Hückeswagen: Streetworker hat alle Hände voll zu tun

Hückeswagen : Streetworker hat alle Hände voll zu tun

Seit November 2012 kümmert sich Streetworker Heiko Lenger um die Jugendlichen in der Schloss-Stadt. Als besonderes Angebot für Härtefälle plant der Diplom-Sozialpädagoge für den Sommer eine Ferienfreizeit in Spanien.

Der Kaufpark am Etapler Platz ist nur ein Ort, an dem sich jeden Mittag Scharen von Jugendlichen versammeln. Damit ist der Vorplatz des Supermarkts der Arbeitsplatz von Heiko Lenger. Nahezu täglich ist der Streetworker für sie da, hört sich ihre Sorgen an, gibt Ratschläge und steht ihnen zur Seite. Lenger ist für viele junge Hückeswagener längst zu einer wichtigen Bezugsperson geworden und hilft ihnen, ihren Alltag zu bewältigen.

Seit 17 Monaten ist der Streetworker in der Schloss-Stadt tätig. Aber nur mit einer halben Stelle, denn die andere Hälfte seiner wöchentlichen Arbeitszeit verbringt er in Marienheide. "Ich hätte aber kein Problem damit, von montags bis sonntags jeden Tag in Hückeswagen zu sein", sagt Lenger. Der 28-jährige Diplom-Sozialpädagoge hat nämlich alle Hände voll zu tun.

"Es gibt Fälle, in denen eigentlich eine 24-Stunden-Betreuung nötig wäre", sagt Lenger. Seine Arbeitstage dauern deswegen nicht selten bis 21 Uhr. In Hückeswagen hat er feste Streetworktage. "Die Jugendlichen wissen, wann sie mich erreichen können", berichtet Lenger, der zu seinem Klientel größtenteils Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zählt. Obwohl Hückeswagen eine Kleinstadt ist, haben die Jugendlichen oft dieselben Probleme wie die Gleichaltrigen in den Großstädten. Es geht um Themen wie Drogensucht, Alkohol, Familie, Freunde und Schule. Und die schwer wiegenden Probleme der Jugendlichen sind nicht "mal eben so" zu lösen. "Manchmal habe ich drei Leute in Betreuung, die mich so einspannen, dass für die anderen kaum Zeit bleibt", berichtet Lenger.

Der Diplom-Sozialpädagoge zählt sein Arbeitsaufkommen in Kontakten; wöchentlich kommen davon gut 200 zusammen. Hauptsächlich betreut er Jungen; bei den 14- bis 18-Jährigen sind es bis zu 70 Prozent. Um deren Problemen beizukommen, braucht es jede Menge Zeit — und Vertrauen. "Manchmal bringt es aber einfach viel mehr, die Jugendlichen aus ihrem Trott rauszuholen."

Das soll im Sommer passieren. Für August hat der Streetworker eine Ferienfreizeit in Spanien geplant, die er zusammen mit seiner Kollegin Michaela Hoffacker aus Nümbrecht und 13 Jugendlichen angehen will. "Gebucht habe ich die Reise schon", sagt Lenger. Dabei ist die Reise noch nicht finanziert. "Ich will die Freizeit mit den Jugendlichen aber unbedingt durchführen und habe mich deswegen weit aus dem Fenster gelehnt." Denn für viele der Jugendlichen sei es wichtig, den Alltag einmal hinter sich zu lassen. "Aus Spanien sehen die Probleme zu Hause ganz anders aus", sagt er. Es gehe darum, mit den jungen Leuten eine gute Zeit zu verbringen.

Das klingt banal, ist es aber nicht. Viele der Jugendlichen stehen alltäglich unter großer Belastung. Probleme in der Schule, im Freundeskreis und besonders solche in der Familie bedrücken die Jugendlichen "und machen ein altersgerechtes Aufwachsen eigentlich unmöglich". Manchen Kindern fehle die tägliche Stütze. "Ich erlebe immer wieder Eltern, die sich nicht um die Kinder kümmern und überfordert sind."

Michael Kirch, der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt, sichert Lenger für sein Projekt bereits Gesprächsbereitschaft zu. Nur durch städtische Zuschüsse lässt sich die Freizeit jedoch nicht finanzieren. "Es gibt mehrere Bausteine", sagt Lenger. Gemeinsam mit den Jugendlichen will er einen Teil der Kosten selbst tragen. Eine Gruppe wird im Frühjahr verschiedene Veranstaltungen besuchen und dort selbst gemachte Waffeln verkaufen.

"Natürlich ist das nur ein kleiner Beitrag, aber mir ist wichtig, dass die Kinder selbst etwas für die Reise tun", sagt der Diplom-Sozialpädagoge. Auch die Eltern sollen — je nach Möglichkeit — einen geringen Kostenbeitrag leisten.

(RP)
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