Hückeswagen: Der Postbote auf dem Campingplatz

Bever-Talsperre Hückeswagen : Der Postbote auf dem Campingplatz

Olaf Oestreich bringt den Anwohnern und Campern der Bever-Talsperre seit zehn Jahren ihre Post. Mit vielen Stammkunden ist der Postzusteller inzwischen per Du. Der 54-Jährige liebt seine Tour, die ihn in die Natur führt.

Wenn Olaf Oestreich sich in der Gaststätte „Beverblick“ mit einem kühlen Getränk erfrischt, ist der Feierabend nicht mehr fern. Seit zehn Jahren stellt der Postbote an der Bever-Talsperre die Briefe und Pakete den Anwohnern, Dauer- und Durchgangscampern zu. Auf dem Campingplatz „Beverblick“ von Maik Wickesberg gibt es dafür eine große Briefkastenanlage. Schon von Weitem ist der gelbe Postwagen von Olaf Oestreich zu sehen. „Die Camper kommen ihm dann entgegen, nehmen die Post an oder geben ihm Retouren mit“, erzählt Wickesberg.

Die Paket- und Briefannahme durch die Verbundzusteller ist ein Service der Deutschen Post, und die Dauercamper nutzen ihn gerne. „Das ist besonders für die Älteren wichtig, die dann nicht extra mit dem Bürgerbus zur Post-Filiale in die Stadt fahren müssen“, betont Wickesberg.

Bei der Deutschen Post ist Oestreich bereits seit 38 Jahren beschäftigt. „Ich habe in Wuppertal, Radevormwald und Wipperfürth gearbeitet“, sagt der 54-Jährige, der in Halver lebt und in Hückeswagen aufgewachsen ist. Die Schloss-Städter sind ihm jedoch ans Herz gewachsen. „Sie sind sehr unkompliziert und umgänglich. Und da man sich kennt, hat man viele Freiheiten, was beispielsweise die Ablageorte der Pakete angeht“, sagt der Postbote.

Sein Arbeitstag beginnt um 7.15 Uhr am Zustellstützpunkt der Post an der Peterstraße. Dort werden die Briefe sortiert und wird der Kastenwagen mit den Paketen beladen. Danach begibt sich Oestreich auf seine Tour rund um die Talsperre. Sie beginnt in Kleineichen, führt über Heide und Elberhausen bis nach Kleinhöhfeld. Anschließend geht es zurück über den Staudamm nach Mickenhagen und Wefelsen.

Die Menge der Zustellungen nimmt auch in den Wintermonaten nicht ab. „Selbst die Durchgangscamper, die nur zwei oder drei Wochen hier bleiben, bestellen im Internet oder lassen sich Weihnachtsgeschenke liefern“, hat Wickesberg festgestellt. So hat Oestreich schon jede Menge Pakete mit Auflagen-Boxen zum Verstauen der Camping-Utensilien, aber auch Rollmatratzen, Hundefutter und Katzenstreu bis hin zum kompakten Grill an den Mann oder die Frau gebracht.

 Die Kunden kennen „ihren“ Postboten – mit vielen ist Oestreich bereits per Du. Einer von ihnen ist Dauercamper Michael Malek. „Ich hatte 17 Jahre meinen Zweitwohnsitz auf dem Platz an der ,Beverklause’ und bin jetzt seit dreieinhalb Jahren auf dem Platz am ,Beverblick’“, berichtet er. Wenn Oestreich mit dem Postwagen kommt, wird freundlich gewunken und sich herzlich begrüßt. „Mit dem Postboten muss man sich guthalten“, witzelt der Camper mit einem Augenzwinkern.

Während seiner Laufbahn haben sich die Aufgaben des Post-Mitarbeiters stark gewandelt. So hatten die Briefträger früher noch die Aufgaben, die Rentenauszahlungen vorzunehmen oder die Rundfunkgebühren zu kassieren. Und natürlich wurde der Postbote auch schon mal zu Kaffee und Kuchen eingeladen. „Und wehe, man kam dann nicht rein“, sagt Oestreich lachend. Heute seien die Bezirke größer, sei die Zustellung anonymer, die Arbeit aber keinesfalls geringer geworden. „Zeit ist heute knapp“, weiß der Postbote. Dennoch liebt er seinen Job. „Erst ein bisschen Innenstadt und dann raus aufs Land“ – das ist es, was ihm an seinem Zustellungsbezirk besonders gefällt.

Der 54-Jährige arbeitet da, wo andere Urlaub machen und genießt die tägliche Bever-Idylle. Einen kurzen Plausch mit den Campern gibt es natürlich auch. „Dann darf man sich auch schon mal mit den Sorgen und Nöten seiner Kunden beschäftigen“, verrät er, ohne jedoch mehr zu verraten. Auch das kollegiale Klima unter den 16 Kollegen in Hückeswagen weiß der Postbote zu schätzen. „Manche arbeiten schon länger zusammen, als sie verheiratet sind“, sagt er lachend. Also gute Voraussetzungen, um sich noch lange die Freude am Berufsleben zu bewahren.

Mehr von RP ONLINE