Hückeswagen: Teure Posse um Fledermäuse

Hückeswagen: Teure Posse um Fledermäuse

Die alte Bahntrasse, auf der der neue Radweg in Richtung Bergisch Born gebaut werden soll, führt durch den Höhsieper Tunnel. Weil dort Fledermäuse hausen sollen, werden Tunnel-Sanierung und Radweg richtig teuer.

Richtig flott ist es beim Bau des Radweges zwischen Hückeswagen und Wipperfürth gegangen. Im Frühjahr 2010 war nach nur einigen Wochen Bauzeit der erste Abschnitt des neues Weges auf der alten Bahntrasse offiziell eröffnet worden. Doch jetzt stockt das Projekt im nächsten Bauabschnitt auf Hückeswagener Stadtgebiet. Grund: Im Höhsieper Tunnel, durch den die Bahngleise nach Bergisch Born führen, sollen Fledermäuse gesichtet worden sein. Sie bremsen den neuen Radweg aus.

Tunnel-Sanierung wird teurer

Das Thema Fledermaus, Artenschutz und Radwegebau wird den Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt bei seiner ersten Sitzung in diesem Jahr am 8. Februar beschäftigen. In einer Vorlage der Verwaltung dazu heißt es: "Da die Bestandsaufnahme zu den Fledermäusen noch nicht abgeschlossen ist, daraus resultierende Schutzmaßnahmen noch nicht entwickelt wurden und eine genaue Untersuchung des Tunnelbaus noch nicht begonnen wurde, ist die Kostensicherheit bei dieser Position als niedrig einzustufen." Konkret heißt das: Bislang gingen die Planer von 550 000 Euro für die Sanierung des Tunnels aus. Dass es bei dieser auch schon stolzen Summe bleibt, ist aber eher unwahrscheinlich. Die Stadt wird auch bei ihrem Eigenanteil drauf zahlen müssen. Derzeit wird von 135 000 Euro Kostensteigerung für alle drei Bauabschnitte des Radweges ausgegangen.

Schon im Vorfeld der Ausschuss-Sitzung meldete sich gestern der Fraktionsvorsitzende der SPD, Hans-Jürgen Grasemann, öffentlich zu Wort. "Dass Fledermäuse eine zu schützende Spezies sind, wird niemand ernsthaft in Frage stellen", heißt es eingangs in seiner Stellungnahme in Sachen "Posse um Fledermäuse". Er selbst stellt allerdings sehr wohl infrage, dass es sinnvoll ist, eine teure Zwischendecke in den Tunnel einzuziehen, damit die Fledermäuse dort einen Rückzugsraum finden. Über eine solche Zwischendecke war im Fachausschuss im Herbst diskutiert worden.

Grasemann hat sich den Tunnel inzwischen genauer angesehen – und bei seiner Inspektion "trotz akribischer Prüfung auch unter Verwendung elektrischer Leuchten" keine Fledermäuse ausgemacht. Nun fragt er: "Wo leben wir eigentlich? Uns gehen wohl die Probleme aus und man muss sich dementsprechend welche schaffen?"

Die Kirche im Dorf lassen

Wenn Fledermäuse im Tunnel seien, "müsste man sich sicher Gedanken machen (...), dabei aber die Kirche im Dorf lassen". Grasemann stellt fest: "Es gibt sie aber nicht!" Er plädiert dafür, das Thema schnellstens zu den Akten zu legen – "und bei entsprechender Witterung den Weiterbau des Radweges in Angriff zu nehmen".

(RP)