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Sommerbob in Hückeswagen steht vor dem Aus

Sponsoren gesucht : Sommerbob-Märchen ohne Fortsetzung?

Vor zehn Jahren gab es in Hückeswagen eine vielbeachtete und vor allem kuriose Premiere: Erstmals rasten Bobpiloten in ihren Bobs auf Rollen durch die Altstadt. 2014 fand die vierte Auflage statt – wie es aussieht, könnte es die letzte gewesen sein.

Was für eine Stimmung! Als am späten Nachmittag des 24. August 2014 der letzte Bob über Markt-, Island- und Bahnhofstraße gerast war, brandete einmal mehr riesiger Jubel bei den mehreren tausend Zuschauern an der Strecke auf. Und als wenig später sämtliche Bobpiloten und ihre Anschieber unter anderem aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Kanada und den USA die große Bühne auf der Bahnhofstraße betraten, feierte Hückeswagen „seine“ Bobsportler – und die feierten begeistert mit. Hatten sie doch eine solche Stimmung selbst bei Olympischen Spielen nicht erlebt. Entsprechend breit war das Grinsen bei den Piloten wie Anja Schneiderheinze (Deutschland), Steven Holcomb (im Mai 2017 überraschend gestorben), Elana Meyers Taylor (beide USA), Justin Kripps (Kanada), Esme Kamphuis (Niederlande) oder Beat Hefti (Schweiz).

Sie alle würden gerne und wahrscheinlich sofort wieder in die Schloss-Stadt kommen. Das jedenfalls versichern Sven Schreiber, Initiator der Sommerbob-Rennen und Inhaber der Radevormwalder Veranstaltungsagentur „hammerevents“, sowie Monika Winter, Geschäftsführerin des Stadtmarketings, im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch momentan sieht es schlecht aus, dass es zu einer fünften Auflage kommt. Denn es fehlt das Geld.

„Vor wenigen Wochen war ich noch in Oberhof bei Wolfgang Hoppe“, berichtet Schreiber. Dem Bundestrainer der deutschen Bobfahrerinnen hatte er Sommerbob-Rollensätze gebracht – immerhin fürs Sommertraining unter anderen von der Überraschungsolympiasiegerin von Pyeongchang, Miriama Jamanka, werden die Sportgeräte derzeit genutzt. Auch in Thüringen erhielt Schreiber eine positive Resonanz auf eine mögliche Neuauflage des Sommerbob-Events. Und selbst der Weltverband IBSF, der Internationale Bob- und Skeleton-Verband, sei heiß darauf, versichert der Radevormwalder. „Der würde die Sache auch weiterhin finanziell unterstützen“, versichert Schreiber. Allerdings verlangt er eine Beteiligung von Sponsoren aus dem Bergischen – und genau daran hapert’s.

Schreiber hat sich bei vielen Firmen, die die Sommerbob-Rennen in der Vergangenheit finanziell unterstützt hatten, eine Abfuhr erteilt. „Ich habe schon voriges Jahr im August/September angefangen, sie für ein mögliches Rennen in diesem Jahr anzusprechen“, sagt Schreiber. Doch die Resonanz sei gleich Null gewesen. Dabei hätten sie, so betont er, nur etwa die Hälfte dessen, was sie in früheren Jahren gesponsert hätten, auf den Tisch legen müssen. Aber es hat offenbar alles nichts geholfen.

So wird es nichts mit der für diesen Sommer angepeilten „Olympia-Revanche“, wie Schreiber und der Weltverband den Wettkampf vor vier Jahren plakativ bezeichnet hatten. Der Radevormwalder arbeite nun, wie er sagt, für eine mögliche fünfte Auflage in 2019. Vielleicht kann sie fürs kommende Jahr auf die Beine gestellt werden – dann womöglich mit einem „Rennen der Legenden“: Schreiber schwebt vor, samstagabends unter Flutlicht ehemalige Bob-Größen in den Bobs durch den Asphalt-Kanal der Altstadt gegeneinander fahren zu lassen. „Ich möchte das weiterhin; das ist eine Supergeschichte.“

Das möchte auch Monika Winter. Die Geschäftsführerin des Stadtmarketings sieht jedoch den Weltverband in der Pflicht: „Wir brauchen eine konkrete Zusage für einen Termin und dann eine konkrete Zahl, was an Sponsorengeld benötigt wird.“ Dann könnte in Hückeswagen mit der Akquise der Sponsoren begonnen werden. Sie sieht allerdings momentan nicht, dass das Sommerbob-Märchen in Hückeswagen eine Fortsetzung finden wird.
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