als schwer einzustufende Schuld des Hückeswageners als nicht erforderlich. Im Einvernehmen mit der Staatsanwältin und dem Verteidiger stellte er das Verfahren gegen Auflagen ein.

Grund für die Einstellung war auch, dass die genaue Ursache des tödlichen Unfalls nie geklärt werden konnte. Fest steht nur: An dem Tag im Februar war der 55-Jährige, seit fast 20 Jahren Mitarbeiter in dem land- und forstwirtschaftlichen Familienbetrieb, in eine Lagerhalle gegangen, um dort Bretter von einem hohen Stapel zu holen. Die brauchte er, um daraus Verpackungskisten für einen Kunden zu bauen. Eigentlich eine Routinearbeit für ihn, doch diesmal endete die Routine tragisch: Der Bretter-Stapel brach über dem Mann zusammen und begrub ihn unter sich. Der 55-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt allein in der Halle gewesen war, starb noch am Ort des Geschehens. Niemand wurde Zeuge seines Todes. Als der Firmenchef ihn wenig später fand, kam jede Hilfe zu spät.

Die Anklage basierte vor allem auf zwei Versäumnissen: Bei den Unterlagen zur Arbeitssicherheit im Betrieb fehlte eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung zum sicheren Lagern von Schnittholz. Außerdem müssen den Vorschriften entsprechend die Mitarbeiter des Betriebs einmal jährlich in Fragen der Arbeitssicherheit unterwiesen werden – die letzte Unterweisung des 55-Jährigen lag aber schon zwei Jahre zurück, als der Unfall geschah. Beide Verstöße gegen den Arbeitsschutz legte die Anklage dem 41-Jährigen zur Last, denn er war der Sicherheitsbeauftragte der Firma. Im Prozess räumte er sie auch ein. Nach dem Unfall hatte er Konsequenzen daraus gezogen: Seitdem sorgt ein externes Fachbüro dafür, dass die vielfältigen Sicherheitsvorschriften in einem solchen Betrieb mit angeschlossenem Sägewerk penibel eingehalten werden.

Nicht zu klären war in der Hauptverhandlung, warum der Bretterstapel zusammengebrochen war. Hinweise auf eine nicht ordnungsgemäße Lagerung fanden sich nämlich nicht. Unklar blieb auch, ob der Verunglückte selbst möglicherweise unvorsichtig war und einen gefährlichen Fehler beim Herausholen einzelner Bretter aus dem Stapel gemacht hatte. Vor diesem Hintergrund bewertete der Richter den Arbeitsunfall als „tragisches Geschehen“, das keinen Schuldspruch nach sich ziehen sollte. Dabei spielte auch eine Rolle, dass der seit Jahrzehnten bestehende Familienbetrieb laut Amt für Arbeitsschutz nie zuvor wegen folgenschwerer Mängel bei der Arbeitssicherheit aufgefallen war.

Die Einstellung des Strafverfahrens gegen den Juniorchef ist mit finanziellen Auflagen verbunden: Er muss 2000 Euro an die Staatskasse zahlen, außerdem jeweils 1500 Euro an die DLRG Hückeswagen und einen ebenfalls gemeinnützigen Verein in Wipperfürth.