Rückblende Hückeswagen Vor Zehn Jahren: Schloss-Stadt bekommt erste Autogas-Tankstelle

Rückblende Hückeswagen Vor Zehn Jahren : Schloss-Stadt bekommt erste Autogas-Tankstelle

Ein kleines Stück Hückeswagener Technikgeschichte wurde am 22. Januar 2008 an der Peterstraße geschrieben: Es entstand die erste Autogas-Tankstelle auf dem Stadtgebiet. Ein 4850 Liter umfassender Flüssiggastank wurde mit einem Kran auf das Gelände der Firma Kfz-Technik Hövel gehievt. Allerdings sollte es noch bis zum 16. Februar dauern, bis der erste Kunde wirklich tanken konnte und dafür nicht mehr extra nach Wermelskirchen oder Lindlar fahren musste. Dann erst gab der Dekra-Sachverständige mit einer Unterschrift sein Okay.

Nachdem die Planungen im Februar 2007 begonnen hatten und das Fundament Mitte Oktober des gleichen Jahres gegossen worden waren, war zumindest bautechnisch mit dem Aufstellen und Anschließen des Tanks der letzte Schritt getan. Dass der Behälter auf dem erhöhten Firmengelände und nicht unmittelbar an der Peterstraße installiert wurde, hatte damit zu tun, dass der Tank ansonsten zu nahe an den Kanalrohren gelegen hätte.

Ein Liter Flüssiggas kostete damals 59 Cent und lag somit auf dem heutigen Preisniveau. Mehr als 100 Autos konnten mit dem Volumen des Hövel-Tanks gefüllt werden, bevor per GSM-Funkmodem automatisch Nachschub angefordert wurde.

Kfz-Meister Dirk Hövel blickt heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Entscheidung vor zehn Jahren: "Während der ersten fünf Jahre gab es keine Probleme. Der Höhepunkt des Autogas-Geschäftes war dann in den Jahren 2010 bis 2012, als eine immer größere Anzahl von Fahrern ihre Fahrzeuge umrüsten ließen." Doch dann ereignete sich ein Unfall mit einem Smart an einer der im gesamten Bundesgebiet immer zahlreicher werdenden Autogas-Tankstellen, und eine Sicherheitsdiskussion begann. Um den Anfahrschutz zu gewährleisten, wurden schließlich so gut wie keine oberirdischen Gastanks mehr genehmigt, da die Anforderungen vor allem in Bezug auf die Lkw zu groß gewesen wären.

"Ab 2012 kam der Effekt hinzu, dass kaum noch neue Fahrzeuge umgerüstet wurden, da die Motorentechnik aufgrund der gestiegenen Abgasnormen zu komplex wurde", sagt Dirk Hövel. Zwar stoßen die Autogas-Fahrzeuge seit jeher 15 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) aus als ein Ottomotor, jedoch wurden die Umrüstungen teurer. Deren Anzahl ging auch bei Hövel, der extra dafür einen Mitarbeiter eingestellt hatte, zirka um den Faktor 10 zurück.

Aktuell ist für den Betrieb das Autogas-Geschäft immer noch ein sehr wichtiges Standbein. Das liege zum einen an der hohen Anzahl von Bestandsfahrzeugen, zum anderen sei nun wieder eine leicht steigende Nachfrage festzustellen. Hövel: "Der Anteil der Dieselfahrzeuge nimmt ab, was der aktuellen Diskussion um die Fahrverbote geschuldet ist. Alternative Antriebe sind im Kommen." Der Chef selber setzt auf die Hybridtechnologie, mit der sich der persönliche Anfahrtsweg von daheim zur Firma gut bewältigen lässt. Die Elektromobilität sieht er erst dann im größeren Maßstab kommen, wenn die Probleme mit der Ladeinfrastruktur gelöst sind. NORBERT BANGERT

(nob)
Mehr von RP ONLINE