Hückeswagen: Streit schlichten am Küchentisch

Hückeswagen : Streit schlichten am Küchentisch

Hühner, die zu laut gackern, stinkende Mülltonnen an der Grundstücksgrenze, Schatten werfende Bäume – das Schlichten von Nachbarschaftsstreitigkeiten zählt mittlerweile zu den Hauptaufgaben der Schiedsleute.

Hühner, die zu laut gackern, stinkende Mülltonnen an der Grundstücksgrenze, Schatten werfende Bäume — das Schlichten von Nachbarschaftsstreitigkeiten zählt mittlerweile zu den Hauptaufgaben der Schiedsleute.

Denn nicht jeder Streit muss vor Gericht ausgetragen werden. In Hückeswagen ist Hans-Jürgen Grasemann seit 1993 als Stellvertreter, seit 1997 als erster Schiedsmann tätig. Seine Stellvertreterin Friederike Eichler hat ihre langjährige Arbeit als Friedensstifterin und Vermittlerin jetzt hingegen abgegeben. Für sie rückte Heike Cosler nach.

"15 Jahre sind genug", meinte Friederike Eichler, die in dieser Zeit schon einige Geschichten zu hören bekam. "Von heikel über spannend bis lustig war alles dabei", sagt die Hückeswagenerin.

Vier Bewerber für die Nachfolge

Für das Amt des Stellvertreters lagen der Stadt vier Bewerbungen vor. "Alle Bewerber waren geeignet", sagte Bürgermeister Uwe Ufer jetzt bei der Verabschiedung von Friederike Eichler. Vom Rat einstimmig zur neuen Schiedsfrau gewählt wurde letztlich Heike Cosler. Ausschlaggebend sei ihr relativ junges Alter gewesen, denn die Stadt hoffe auf eine langjährige Zusammenarbeit, sagte Ufer. Die 49-Jährige hat bereits Erfahrung als Schöffin am Kölner Jugendgericht.

Für diese ehrenamtliche Aufgabe notwendig seien ein gesunder Menschenverstand und Kenntnisse des Rechts, sind sich die Streitschlichter einig. Die zerstrittenen Parteien setzen sich beim Schiedsmann an einen Tisch und handeln im optimalen Fall einen Vertrag aus, mit dem beide Parteien leben können. "Wenn mein Büro zu klein war, sind wir auch schon mal an den Küchentisch gewechselt", erzählte Grasemann. Die Schiedsleute ergreifen dabei keine Partei, sondern fungieren als Vermittler. Komplizierter sei es, wenn die Anwälte beim Gespräch anwesend sind, weil sie "parteiisch argumentieren".

Zu verdienen gibt's nur wenig

Finanziell lohnt sich das Streitschlichten nicht. Bei einem erfolgreichen Ausgang erhält der Schiedsmann 12,50 Euro; der gleiche Betrag geht an die Stadt. Bei einem Misserfolg sind es nur je fünf Euro. Dann ist das Amtsgericht die nächste Instanz.

In den vergangenen Jahren hat sich das Ehrenamt stark verändert. Das Einsatzgebiet reichte früher noch bis hin zur schweren Körperverletzung. "Heute hat es sich auf den Gartenzaun-Streit reduziert", sagt Grasemann. 2011 gab es für die Hückeswagener Schiedsleute daher auch nur drei Fälle, früher waren es acht bis zwölf Einsätze pro Jahr.

Streit entstehe oft nur durch die Addition der Kleinigkeiten, weiß Grasemann und zitierte Konfuzius: "Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel."

(heka)
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