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Hückeswagen: Schüler schnuppern Ausbildungsluft

Hückeswagen : Schüler schnuppern Ausbildungsluft

Beim Tag der offenen Tür im Berufskolleg Hückeswagen gehen Schüler auf Fehlersuche und vermarkten Müsli.

Die Vorführung beginnt mit einem Knall, nur Sekunden nach dem Einschalten der Maschine. "Das klang aber gar nicht gut, was machen wir denn jetzt?" fragt Waldemar Warkentin, Lehrer am Berufskolleg Hückeswagen, in die Runde. Die Schüler der örtlichen Realschule sehen sich ratlos an, mit einer Vorführung, bei der sofort etwas kaputtgeht, haben sie nicht gerechnet.

Die Schüler der neunten Klasse sind, wie viele andere auch, zum Tag der offenen Tür zum Berufskolleg gekommen. Sie können sich entweder über eine technische oder eine kaufmännische Ausbildung informieren. Zusätzlich kann jede Ausbildung mit dem Abitur verbunden werden. In beiden Fachbereichen halten die Lehrer aber keine langweiligen Vorträge, sondern zeigen am praktischen Beispiel, wie der Berufsalltag aussehen kann.

Warkentin hat die Drehmaschine vorher mit einem kaputten Keilriemen präpariert. Er holt die Schüler nach vorne und regt zur Fehlersuche an. "Was könnte denn die Ursache für den Verschleiß am Keilriemen sein?", fragt er die Schüler weiter. Birgit Engels, Klassenlehrerin der Schüler, lobt das Engagement der Schule. "Das ist eine gute Chance, hier so reinschauen zu können", sagt sie. Die Schüler scheinen sich dessen bewusst zu sein. "Keiner hat gemeckert, dass es am Freitagnachmittag stattfindet", sagt Engels mit einem Augenzwinkern. Nachdem Warkentin zusammen mit den Schülern die Ursache behoben und den Keilriemen erneuert hat, wird ein Werkstück aus Kunststoff fachmännisch bearbeitet. "Die Wartung und Reparatur, das ist Aufgabe des Industriemechanikers", erklärt Warkentin. "Der Zerspanungsmechaniker arbeitet mit der Maschine und bearbeitet die Werkstücke."

Eine Etage höher ist kaufmännisches Können gefragt. Unter Zeitdruck müssen die Schüler ein Müsli entwickeln, Zutaten bestellen, ihr Produkt verpacken und am Ende einem Kunden verkaufen. Die Kunden, simuliert durch Schüler des gerade abgeschlossenen Abiturjahrgangs, sind harte Verhandlungspartner. "Manche Gruppen rufen zu früh beim Kunden an, können aber noch gar nicht liefern", sagt Alexander Geist, Leiter der kaufmännischen Ausbildung. Dann heißt es für die Schüler: wieder zurück zur vorherigen Station. Die Schüler haben zu Beginn ein festes Budget und eine Liste von Zutaten, die sie verwenden können. Haferflocken sind am günstigsten, Schokoflocken und Trockenfrüchte teuer. Dann gilt es noch den Lieferanten abzuwägen: Der Günstigere hat Lieferkosten, der Teurere liefert frei Haus. Nach 40 Minuten müssen alle Gruppen ihre Gewinn-/Verlust-Rechnung präsentieren. "Verkauft eine Gruppe unter Einkaufspreis, sagen unsere Kunden natürlich nicht nein", sagt Geist. Den Preis müssen die Gruppen dann aber erklären. Die Idee mit dem Zeitdruck hat sich Gerst beim "Escape Room" abgeschaut. "Wir haben es auch ohne Zeitlimit versucht, aber da ließen sich die Gruppen zu viel Zeit für Diskussionen."

Das Berufskolleg Hückeswagen kommt bei seinen Schülern gut an. Denise Gerhardus und Cedric Boxberg haben beide gerade ihre Abiturprüfungen hinter sich gebracht. "Es war schon stressig, aber auch schön. Nach ein paar Wochen vermisst man es schon", sagt Gerhardus, die eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Pflitsch gemacht hat. Boxberg, der seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Klingelnberg absolvierte, ergänzt: "Der Unterricht ist gut, man kann viel selbstständig arbeiten."