Hückeswagen: Stadt will eigene Baubehörde

Hückeswagen : Stadt will eigene Baubehörde

Wer in Hückeswagen bauen möchte, muss den entsprechenden Antrag an den Kreis richten. Das könnte sich bald ändern: Die Stadt will selbst Baugenehmigungsbehörde werden und dabei mit Radevormwald kooperieren.

Zwei Firmen investieren aktuell Millionen in den Standort Hückeswagen. Bei ixetic, inzwischen zweitgrößter Arbeitgeber in der Stadt, wurde der Grundstein am 20. Mai gelegt, bei proroll am 30. Mai. Was auffallend war: Bei beiden offiziellen Festakten sprachen Geschäftsführer und Architekten Schwierigkeiten und aus ihrer Sicht unnötige Verzögerungen im Baugenehmigungsverfahren an.

Ihre Schelte galt der Kreisverwaltung, während den Ansprechpartnern der Bauherren in der Hückeswagener Stadtverwaltung ausdrücklich Lob zuteil wurde. Kreis wie Stadt haben die Zertifizierung als "Mittelstandsfreundliche Verwaltung" — die Stadt schon etwas länger als der Kreis —, der Mittelstand selbst fühlt sich von der Stadt aber offenbar freundlicher behandelt.

Bürgermeister Uwe Ufer, dem schon häufiger ähnliche Klagen speziell über die Baugenehmigungsbehörde in Gummersbach zu Ohren gekommen sind, hat das Thema erst kürzlich in einem Schreiben an Landrat Hagen Jobi zur Sprache gebracht. "Wir würden dem Kreis schon gerne einige konkrete Verbesserungsvorschläge vor allem auch in der Kommunikation zwischen Bauherren und der Genehmigungsbehörde unterbreiten", sagte er gestern auf Anfrage der BM. In Gummersbach besteht daran aber offenbar kein Interesse. "Der Landrat hat mir geantwortet, dass er derzeit keinen Handlungsbedarf sehe", sagte Ufer.

Den sieht nun allerdings die Stadt für sich selbst. Ufer: "Im Rahmen des Modellprojekts ,Shared Services' denken wir auch darüber nach, eine eigene Baugenehmigungsbehörde zu installieren und in diesem Punkt unabhängig vom Kreis zu werden." Gedacht sei an eine interkommunale Kooperation mit der Nachbarstadt Radevormwald, die bereits eine eigene Baugenehmigungsbehörde hat. "Wir wollen uns da aber nicht einfach nur andocken, sondern legen Wert auf ein eigenes Mitsprache- und Entscheidungsrecht, wenn es um Bauanträge aus Hückeswagen geht", unterstrich Ufer.

Bislang war die Einrichtung einer eigenen Baugenehmigungsbehörde für die Stadt nicht möglich, weil der Schwellenwert bei über 20 000 Einwohnern lag, Hückeswagen aber nur rund 16 300 hat. Durch eine Kooperation mit Radevormwald wäre die gesetzlich geforderte Größenordnung erreicht.

Wie konkret die Kooperation aussehen kann und sollte, wird noch geprüft, bevor es zu einer politischen Entscheidung beider Nachbarstädte in der Grundsatzfrage kommen kann.

(RP)
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