Hückeswagen: Streetworker kritisiert Stadt

Hückeswagen : Streetworker kritisiert Stadt

Chris Weinert kümmert sich seit September 2009 als Streetworker um die Jugendlichen in Hückeswagen. Zwar sieht er Veränderungen bei ihnen. Doch er bemängelt, dass die Stadt nicht mehr Treffpunkte für sie zur Verfügung stellt.

Mit gemischten Gefühlen sieht Chris Weinert auf das Jahr 2010 zurück. "Bei den Jugendlichen hat sich Einiges bewegt, in der Verwaltung der Stadt aber leider weniger", sagt der Streetworker im Gespräch mit der BM. In den vorigen Monaten habe sich etwas verändert: "Es ist ruhiger in der Stadt. Aber das mag auch am Wetter und der Resignation der Jugendlichen liegen", mutmaßt Weinert.

Diese Resignation käme dadurch zustande, dass es an Ausbildungsplätzen und Jobs mangele. Außerdem fehle es den Jugendlichen in der Schloss-Stadt weiterhin an Treffpunkten. "Es geht sogar das Gerücht, dass man sich nicht länger als zehn Minuten am Etapler Platz aufhalten dürfe. Die jungen Leute wissen doch gar nicht mehr, wo sie hingehen sollen", bemängelt Weinert, der etwa 18 Jugendliche mehrfach in der Woche trifft und ihnen bei ihren Belangen hilft.

Kontakt zurzeit viel übers Internet

Der Arbeit mit Jugendlichen hat sich der heute 37-Jährige bereits vor Jahren verschrieben. Nachdem er Jugendliche in Dresden, Kempen, Pirmasens, Ludwigshafen und Neuenkirchen betreute, ist er seit September 2009 für Hückeswagen und Marienheide im Einsatz. Unregelmäßigen Kontakt, vor allem per Mail und Handy, hat der in Gummersbach lebende Steetworker zu rund 200 jungen Hückeswagenern. Jetzt im Winter hält er zu den meisten jungen Leuten vor allem übers Internet Kontakt. Im Sommer gehe es dann wieder nach draußen.

"In den Familien findet Kommunikation kaum noch statt", hat er festgestellt. Jugendliche suchten aber jemanden zum Reden. "Was ich ihnen rate, nehmen sie an und denken darüber nach." Die meisten Jugendlichen, die Weinert bei seiner Arbeit aufsucht, sind diejenigen, die "einfach nur ihre Freizeit verbringen." Viele haben eine Arbeit oder studieren.

"Hier in Hückeswagen gibt es nur drei, vier Jugendliche, die Ärger machen. An die komme ich gar nicht ran", bedauert er. Stattdessen bemüht sich der Streetworker darum, die anderen von ihnen fern zu halten.

Was die Treffpunkte für Jugendliche angeht, stellt Weinert für Hückeswagen fest: "Hier gibt es fast nichts für Jugendliche." Einzige Lichtblicke seien das Jugendzentrum und eine Gaststätte, für die er einige Jugendliche begeistern konnte. Denen macht er ein Kompliment: "Ihre Denkweise hat sich geändert. Sie haben gelernt, Sachen zusammenhängender zu sehen."

Einige haben Ehrenamt entdeckt

Einigen hat er einen Nebenjob vermittelt, manche engagieren sich inzwischen in Vereinen oder ehrenamtlich. "Gerade vollzieht sich allerdings ein Generationssprung. Viele gehen jetzt in die Ausbildung und neue kommen an den Treffpunkten hinzu", sagt Weinert. Er will sich auch neuen Herausforderungen weiter stellen.

(RP)
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