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Rückblende: Die Beinahe-Katastrophe an der Aue in Hückeswagen

Hückeswagen vor 50 Jahren : Die Beinahe-Katastrophe an der Aue

Durch einen Brand wäre die Tuchfabrik Arnold Hueck fast zerstört worden. Glücklicherweise hatte das Feuer die dort gelagerten Nitrolacke noch nicht erreicht.

Es fehlte nicht viel, und der erste Tag im August 1969 hätte Hückeswagen in einer anderen Silhouette gezeigt: Am Tag zuvor war es nämlich in der Tuchfabrik Arnold Hueck an der Aue zu einem schweren Brand gekommen, wobei ein Anbau vernichtet wurde. Die ganze Dramatik der Ereignisse vor 50 Jahren verbirgt sich im letzten Absatz eines BM-Berichts von Hans Aldermann, in dem er schildert: „Unvorstellbar wären die Folgen des Brandes gewesen, wenn das Feuer auch den Teil der Fabrik erfasst hätte, in dem größere Mengen Nitrolacke lagerten.“ Erst am Tag zuvor, so heißt es weiter, waren die feuergefährlichen Chemikalien angeliefert worden.

Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Teile der Räumlichkeiten wurden zu der Zeit an Fremdfirmen vermietet, unter anderem an einen jungen Unternehmer aus Dhünn, der in einem Anbau eine Bandwirkerei einrichten wollte. Dem gingen Aufräumarbeiten voraus, die unter anderem darin bestanden, alte Holzbretter und ähnliches Gerümpel auf einem Haufen zusammenzutragen und zu verbrennen. Bei der ersten Aktion dieser Art ging alles gut. Als dann aber zu einem späteren Zeitpunkt weitere ausrangierte Bretter an gleicher Stelle abgelegt wurden, um verbrannt zu werden, nahm das Unglück seinen Lauf.

Offenbar waren in den Ascheresten noch Glutnester übriggeblieben, die ungeplant und unbemerkt zu einem Wiederentfachen des Feuers geführt hatten. Das griff schließlich auf die verbaute Teerpappe des Daches über. Daraufhin muss sich das Feuer sehr schnell ausgebreitet haben. Obwohl die Feuerwehr schnell zur Stelle war, Zusatzkräfte der Löschgruppen aus den Außenortschaften zu Hilfe eilten und auch aufgrund der nahen Wupper genug Wasser vorhanden war, konnten Teile der Fabrik nicht mehr gerettet werden. Immerhin gelang es mithilfe von Anwohnern, mehrere Fahrzeuge aus einer Garage in Sicherheit zu bringen.

Für das heutige Stadtbild war es also Glück im Unglück, denn der augenfällige und unter Denkmalschutz stehende rote Fabrikbau würde heute nicht mehr existieren, wenn das Feuer die von Aldermann beschriebenen Nitrolacke erreicht hätte

Auch geschichtlich wäre der Verlust groß gewesen, denn erste schriftliche Belege über eine wirtschaftliche Tätigkeit in einem der Vorgängergebäude stammen bereits aus dem Jahr 1607. Damals wurde einem ehemaligen Pächter durch Herzog Johann Wilhelm erlaubt, eine Walk- und Ölmühle zu errichten. Wie an anderen ähnlich gearteten wasserreichen Orten auch, entwickelten sich aus den Mühlen stattliche Industriebetriebe. Im Laufe des 19. Jahrhunderts veränderte die Fabrikanlage mehrfach ihr Gesicht und wurde durch Unternehmer wie Erich Waldthausen oder Arnold Hueck geprägt. Im 20. Jahrhundert war dort auch die Wirkungsstätte von Fritz Zoll.

Zirka ein Jahr nach dem Brand wurde die Tuchfabrikation an der Aue endgültig eingestellt, womit auch die Ära der Tuchindustrie in Hückeswagen zu Ende ging. Mit einer Eintragung am 7. April 1987 wurde das Fabrikgebäude zum Baudenkmal.