Hückeswagen im Jahr 1869: Spendenaufruf für ein Evangelisches Krankenhaus

Hückeswagen vor 150 Jahren : Pastor Bruchs Spendenaufruf für ein Evangelisches Krankenhaus

Pfarrer Karl August Maximilian Bruch versuchte, in Hückeswagen den Bau eines Evangelischen Kranknhauses zu forcieren.

Die Daseinsfürsorge der Kommunen im 19. Jahrhundert für ihre Bürger beschränkte sich in der Regel auf das Allernotwendigste. Krankenhäuser gehörten zumindest in kleineren Städten nicht dazu, so dass es im Normalfall den Kirchen überlassen war, Abhilfe zu schaffen. In Hückeswagen waren zwei Konfessionen in Finanzierungsfragen aktiv. Als Protagonist wurde vor allem der katholische Pfarrer Johann Peter Heinrich Giesen bekannt, der auch der „Bettelpastor“ genannt wurde. Er hatte diesbezüglich ein Pendant bei den Reformierten: Pfarrer Karl August Maximilian Bruch. Beispielhaft für sein Wirken ist ein öffentlicher Aufruf vor 150 Jahren am 19. August 1869, in dem er die Menschen, die sich zu einer jährlichen Spendenzahlung zu Gunsten des Krankenhauses verpflichtet hatten, in einer „ergebenden Mittheilung“ an die anstehende Fälligkeit erinnert.

Bruch wurde am 16. August 1838 in Waldbröl geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Minden, in der Stadt, in die sein Vater als evangelischer Pfarrer 1847 versetzt worden war. Nach einem Theologie-Studium von 1857 bis 1860 in Bonn und Göttingen folgten fünf Jahre lang diverse Anstellungen als Lehrer, unter anderem in Petershagen und Minden. Bruchs geistliche Laufbahn begann in Witten, wo er Pfarrvikar wurde.

Am 1. März 1865 trat er schließlich die Stelle als Pfarrer der Reformierten Gemeinde in Hückeswagen an. In seine Zeit fällt die Ablösung des bei den Reformierten weit verbreiteten Heidelberger Katechismus durch den Unterbarmer Unions-Katechismus. Doch diese theologische Frage war eher eine innerprotestantisch-theoretische Glaubensangelegenheit. Viel prägender und mit großer Außenwirkung waren die Aktivitäten in Sachen Armen- und Krankenfürsorge. Am 30. Oktober 1866 gründete unter anderem Bruch den Evangelischen Armen-, Waisen- und Krankenhausverein, dessen Hauptaufgabe es war, die Errichtung eines Krankenhauses voranzutreiben. Bruch wurde Vorsitzender und blieb es 25 Jahre lang bis zu seinem Tod am 13. Juli 1892. Somit erlebte er zwar noch die Einrichtung eines Evangelischen Armenhauses im Jahr 1889, jedoch nicht mehr die Eröffnung des Krankenhauses Johannesstift im Sommer 1906, was schließlich das Hauptanliegen des Vereins war. Somit ging auch sein Wunsch nach „baldigem Gelingen“, den er in seinem Aufruf von 1869 formulierte, nicht in Erfüllung.

Auch die Vereinigung der Reformierten und der Lutheraner erlebte er nicht mehr. Bruch musste im Gegenteil Rückschläge zur Kenntnis nehmen, als im Jahr 1884 ein solcher Einigungsversuch scheiterte.

Am 2. März 1887 hielt er die Predigt zum 100. Gedenktag zur Einweihung der Pauluskirche. Diese ist insofern lokalhistorisch relevant, da er in ihr den „Wahlspruch der Gemeinde“ nach Psalm 42.2 erläutert, der die biblische Grundlage für den über dem Kirchenportal eingemauerten Hirschen darstellt.

Bruch, der übrigens ein Vetter des berühmten Komponisten Max Bruch war, zeichnete sich als Übersetzer griechischer Literatur aus und hinterließ so auch überregional Spuren. Er übersetzte die Tragödien des Sophokles und einige Dramen des Euripides. Auch seine Dichtung, wie etwa „Hellas“, befasste sich mit der Mythologie des hellenistischen Altertums. Sein Grabstein auf dem Friedhof Am Kamp ist erhalten geblieben.

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