Hückeswagen: Sorgen um Haus-Verfall in der Altstadt

Hückeswagen : Sorgen um Haus-Verfall in der Altstadt

Die schönen Fassaden in der Altstadt bröckeln – nicht alle, doch offenbar immer mehr. Das jedenfalls ist Jörg von Polheim ins Auge gefallen. Der FDP-Fraktionschef sorgt sich nun über den Erhalt der Baudenkmäler.

Die schönen Fassaden in der Altstadt bröckeln — nicht alle, doch offenbar immer mehr. Das jedenfalls ist Jörg von Polheim ins Auge gefallen. Der FDP-Fraktionschef sorgt sich nun über den Erhalt der Baudenkmäler.

Früh in den 1980er Jahren wurde Hückeswagen in ein Förderprogramm des Landes für Kommunen mit historischem Stadtkern aufgenommen. Seitdem stehen viele Häuser in der Stadt unter Denkmalschutz. Nahezu die gesamte Altstadt ist als Denkmal-Ensemble ausgewiesen. Aber inzwischen ist vieles an denkmalwürdiger Bausubstanz verloren gegangen, an einigen Stellen schreitet der Verfall fort.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass es schon seit Jahren keine Fördermittel mehr für die Restaurierung und den dauerhaften Erhalt von Baudenkmälern in Privatbesitz gibt. Anders als in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als viel Geld aus Landestöpfen in den Denkmalschutz vor Ort floss, sind die Investitionen ins Denkmal inzwischen reine Privatsache geworden. Und das kann sich bei weitem nicht jeder Hausbesitzer leisten.

Sorgen macht diese Entwicklung auch der FDP. Fraktionschef Jörg von Polheim sprach es jetzt in der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien an. "Immer mehr Häuser in der Altstadt sehen inzwischen erschreckend aus", stellte er fest. Er regte an, dass die Stadt einen Informationsabend für Hausbesitzer veranstaltet, in denen Fachleute über die finanziellen Möglichkeiten aufklären, die private Eigentümer für die Restaurierung von Baudenkmälern in Anspruch nehmen können. Auch wenn mit Landeszuschüssen nicht mehr zu rechnen sei, gebe es doch unter anderem interessante Finanzierungskonditionen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die vielen aber nicht bekannt seien.

Bürgermeister Uwe Ufer sagte zu, die Anregung aufgreifen zu wollen. Allerdings denke er nicht über eine städtische Infoveranstaltung nach, sondern wolle die örtliche Sparkasse als Veranstalter gewinnen. Ufer: "Da sitzen die Fachleute, die aus erster Hand über Finanzierungswege informieren können und die über die entsprechende Erfahrung verfügen."

Für viele Hückeswagener seit Jahren ein "Schandfleck" ist das alte Schieferhaus an der Einmündung der Waidmarktstraße in den Schmittweg. Vor einigen Jahren ließ der Eigentümer aus Radevormwald das Dach komplett neu decken — aber das war's seitdem. Die Fassade bröckelt, die Fenster wurden — nachdem sie eingeworfen worden waren — mit Sperrholzplatten zugenagelt. Und inzwischen steht vor dem Haus ein Bauzaun — aus Sicherheitsgründen.

Dieses unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist alles andere als ein Paradebeispiel dafür, wie Denkmalpflege im historischen Stadtkern von Hückeswagen funktioniert. Das Bauamt hatte sich das Haus vor einiger Zeit mit dem Landeskonservator angesehen. Laut Bauamtsleiter Andreas Schröder ist zumindest das Dach dicht. Deshalb sei akut ein weiterer Substanzverlust nicht zu befürchten.

Viel tun kann die Stadt nicht, um Druck auf den Hauseigentümer auszuüben. Eine theoretische Möglichkeit wäre es, das Haus zu erwerben und auf städtische Kosten denkmalgerecht zu renovieren. Doch dafür fehlt das Geld.

Ein anderes Beispiel, wie ein einst hübsches bergisches Haus mitten in der Stadt verlottert, ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude an der Ecke Bachstraße/Heidenstraße. An dem hatte Anfang 2012 die Leitung des Freilichtmuseums Lindlar Interesse. Die wollte das historische Gebäude abbauen und in Lindlar wieder aufbauen lassen, um darin dann die frühere Drogerie Stöcker von der Kölner Straße unterzubringen. Letztlich scheiterte der Vorstoß am Preis, den der Eigentümer für das Haus haben wollte.

(bn)
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