Thomas Konsen fuhr zum Auswärtsspiel von Bayer Leverkusen

Thomas Konsen fuhr mit dem Fahrrad nach Zürich : Nicht immer spielte auch das Wetter mit

Für seinen Lieblingsclub Bayer Leverkusen ist der Hückeswagener über 770 Kilometer in die Schweiz geradelt.

Auf den FC Zürich traf die Werkself in der Europa-League. Das Spiel konnten die Jungs von Heiko Herrlich nicht gewinnen. Enttäuschend für Thomas Konsen, der die viertägige Radtour in die Berge dennoch wieder antreten und die Bayer-Profis zur Kampfgeiststärkung sogar mitnehmen würde. Die Idee, der Mannschaft mal für eine Partie in Europa auf dem Rad hinterher zu reisen, ist nicht neu. Bereits in der Saison 2015/16 hatten Fans der Werkself den Einfall geäußert, fürs Finale der Europa League nach Basel zu fahren. Daraus wurde am Ende nichts, weil Leverkusen im Achtelfinale rausflog. In diesem Jahr überkam es Thomas Konsen erneut, aus einer Bierlaune heraus, wie er erzählt. „Es war bei einer Heimniederlage, wo die Mannschaft keinen Kampfgeist, keine Leistung gezeigt hatte.“ Irgendwann fiel der Satz, dass die Jungs wohl besser mit dem Rad zum nächsten Auswärtsspiel fahren sollten. „Daraus entwickelte sich schnell der Gedanke, dass selbst zu machen“, sagt Konsen schmunzelnd.

Zum Lachen war ihm nach dem Spiel in Zürich allerdings nicht. Nach den Strapazen hatte er sich auf einen Sieg seiner Mannschaft im Züricher Stadion Letzigrund gefreut. „Ehrlich gesagt, war ich nach der Partie im Stadion noch sehr enttäuscht. Als ich hinterher im Sonderzug von Bayer saß, überwog aber die Freude über meine eigene Leistung.“ Denn die viertägige Radtour entlang des Rheins brachte bereits am zweiten Tag erste Tücken mit sich. Die erste Etappe am Sonntag von Leverkusen nach Sankt Goar, am berühmten Loreleyfelsen, verlief reibungslos. Knappe 160 Kilometer in rund acht Stunden. „Mit dem Wetter hatte ich Glück. Ich konnte in kurzer Hose und einer dünnen Jacke fahren.“ Zwischen Köln und Koblenz war entlang des Rheins so viel Touristenverkehr, dass Konsen Slalom fahren musste. „An dem Tag habe ich wirklich  ein bisschen getrödelt.“ Am Montag startete er früh von St. Goar nach Mechtersheim, weitere 200 Kilometer in Richtung Schweiz und legte einen Zahn zu. „Da hatte ich leider das Problem, dass ich gleich zweimal einen Platten hatte, einmal vorne und einmal hinten.“ Das, warf den Hobbyfahrer zeitlich zurück, Konsen war aber dennoch frohen Mutes, am Mittwoch in Zürich anzukommen. Dienstag kam ihm das Wetter in die Quere. Von Mechtersheim nach Rheinhausen (182 Kilometer) brauchte er fast zehn Stunden. „130 Kilometer im Gegenwind zu fahren ist wirklich sehr anstrengend. Ich war kurz davor abzubrechen und weiter mit dem Zug bis nach Basel zu fahren“, erinnert sich der 35-Jährige. Als er am Abend in der Nähe des Europaparks bei Rust ankam, sich gestärkt und frisch geduscht ins Bett legte, überlegte er es sich und stieg ausgeruht am nächsten Morgen erneut aufs Rad. Die letzte Etappe stand an, keine 200 Kilometer trennten ihn von seinem Ziel.

Die Strecke führte Thomas Konsen entlang des Rheins. Foto: Konsen

Mit Zuversicht fuhr er los, zwei Platten und eine Steigung von fast 1500 Höhenmetern brachten den Hückeswagener aber fast an seine Grenzen. „Da war dieser eine Berg kurz vor Zürich, es war schon dunkel.“ Am Fuße des Berges wurde er vorgewarnt. „Dass es so lange steil bergauf gehen werden würde, damit hatte ich aber nicht gerechnet.“ Zehn Kilometer später hatte er den Berg bezwungen. Mitten in der Nacht zu Donnerstag, gegen drei Uhr in der Früh, hatte Konsen endlich Zürich erreicht. „Ich fiel nach der Dusche erschöpft ins Bett und freute mich einfach nur auf das anstehende Spiel.“

Kurze Pause am Deutschen Eck in Koblenz. Zeit, ein Foto zu machen. Natürlich steckt am Fahrrad eine Fahne von Bayer. Foto: Konsen

Der 35-Jährige nimmt aus dieser Reise viele wertvolle Erkenntnisse mit: „Es ist alles Kopfsache. Ich bin stolz, dass ich die Reise trotz aller Widrigkeiten durchgezogen habe.“ Dankbar ist er auch über die erfahrene Unterstützung in den sozialen Netzwerken. Dort hielt er Freunde und Bekannte über seine Etappen auf dem Laufenden. Auch der Verein wurde auf Konsen aufmerksam, sowie ein Züricher Fan, der ihm am Tag seiner Abreise noch eine Trinkflasche des FC Zürich einsteckte. „Ich würde jedem empfehlen, diese Erfahrung zu machen, man erfährt viel über sich selbst und schult seinen eigenen Kampfgeist.“Die Profi-Kicker der Werkself würde er daher gerne mal auf eine Tour mitnehmen. „Warum nicht? Das würde bestimmt Spaß machen und vielleicht hilft es dem Teamgeist.“

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