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Städtepartnerschaft Der Monat Mai In Etaples: Reise "ins Herz der Ozeane"

Städtepartnerschaft Der Monat Mai In Etaples : Reise "ins Herz der Ozeane"

Einmal im Monat widmet sich unsere Redaktion dem Geschehen in der Partnerstadt Etaples und der Region. Dieses Mal geht es um das neue "Nausicaá" , Europas größtes Meeresaquarium im benachbarten Boulogne.

Etaples Ein Publikumsmagnet allererster Güte wurde Mitte Mai in Boulogne-sur-Mer, nur 20 Minuten Autofahrt von Etaples entfernt, neu eröffnet: Er heißt "Nausicaá" und ist das größte Meeresaquarium Europas. Benannt nach der griechischen Königstochter, die den gestrandeten Odysseus gastfreundlich aufnahm, erwartet der erweiterte Bau dieses nationalen Meereszentrums neue Touristenströme. Die Absicht ist keineswegs so selbstlos, wie dies bei der Jungfrau aus der Sage der Fall war: Schon 1991, als der erste Abschnitt des Baus eröffnet wurde, dachte man in erster Linie daran, dadurch die Strände der Kanalküste für den Tourismus attraktiver zu machen.

Jetzt ist das neue "Nausicaá XXL" dabei, zu einem beträchtlichen Wirtschaftsfaktor für eine strukturschwache Region zu werden. Optimisten rechnen damit, dass mit einem geschätzten Besuch von einer Million Besuchern pro Jahr auch die Zahl der Übernachtungen an der Kanalküste steigen wird. Ihrer Schätzung trifft sehr wahrscheinlich zu - auch andere große Meeresaquarien wie das "Océanopolis" im bretonisch Brest oder das "Marineland d'Antibes" am Mittelmeer liegen auf dieser Erfolgslinie. Besonders junge Menschen fühlen sich von ihnen angezogen, und der pädagogische Effekt ist enorm. Vielleicht wird auch in Hückeswagens Partnerstadt Etaples über die lohnende Investition in Hotels und Gaststätten nachgedacht.

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"Ich bin passionierter Taucher", bekannte Jacques Rougerie. Der Architekt eines neu gebauten Riesenbassins wünscht sich, dass der Besucher das neue "Nausicaá" wie ein Taucher erlebt. Aus dieser Idee entstand die hauptsächliche Attraktion des Aquariums: Ein 18 Meter langer und drei Meter hoher Tunnel, den der Besucher durch eine Art Wasserloch betritt und in dem er, von härtesten Kunststoffschichten gegen den Wasserdruck von oben geschützt, das Riesenbecken durchqueren kann. Schulen von Hammerhaien gleiten neben den Besuchern durch das Wasser, und sie entdecken, wie hoch über den Köpfen ein Riesenmanta mit seinen vier Metern Spannweite sachte im Blau dahinschwebt.

Der neue Bau imponiert mit Superdimensionen: Das Becken ist 60 Meter lang und acht Meter tief, es hat ein Volumen von 10.000 Kubikmetern Wasser, das direkt vom nahen Meer in den Bau gepumpt und auf durchschnittlich 22 Grad temperiert wird. Denn Meeresungetüme wie der Hammerhai stammen aus den tropischen Gewässern Australiens - dort ist diese Spezies bereits vom Aussterben bedroht.

Die Franzosen, schon immer gewitzt in der Präsentation ungewöhnlicher Museumseffekte, haben in der Tradition von Jules Vernes Taucherwelten bis zu den Meeresforschern Cousteau Vater und Sohn eine hinreißend neue Inszenierung der blauen Tiefe bewerkstelligt. Dieses Aquarium überwältigt durch staunenswerte Perspektiven, der Besucher taucht geradezu ein in die Welt der Meere. Wenn der doppelte Wortsinn vom "Eintauchen" einmal gut passt, dann hier.

Denn zum Staunen soll auch das Verstehen kommen, nämlich das Wissen um die Größe und Verletzlichkeit eines Teils der Erde, der immerhin die Hälfte des Globus ausmacht. Frankreich als Anrainer von zwei Meeren gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, die das nötige Know-how und die Mittel zur Erforschung dieses weitgehend unbekannten Erdteils haben. Es wird mit Sicherheit neue Ressourcen im Meer und in und auf seinem Boden ausbeuten, jedoch müssen Flora und Fauna in den großen lichtlosen Tiefen verantwortungsvoll behandelt werden: Dieses Bewusstsein soll der Besucher von "Nausicaá" bekommen, wenn er eingeladen wird zu "einer Reise ins Herz der Ozeane".

(RP)