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Serie 150 Jahre Feuerwehr: Straßweg übt auch städteübergreifend

Serie 150 Jahre Feuerwehr : Straßweg übt auch städteübergreifend

Seit mehr als 100 Jahren ist die Löschgruppe Straßweg ehrenamtlich im Einsatz. 18 Aktive und zwei moderne Fahrzeuge sind dazu rund um die Uhr einsatzbereit. Das ehrenamtliche Engagement der Einsatzkräfte rettet mitunter auch Leben.

Hückeswagen In Straßweg ist die Löschgruppe mit 17 aktiven Männern und einer Frau gut aufgestellt. Ihr Einsatzgebiet ist groß und umfasst neben Straßweg und Purd auch die Ortschaften Dreibäumen, Niederdorp, Scheideweg, Schückhausen, Bockhacken, Westhofen sowie das Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg (West 2). Zukünftig könnte noch West 3 hinzukommen, das noch erschlossen werden muss. "Das würde für uns noch mehr Einsätze bedeuten", sagt der neue Gruppenführer, Oberbrandmeister Christoph Erlhagen.

Großbrände wie früher gebe es durch die heutigen Brandschutzauflagen kaum noch. Häufig lösen Brandmeldeanlagen in Firmen Alarm aus. "Nach fünf Fehlalarmen muss man aber auch beim sechsten Mal hinfahren, sonst kann es einmal zu wenig sein und fatale Folgen haben", betont Erlhagens Stellvertreter, Volker Wiese. Technische Hilfeleistungen machen heute einen Großteil der Feuerwehreinsätze aus. Diese können für die Einsatzkräfte besonders belastend sein, so wie der Autounfall auf der L 101 im Oktober - mit tödlichem Ausgang für beide Fahrer.

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Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr opfern ihre Freizeit für Einsätze, Übungen und Weiterbildungen. "Wir sind durch den Pieper 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag einsatzbereit", sagt Hauptbrandmeister Volker Wiese. Das könne jedoch nur funktionieren, wenn Partner und Familie diese Einsatzbereitschaft mittragen. Erlhagen wünscht sich vor allem mehr Akzeptanz für die Arbeit der Feuerwehrleute in der Bevölkerung. "Alle machen das freiwillig und ehrenamtlich", betont er. Doch auch in einer Kleinstadt wie Hückeswagen gebe es Schaulustige, die den Einsatz behinderten oder Verkehrsteilnehmer, die Straßensperren der Feuerwehr ignorierten und trotz Ausnahmesituation ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellten.

Gegründet wurde die Straßweger Löschgruppe 1907. Das erste Spritzenhaus entstand 1926 in Unterstraßweg. Aus der Zeit des Nationalsozialismus sind keine Dokumentationen mehr vorhanden. Es wird lediglich belegt, dass die Gruppen Straßweg und Wiehagen bis 1945 als fünfter Löschzug in Hückeswagen gemeinsam ihren Dienst versahen. Die Kriegsereignisse führten letztlich dazu, dass nach 1945 keine Feuerwehr in Straßweg mehr existierte. Erst nach einem Brand in Strucksfeld erfolgte 1952 ein Aufruf des Wehrführers August Mühleder und der Stadtverwaltung unter Stadtdirektor Hans Hochstein zur Neugründung der Löschgruppe.

Als das baufällige Gerätehaus in Unterstraßweg 1956 einem heftigen Sturm zum Opfer fiel, gab es einen Neubau oberhalb von Straßweg. Ab 1974 nutzte die Löschgruppe einen Raum des ehemaligen Schulgebäudes Straßweg für die theoretische Ausbildung. Erst nach dem kompletten Umbau 1989 existieren dort auch eine Garage mit zwei Einstellplätzen und ein modernisierter Unterrichtsraum. Hier treffen sich die Kameraden noch heute jeden zweiten Freitag zur Gruppenübung.

Einmal im Jahr gibt es eine besondere Übung mit den Löschgruppen der angrenzenden Städte. Dann schließen sich die Straßweger und Dhünner Feuerwehrleute zum "Löschen - Baden - Grillen" zusammen. Was sich lustig anhört, hat durchaus Sinn: "Es werden komplexe Übungen ausgearbeitet, bei denen man auch mal nass wird. Beim anschließenden Grillen werden eventuelle Fehler besprochen", berichten Erlhagen und Wiese. Hierdurch lernten sich die Einsatzkräfte besser kennen, was wiederum die Zusammenarbeit erleichtere, wenn es zu einem stadtübergreifenden Einsatz komme.

Sehr beliebt ist auch das jährliche Sommerfest, das die Feuerwehr seit 1981 gemeinsam mit der Chorgemeinschaft 1888 Straßweg organisiert. Zudem gibt es alle zwei Jahre eine Wochenendtour mit den Partnerinnen oder dem Partner - "als großes Dankeschön für die Unterstützung", sagt Wiese.

Im Frühjahr des anderen Jahres verreisen die Kameraden gemeinsam. Das Wochenende auf Mallorca vor sechs Jahren wurde zwangsläufig um vier Tage verlängert, da durch den Vulkanausbruch in Island eine Aschewolke aufstieg und kein Flugzeug starten konnten. Besonders traurig waren die Männer darüber jedoch nicht.

"Wir haben eine super Kameradschaft. Man kann sich auf jeden verlassen - auch beim Einsatz", versichert Wiese. Probleme bereite jedoch der Nachwuchsmangel, da fast nur Familienmitglieder in die Feuerwehr eintreten. Dass jetzt erstmalig in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Straßweger Feuerwehr eine Frau zum Team gehört, freut Erlhagen sehr. "Nicht, dass Frauen nicht willkommen gewesen wären - es hatte sich bisher nur einfach nicht ergeben."

(heka)