Hückeswagen: Sichere Jobs, weniger Lohn

Hückeswagen: Sichere Jobs, weniger Lohn

Das Familienunternehmen Pflitsch reagiert auf die Krise: Stark wird auf die Kostenbremse getreten, dazu gehören Lohn- und Gehaltskürzungen. Die positive Nachricht: Es soll keinen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen geben.

Der eigene Arbeitsplatz ist sicher. Aber das Einkommen sinkt. Das waren die beiden zentralen Botschaften der Unternehmensleitung gestern Morgen auf einer Mitarbeiter-Versammlung bei Pflitsch. Es war die inzwischen vierte in diesem Jahr der weltweiten Krise, die an dem Traditionsunternehmen nicht spurlos vorüber gegangen ist. Am Ende dürfte bei allen 190 Mitarbeitern eine Erkenntnis angekommen sein: Es geht dem Mittelständler von der Wupper, gemessen an den Vorjahren, nicht gut. Aber es geht ihm immer noch besser als zahlreichen anderen Unternehmen nicht nur in der Kunststoff-Branche.

Umsatz deutlich gesunken

Konkrete Zahlen dazu nannten Firmenchef Harald Pflitsch und sein kaufmännischer Leiter, Dr. Hans Marenbach, gestern vor der Mitarbeiterversammlung in einem Pressegespräch. Im Geschäftsjahr 2008/2009 (es läuft bei Pflitsch von Anfang Juli bis Ende Juni des Folgejahres) wurde ein Umsatz von 30 Millionen Euro erzielt. 2008/2009 waren es nur noch 26 Millionen Euro. Die zweite Hälfte 2008 war mit einem Gewinn abgeschlossen worden, die erste Hälfte 2009 mit einem Verlust. Fazit von Harald Pflitsch: "Das exakte Endergebnis des vorigen Geschäftsjahres steht noch nicht fest. Sicher ist — es wird nicht erfreulich sein."

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Vorsichtig-pessimistisch fällt die Planung für das neue Geschäftsjahr 2009/2010 aus. "Unsere Umsatzerwartung liegt bei 23 Millionen Euro, also noch einmal drei Millionen weniger. Wir gehen davon aus, dass es keinen Gewinn, aber auch keinen Verlust geben wird — ein durchaus ehrgeiziges Ziel in Krisenzeiten wie diesen", sagte Hans Marenbach.

Konsequenz für die Belegschaft: Kein Gewinn ist gleichbedeutend mit null Bonuszahlung, denn die Boni sind in dem im Vorjahr entwickelten hauseigenen Lohn- und Gehaltssystem der Firma Pflitsch, wie üblich, an den Ertrag gekoppelt. Das Unternehmen hat sich von der Tarifbindung gelöst. Sollte es in diesem oder im nächsten Jahr in der Branche zu Tariferhöhungen kommen, wird es bei Pflitsch keine Anhebung des Grundlohns bzw. -gehalts geben. Diese Regelung ist eingebunden in ein Gesamtpaket von Kosteneinsparungen, mit denen die Umsatzrückgänge ausgeglichen werden sollen. Auch ein Investitionsstop gehört dazu. Harald Pflitsch sagte es in aller Deutlichkeit: "Ohne Gehalts- und Bonuskürzungen wäre die Freisetzungsquote wesentlich höher. Wir müssten weitere Mitarbeiter entlassen."

Stattdessen hat Pflitsch sich entschieden, die verbliebene Stammbelegschaft zu halten. Neueinstellungen wird es nicht geben. Zu Jahresbeginn waren zunächst Leihkräfte entlassen worden, ab März dann 19 Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft. Seit April wird in dem 90 Jahre alten Familienunternehmen Kurzarbeit gefahren. Dabei wird es in den nächsten Monaten auch bleiben.

(RP)
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