Hückeswagen: Schnelles Internet im Schneckentempo

Hückeswagen: Schnelles Internet im Schneckentempo

Der Breitband-Ausbau in den Hückeswagener Außenortschaften ist zwar längst geplant, und die Förderzusage durch Bund und Land sind schon lange erteilt. Bis dort aber das erste Glasfaserkabel verlegt wird, wird's wohl frühestens 2019 werden.

Viele Teile der Stadt - vor allem in den dicht besiedelten Gebieten im Zentrum und auf Wiehagen - sind seit Januar 2017 an das sogenannte schnelle Internet angeschlossen. Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sind seit dem Breitband-Ausbau der Telekom zum Jahreswechsel 2016/17 möglich. Dennoch schauen viele Hückeswagener immer noch in die Röhre und müssen mit Geschwindigkeiten beim Surfen oder Streamen leben, die so manchen Betroffene an die "digitale Steinzeit" erinnern.

Abhilfe schaffen wollte schon die alte Bundesregierung und hatte bereits vor fünf Jahren als Ziel ausgegeben, auch die "weißen Flecken" an das schnelle Internet anzuschließen und somit eine flächendeckende Grundversorgung von mindestens 50 Mbit/s zu schaffen. Bis Ende 2018 sollte das nahezu in ganz Deutschland gelungen sein. Doch daran ist momentan nicht zu denken. Auch die Anwohner der Hückeswagener und Wipperfürther Außenortschaften müssen sich weiterhin in Geduld üben.

Gegenüber unserer Redaktion äußerte gestern Bauamtsleiter Andreas Schröder seine Hoffnung, dass noch in diesem Jahr der Vertrag mit einem Telekommunikationsunternehmen abgeschlossen werden kann, das dann den Breitband-Ausbau samt Verlegung der Glasfaserkabel bis ins Haus an eine Baufirma vergibt. Einen konkreten Termin konnte er aber nicht nennen - weder, wann die ersten Bauarbeiten beginnen können, geschweige denn, wann sämtliche Außenortschaften angeschlossen sind. Das Förderprogramm von Bund und Land ist jedoch um zwei Jahre verlängert worden - bis spätestens Ende 2020 müssten alle "weißen Flecken" schwarz sein. Aber auch hier geht Schröder eher davon aus, dass das Ganze noch ein weiteres Mal um ein paar Jahre verlängert oder ein Nachfolge-Förderprogramm angeschoben wird.

Hückeswagen hatte sich zusammen mit Wipperfürth um die Förderbescheide von Bund und Land beworben - die Zusage über zirka 22 Millionen Euro, in denen separat auch der Breitband-Ausbau für die Schulen beider Städte vorgesehen ist, ist längst eingegangen. "Aktueller Stand ist: Das Vergabeverfahren läuft", versicherte Schröder. In der Stufe eins, dem Teilnahme-Wettbewerb, konnten sich Telekommunikationsunternehmen um den Breitband-Ausbau bewerben. Wer die Voraussetzung erfüllte, wurde aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Die Submission ist im Mai, dann werden Hückeswagen und Wipperfürth die Angebote prüfen.

Wer eine Deckungslücke von mehr als 22 Millionen Euro haben sollte, scheidet bereits aus. Denn die Schloss- und die Hansestadt geben nicht mehr Geld aus, als sie von Bund und Land dafür maximal erhalten würden. Sollte das Telekommunikationsunternehmen, das den Zuschlag erhält, weniger als diese Summe benötigen, wird den beiden Städten zum Abschluss des Verfahrens ein Förderbescheid auch nur über die von dem Unternehmen benötigte Summe ausgestellt.

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Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, lässt Schröder durchblicken. Nach der Prüfung durch die Städte muss gegebenenfalls noch ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer das Angebot des favorisierten Telekommunikationsunternehmens prüfen. Danach folgen weitere Prüfungen durch die Bundesnetzagentur - Schröder: "Die hat bis zu drei Monate Zeit" - sowie den Bund und das Land. Gibt es von denen den endgültigen Förderbescheid, "könnte es losgehen".

Warum das ganze Prozedere bislang so lange gedauert hat? "Wir haben ein technisches Büro mit den Planungen und eine Anwalts- und Wirtschaftskanzlei mit der Vertragsausarbeitung beauftragt", berichtet der Bauamtsleiter. Er habe sich schon gewundert, warum der Bund nicht einen Modellvertrag erstellt hat. Jetzt, zweieinhalb Jahre nach den ersten Schritten, sei es soweit. Doch all das habe zur zeitlichen Verzögerung geführt. Hückeswagen und Wipperfürth würden zudem nun den selbst erarbeiteten und ausgehandelten Vertrag nutzen.

Ein weiteres Problem war, dass es ein halbes Jahr lang nur eine geschäftsführende Bundesregierung gegeben hatte. "Deswegen konnte das Ministerium keine entsprechenden Richtlinien erlassen", sagte Schröder. Zwischenzeitlich wurden zudem die Schulen in den Breitband-Ausbau aufgenommen, was ebenfalls für Verzögerungen gesorgt hat.

Andreas Schröder: "Ich kann verstehen, dass viele Hückeswagener ungeduldig sind." Der Bauamtsleiter gibt aber zu bedenken, dass Bund und Land jeden einzelnen Internetanschluss der Menschen "auf dem Land" mit etwa 7800 Euro bezuschussen. Diese müssen weiterhin Geduld haben - die Realisierung des schnelles Internets in den Außenbereichen ist derzeit noch im Schneckentempo-Modus.

(büba)
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