Hückeswagen: Rast und Ruhe in der alten Dorfkirche

Hückeswagen: Rast und Ruhe in der alten Dorfkirche

Die unter Denkmalschutz stehende Kirche "Unbefleckte Empfängnis" im Wipperfürther Kirchdorf Egen nahe der Bever-Talsperre wird am 22. April als Wander- und Radwegekirche eröffnet. Es ist die erste im Erzbistum Köln.

Klaus-Peter Jung hat große Radreisen durch Deutschland unternommen. Auf einer davon, es war auf dem Elbe-Radweg, fand er irgendwann zufällig den Hinweis auf eine Radwegekirche. Seine Neugier war geweckt. In der Kirche sah er eine große Europakarte. Radfahrer, die vor ihm dort gewesen waren, hatten darauf mit Nadeln ihre Herkunftsorte markiert. Auch Jung steckte seine Nadel ein: im Norden von Wipperfürth. Dort liegt Jungs Zuhause, mitten in Egen, dem kleinsten Kirchdorf von Wipperfürth, das an Hückeswagen und Radevormwald grenzt.

Nun wird Klaus-Peter Jung bald eine Radwegekirche direkt vor der Tür haben, denn sein Haus und die von ihm seit 25 Jahren darin betriebene "Kulturscheune" Egen 4 liegen gegenüber der alten Dorfkirche "Unbefleckte Empfängnis". Die Bruchsteinkirche mit dem markanten Zwiebelturm ist seit ihrer Erbauung in der Mitte des 19. Jahrhunderts das weithin sichtbare Wahrzeichen von Egen. Aber sie wird kaum noch genutzt, seitdem die bis 2007 selbstständige Pfarrgemeinde Egen aufgelöst und der Gemeinde St. Nikolaus Wipperfürth zugeordnet wurde (siehe Info-Kasten). Nur noch einmal im Monat finden Gottesdienste dort statt. Nun soll wieder Leben in die Kirche kommen - durch Radfahrer und Wanderer.

Der Pfarrgemeinderat von St. Nikolaus hat dem "Projekt Wander- und Radwegekirche" geschlossen zugestimmt, die Verantwortlichen im Erzbistum förderten es. Im Dorf gibt es viele Unterstützer - und die braucht es auch: Mitglieder des Bürgervereins und der Gemeinde werden unter anderem dafür sorgen, dass die Kirche von Ostern bis Ende Oktober zuverlässig von freitags bis samstags für Besucher geöffnet ist.

Regelmäßige Öffnungszeiten sind Grundvoraussetzung für eine Radwegekirche. Mitstreiter waren auch nötig, um Fahrradständer aufzubauen, eine Akku-Ladestation für E-Bikes zu installieren, einen überdachten Sitzplatz im Kirchgarten anzulegen, einen Trinkwasser-Zugang zu schaffen. . . Eine anerkannte Radwegekirche braucht ihre eigene Infrastruktur.

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Vor allem geht es aber darum, in der Kirche einen Ort der Stille anzubieten, einen Raum der Ruhe für unterwegs. Wer will, kann eine Kerze anzünden, ein Gebet sprechen, eine Fürbitte in ein Buch schreiben. "Uns ist aber auch wichtig, dass die Kirche sich damit wieder mehr öffnet für die Menschen hier in Egen", sagt Jung. "Unsere kleinen Kirchdörfer sterben aus, wenn ihnen mit ihrer Kirche quasi die Wurzeln genommen werden." Ein verschlossenes Gotteshaus ist am Ende eben doch nicht mehr als ein Baudenkmal in der Landschaft.

In der Landschaft rings um Egen gibt es viele Rad- und Wanderwege und große Erholungsgebiete wie die Bever- und die Neye-Talsperre. Auch von daher bietet sich "Unbefleckte Empfängnis" im kleinen Kirchdorf als erster Standort einer Wander- und Radwegekirche im Erzbistum an. Vielleicht entwickelt sich daraus irgendwann ein neuer Pilgerort im Bergischen.

Für Sonntag, 22. April, wird nun erst einmal zur Eröffnungsfeier eingeladen. Der ADFC bietet Sterntouren für Radfahrer an; willkommen ist aber auch jeder, der sich individuell auf den Weg nach Egen machen möchte. Beginn der Feier mit Segnung der Wanderer, Radler und Fahrräder ist um 12.30 Uhr. Um 13 Uhr wird im Kirchgarten ein großes Willkommensfest eröffnet.

Jung freut sich als einer der Initiatoren darauf - und ist gespannt auf die Resonanz, denn er hat aktuell eine Wette mit Justizminister Peter Biesenbach laufen, der gemeinsam mit seiner Frau Silvia am 22. April mit dem Rad von Hückeswagen nach Egen kommen will. Jung erzählt schmunzelnd: "Peter Biesenbach meint, dass mindestens 250 Besucher kommen. Da habe ich leichtfertig gesagt, dass ich beim nächsten Konzert in der Kulturscheune auf jeden Tisch eine Gratisflasche Wein stelle, wenn wirklich am 22. April mehr als 250 Räder vor der Kirche stehen." Die Wette mit dem Minister könnte kostspielig werden für Klaus-Peter Jung, aber das schreckt ihn nicht: Die Wander- und Radwegekirche von Egen ist ihm eben lieb und teuer.

(bn)