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Sternsinger in Hückeswagen unterwegs.

Sternsinger : Unterwegs mit Stern, Umhang und Kronen

Am Wochenende machten sich die Sternsinger für Kinder in Not auf den Weg – trotz Nieselregens und Windböen.

Es regnet. Der Nieselregen hinterlässt erste Spuren auf den goldenen, glitzernden Kronen. „Aber die halten viel aus“, sagt Jessica Flohr und rückt das Exemplar auf dem Kopf ihrer Tochter Josefin zurück. Die Fünfjährige hat ihren Schneeanzug angezogen, Gummistiefel, Mütze und Schal und am Ende den schönen Umhang umgelegt und die goldene Krone aufgesetzt. „Mir macht das Wetter nichts“, sagt sie und lacht. Ihrem Bruder Moritz, der anderthalb ist, geht es genauso: Er trägt stolz seine Krone und hat einen gemütlichen Platz im Kinderwagen bekommen. Als Laura und Lisa über die Straße angestürmt kommen und sich genauso wenig beeindruckt vom Wetter zeigen, startet die muntere Truppe ihre Tour zu den Haustüren. Die vier Sternsinger gehören zu den jüngsten ihrer Zunft in Hückeswagen – und trotzdem bringen sie schon viel Erfahrung mit. „Wir machen das zum dritten Mal“, erklärt Laura (9) und deswegen wissen die Mädels längst, was zu tun ist.

Ihr Einsatz beginnt mit einem kleinen Wettrennen: Schließlich will jedes der munteren Mädchen das erste an der Türklingen sein. Und kaum haben sie den Knopf gedrückt, blicken sie gespannt zu der großen weißen Tür. Als eine ältere Dame öffnet, legen Josefin, Lisa und Laura los – mit stimmlicher Unterstützung ihrer Mütter. „Mit Stern, Umhang und Krone verkünden wir Gottes Sohn“, singen die Drei mit ihren hellen Kinderstimmen. Danach gibt Jessica Flohr nur kurz den Einsatz, und schon stimmen die Mädchen in den Segensspruch ein: „Sein Kommen in der dunklen Nacht hat Licht in die Welt gebracht“, erklären die Kinder den Erwachsenen, die in den offenen Türen stehen. Und bevor sie weiterziehen, deutet Lisa auf die große Dose, die sie sich um den Hals gehängt hat. „Wir sammeln für Kinder“, erklärt Josefin ernst. Um genau zu sein: In diesem Jahr sammeln Sternsinger in ganz Deutschland für Kinder mit Behinderung in Peru. Und diesem Einsatz schließen sich auch die Jungen und Mädchen in Hückeswagen an – mit großem Engagement und ohne Angst, an fremden Türen zu klingeln.

Währen einige Gemeindemitglieder sich bei den Sternsingern gemeldet und um einen Besuch gebeten haben, sind Josefin, Moritz, Lisa und Laura am Samstagmorgen im ganzen Viertel rund um die Eisenstraße unterwegs. Trotzdem überrascht ihr Besuch nur die wenigsten – viele haben die Kinder schon erwartet. Dann gibt es mal Schokolade oder lustiges Weingummi – aber immer eine Spende. Inzwischen sind die Mädchen an der nächsten Türe angekommen. „Wer darf klingeln?“ fragt Lisa in die Runde, denn inzwischen haben die Mädchen eine Reihenfolge festgelegt, um Klingelstreit zu vermeiden. Also drückt Josefin die nächste Klingel, hört gespannt auf den Ton, der durch den dunklen Flur schallt und freut sich, als sich die Türe öffnet. Und schon stimmen die Mädchen wieder ihr Lied an. „Du bekommst noch den Segen“, erinnert Laura den älteren Herrn, der nach seiner Spende die Tür schon wieder schließen will. Und dann überreicht sie ihm den schwarzen Aufkleber, auf den bereits wasserfest der Schriftzug „20*C+M+B+19“ gedruckt ist und als Abkürzung für den Segenswunsch „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ steht. Und was hat es mit diesem Segen auf sich? Josefin erinnert an ihren Spruch, den sie an jeder Tür vortragen: „Es wünschen euch ein helles und segensreiches Jahr. Casper, Melchior und Balthasar.“ Dann zögert sie kurz, blickt noch mal den Aufkleber an und sagt: „Das bedeutet Segen.“

Als die Kinder nach ihrer großen Runde nach Hause zurückkehren, haben Regen und Kälte doch ihre Spuren hinterlassen. Dann allerdings öffnet Jessica Flores die Dose und beginnt schon mal das Geld zu zählen: 423,64 Euro. Der Einsatz hat sich gelohnt.