Rheinisch-Bergische Eisenbahngeschichte: Von Lennep ins Oberbergische

Eisenbahnhistorie : Sie lassen Bahngeschichte lebendig werden

Kurt Kaiß, Thomas Kugel und Michael Peplies veröffentlichen den achten und letzten Band über die Rheinisch-Bergische Eisenbahngeschichte.

Nach dem Buch ist vor dem Buch? Für den Eisenbahn-Experten Kurt Kaiß gilt das nicht. Lachend sagt er bei der Vorstellung seines aktuellen Werks: „In dieser Form werde ich nichts mehr veröffentlichen, das ist mir einfach zu anstrengend“. „Von Lennep ins Oberbergische“ heißt das Buch, es ist der achte und letzte Band der Reihe „Rheinisch-Bergische Eisenbahngeschichte“. Geschrieben hat es der Remscheider zusammen mit dem Hückeswagener Thomas Kugel und dem Solinger Michael Peplies. Dazu war das Trio vor allem im Stadtarchiv, die Quellenlage dort war ideal. „Außerdem hat uns das Team hier immer so herzlich aufgenommen und beraten – das war einfach großartig“, lobt Kaiß. Der 66-jährige Rentner hatte beruflich mit der Bahn eigentlich gar nichts zu tun. „Ich war 25 Jahre Lehrer am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Remscheid.“

Der Band beginnt mit der Bahntrasse, die von Lennep ins Oberbergische führte und 1876 mit dem ersten Teilstück zwischen Lennep und Hückeswagen sowie der Balkan-Express-Strecke zwischen Bergisch Born und Wermelskirchen eröffnet wurde. Mit über 200 Fotos wird die Geschichte nicht nur für Eisenbahnhistoriker wieder lebendig. Die vielbefahrene Strecke wurde 1881 durch die Verbindung über Burscheid bis Opladen und 1902 mit der Verbindung nach Marienheide vervollständigt, ab 1985 aber nach und nach stillgelegt, bis schließlich 1996 der letzte Zug von Wipperfürth nach Lennep fuhr.

Das Buch – offiziell werden in der Reihe nur Hefte veröffentlicht – umfasst stolze 184 Seiten. „Normal sind für diese Hefte zwischen 80 und 120 Seiten“, sagt Kaiß. Und es hätten auch noch mehr werden können. „Es gibt hier so viele Texte und Bilder zum Thema, dass wir uns irgendwann entscheiden mussten: Lassen wir die Sachen weg – oder erweitern wir“, sagt Kaiß und ergänzt: „Wir hätten locker auch auf 250 Seiten gehen können, inhaltlich hätten es die Quellen ohne Zweifel hergegeben“. Aber irgendwann müsse es auch mal reichen.

So wurde der Umfang immer wieder um 16 Seiten – so groß ist ein Druckbogen – verlängert. „Zum Schluss haben wir noch einen halben Druckbogen mit acht Seiten dazu genommen, so dass wir zum Schluss 184 Seiten hatten“, berichtet Kaiß. Außer den Quellen in Wipperfürth haben die Eisenbahn-Historiker eigene Bestände und Archivalien aus dem Landesarchiv in Duisburg verwendet. „Am Nikolaustag 2016 waren wir zum ersten Mal in Wipperfürth“, verrät er. Die Arbeiten am neuen Buch hätten rund zwei Jahre gedauert, davon seien vor allem die letzten sechs Monate sehr intensiv gewesen.

Neben der Geschichte des Personenverkehrs hat der Hückeswagener Thomas Kugel auch die der Industriegleise aufbereitet. „Ich bin selbst bis 1986 zum St. Angela Gymnasium mit dem Zug gefahren“, erzählt Kugel. Zudem habe ihn sein Vater an das Thema Eisenbahn herangebracht. Für Kugel sei vor allem die Arbeit mit den teils 100 Jahre alten Akten ein Erlebnis gewesen. „Das habe ich so noch nie gemacht, daher fand ich es sehr interessant, als ich dann zum ersten Mal im Landesarchiv in Duisburg gewesen bin“, erzählt Kugel.

Neben den Akten und anderen historischen Quellen hätten die Autoren aber auch Zeitzeugen befragt – darunter sogar einen vermeintlich „Toten“, wie Kaiß schmunzelnd erzählt: „Der Mann wurde 1959 bei einem Unfall verschüttet und war in der Zeitung fälschlicherweise für tot erklärt worden.“ Die Eisenbahn-Historiker haben ihn jedoch ausfindig machen können. „Er war quicklebendig und hat uns viele interessante Sachen erzählen können“, sagt Kaiß. Auch wenn er künftig kürzer treten will, verrät er schon sein nächstes Projekt:. „Ich will in einem kleinen Band die Geschichte der Kleinbahn Opladen Lützenkirchen erzählen.“

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