Hückeswagen: Stadt sucht Schiedsperson

Hückeswagen : Stadt sucht Schiedsperson

Mehr als zehn Jahre war Friederike Eichler stellvertretende Schiedsfrau in Hückeswagen. Im April zieht sie sich aus dem Ehrenamt zurück. Die Stadt sucht einen Nachfolger. Bewerber müssen keine Jura-Kenntnisse vorweisen.

Wenn Nachbarn sich in die Haare kriegen, herrscht oft "Krieg am Gartenzaun". Es geht um kreischende Kinder, die Hinterlassenschaften des Hundes, den Baum, der seine Blätter aufs Grundstück nebenan wirft. Hans-Jürgen Grasemann kann ein Lied davon singen. Als Schiedsmann in Hückeswagen hat der 60-Jährige schon viele Fälle von Nachbarschaftsstreit erlebt — und einige davon geschlichtet. Bislang konnte er dabei auf die Unterstützung seiner Stellvertreterin bauen. Doch Friederike Eichler zieht sich im April aus persönlichen Gründen zurück, die Stadt sucht einen Nachfolger.

Laut dem Gesetz über das Schiedsamt in Gemeinden des Landes NRW müssen Bewerber einige Voraussetzungen erfüllen: Sie dürfen unter anderem nicht jünger als 30 und nicht älter als 70 Jahre sein und müssen ihren Wohnsitz im Schiedsamtsbezirk, in diesem Fall also in Hückeswagen, haben. Schiedspersonen werden vom Stadtrat auf fünf Jahre gewählt und müssen vom Amtsgericht bestätigt werden.

Vermitteln zwischen Streitenden

Besondere berufliche Qualifikationen brauchen sie indes nicht vorweisen, insbesondere kein Fachwissen in Jura. "Wir sind keine Richter, fällen keine Urteile", sagt Grasemann, der auch Fraktionschef der SPD im Stadtrat ist. Vielmehr gehe es darum, zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln, als Mediator einen Kompromiss herbeizuführen: "Wichtig sind dabei Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl."

Die notwendige Schulung wird von der Stadt bezahlt. Bürgermeister Uwe Ufer sieht "Friedensstifter" in den Schiedsleuten: "Mir ist es in jedem Fall lieber, wenn Menschen sich gütig einigen können, statt Rechtsanwälte und Gerichte zu beschäftigen."

Doch genau das passiert in den meisten Fällen. Aus einem einfachen Grund: Vielen Menschen ist schlicht nicht bewusst, dass es Schiedsleute gibt. "Der erste Schritt ist leider oftmals der zum Rechtsanwalt", sagt Grasemann.

Dabei kann er neben dem klassischen Nachbarschaftsstreit auch in anderen, sogar strafrechtlich relevanten Fällen außergerichtlich helfen: unter anderem bei Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung sowie bei leichter oder fahrlässiger Körperverletzung. Allerdings kann er nur aktiv werden, wenn er angerufen wird, Informationen von der Polizei oder Juristen bekommt.

Drei bis sechs Fälle pro Jahr

In Hückeswagen gibt es laut Grasemann zwischen drei und sechs Fälle pro Jahr, mit denen sich die Schiedsstelle beschäftigen muss. Entsprechend gering ist der Arbeitsaufwand. "Ich brauche vor allem einen Stellvertreter, der mich bei Krankheit oder im Urlaub vertritt." Grundsätzlich arbeite er gern im Team.

Bewerber sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie ein Ehrenamt übernehmen. Einen kleinen Obolus gibt es trotzdem: bei erfolgreicher Schlichtung jeweils 12,50 Euro für die Schiedsperson und die Stadt, bei negativem Ausgang jeweils fünf Euro.

(RP)
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