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Hückeswagen: Scheune wird ein Raum zum Leben

Hückeswagen : Scheune wird ein Raum zum Leben

Der Umbau der alten Scheune in Niederlangenberg in ein Wohnhaus verläuft weitestgehend nach Plan. Das Projekt des Vereins Lebendige Inklusion hat ein Gesamtvolumen von 1,25 Millionen Euro. Der Einzug soll am 1. Dezember erfolgen.

Im vergangenen Dreivierteljahr hat sich einiges getan auf dem Gelände des Vereins Lebendige Inklusion in Niederlangenberg. Anfang Dezember 2016 hatten die Arbeiten an der alten Scheune begonnen. Zuvor war das Gebäude mit seinen etwa 180 Quadratmetern Grundfläche entkernt worden. Ziel ist, die Scheune in ein Wohnhaus für sieben Menschen mit Betreuungsbedarf und zwei Betreuer umzubauen - Kosten: 1,25 Millionen Euro. Von der leeren, heruntergeputzten Scheune ist heute nicht mehr viel zu sehen: Im hellen Licht der Herbstsonne wirkt die holzverschalte Fassade mit den vielen Fenstern neu und sehr anheimelnd. Überall auf dem Gelände sind Handwerker unterwegs. Schließlich soll der offizielle Einzugstermin am 1. Dezember gehalten werden.

"Wir sind durch die lange und kalte Frühlingszeit ein wenig in Verzug gekommen, eigentlich wollten wir im November einziehen", sagt Michael Exner, mit Beate Müllers Geschäftsführer für den Bereich Ambulantes Betreutes Wohnen. Abgesehen davon sei aber alles nach Plan verlaufen, sagt Joachim Guhra. Der Wipperfürther Architekt betreut das Projekt und betont: "Wir haben Wert darauf gelegt, regionale Handwerker zu beauftragen." Tatsächlich: Vom Aufzug, den eine Firma aus München geliefert hat, und den Fenstern aus dem Münsterland, abgesehen, sind alle Gewerke an Unternehmen im Umkreis von 20 Kilometern vergeben worden.

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In der Scheune fällt der großzügige Gemeinschaftsraum auf. "Hier wird ein Ruhebereich mit Terrasse und Garten angebaut, das Haus an sich wird komplett autark sein", sagt Müllers. Neben einer Gemeinschaftsküche, in der die Bewohner mit den Betreuern die Mahlzeiten zubereiten werden, gibt es ein Pflegebad, Duschen und sieben Einzelzimmer. "In einer separaten Einliegerwohnung können bis zu zwei Betreuer leben", sagt Exner.

Drei der künftigen Bewohner leben derzeit schon in Niederlangenberg. "Sie wohnen auf dem Hof zusammen mit den Mitarbeitern in einer Art WG", sagt Müllers. Exner ergänzt: "Sie haben die Bauzeit hautnah mitbekommen und freuen sich schon sehr auf ihre neuen Zimmer." Vier weitere Bewohner, alle mit einer geistigen Behinderung, werden noch dazukommen. "Wir haben eine ganze Menge Bewerbungen bekommen, derzeit sortieren wir aus", sagt Müllers.

Dass der Umbau erfolgen konnte, ist auch Elisabeth Hugger zu verdanken. Sie ist als selbstständige Projektentwicklerin für die Konzeptionierung, die Finanzierung, für Genehmigungen und das Netzwerken mit Landesbehörden und beteiligten Stiftungen zuständig: "Wir hatten einen recht langen Vorlauf, weil das Projekt ja außergewöhnlich ist", sagt Hugger. Das Konzept des Vereins fußt darauf, betreutes Wohnen in einer ländlichen Umgebung anzubieten. "Ein Türöffner war sicherlich, dass wir in NRW ein Modellprojekt für experimentelles Wohnen sind", sagt Hugger. So gab es Fördergelder sowohl vom Bundesfamilienministerium, von der Aktion Mensch und den Stiftungen Wohnhilfe und Wohlfahrtspflege.

Für den Verein ist das Projekt zukunftsgerichtet, sagt Exner. "Wir können uns vorstellen, weitere Höfe nach dem Muster von Niederlangenberg umzubauen."

Und auch gearbeitet werden soll künftig in Niederlangenberg. "Zwar ist da noch nichts spruchreif, aber wir würden gerne ausschließlich für unsere Bewohner einen Werkstattbereich auf dem Gelände bauen", sagt Hugger, die den großen Vorteil des Wohnprojekts betont: "Es ist nicht das klassische Wohnheim, sondern ermöglicht den Bewohnern sehr viel Autonomie und ein selbstbestimmtes Leben."

(wow)