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Probleme mit der Krankenkasse: Nach OP fehlt nahtlose häusliche Versorgung

Probleme mit der Krankenkasse : Nach OP fehlt nahtlose häusliche Versorgung

Ursula Hombrecher stürzte vor Weihnachten, riss sich dabei die Achillessehne und musste ins Krankenhaus. Weil die Abläufe bei der Anschlusspflege nicht stimmten, hatte die 84-Jährige eine wahre Odyssee zu durchlaufen.

Ursula Hombrecher hatte Pech. Denn sie hatte am 18. Dezember des Vorjahres einen Unfall, bei dem sie stürzte. Daraufhin musste die 84-Jährige ins Krankenhaus, Diagnose: Riss der Achillessehne und Verdacht auf ein gebrochenes Handgelenk. Zumindest der bestätigte sich im Nachhinein nicht. „Ich war mit der Schwiegertochter und deren Mutter in Schloss Burg beim Essen. Als ich dann die Treppe nach draußen gegangen bin, muss ich wohl eine Stufe übersehen habe und bin

dann gestürzt“, erzählt Ursula Hombrecher.

Im Krankenhaus wurde die 84-Jährige dann erfolgreich operiert und bekam eine Gipsschiene um den Fuß, den sie natürlich auch nicht belasten durfte. So weit, so unangenehm – zumal so kurz vor Weihnachten. „Ich hatte eigentlich meine Familie eingeladen, aber das ging dann natürlich nicht mehr“, sagt Ursula Hombrecher. Dann kam allerdings auch noch Unglück dazu. Denn am Freitag, 20. Dezember, wurde der 84-Jährigen mitgeteilt, dass sie am darauffolgenden Samstag entlassen werden sollte. „Da habe ich nur gesagt: Wunderbar – aber ich kann nicht nach Hause“, sagt Ursula Hombrecher. Sie sei alleinstehend und wohne in einer alles anderen als barrierefreien Wohnung.

Der Sozialdienst des Krankenhauses habe sich intensiv darum gekümmert, dass die Anschlussbetreuung gewährleistet werden könne. „Eine Möglichkeit wäre ein Kurzzeitpflegeplatz, das war aber ohne Pflegegrad – den ich nicht habe und brauche – nicht möglich“, sagt Ursula Hombrecher. Die letzte Rettung sei dann eine Agentur aus Wuppertal gewesen, die private Pflegepersonen aus Polen vermittele. „Es wurde dann eine Frau vermittelt, die am Montag, 23. Dezember, nach Hückeswagen kommen konnte. Schweren Herzens, weil hier natürlich hohe Kosten entstanden, habe ich mich dafür entschieden“, sagt die 84-Jährige. Zwischenzeitlich habe man im Krankenhaus zugesagt, dass die Patientin erst am Montag entlassen würde.

Wieder in ihrer Wohnung angekommen, sei dann die pflegerische Betreuung durch die polnische Pflegekraft angelaufen. „Und das war auch alles exzellent. Zwar konnte sie kein Wort Deutsch, sondern nur Italienisch. Aber wir haben uns mit Händen und Füßen verständigen können“, sagt die 84-Jährige. Allerdings habe sie diese nur für vier Wochen gebucht, anschließend sei die Frau wieder nach Hause gefahren.

„Ich habe mit der Krankenkasse telefoniert. Da hieß es dann, dass ich ja Pflege für vier Wochen hätte und dass die Kasse dafür nicht mehr zuständig sei – finanziellen Ersatz würde sie dafür aber nicht bekommen. Wesentlich schwerer habe aber gewogen, dass sie keine Anschlusspflege genehmigt bekommen habe. Bereits am 22. Januar habe Ursula Hombrecher einen Antrag auf weitere Versorgung gestellt. „Das ging dann einige Male hin und her, bis ich dann am 13. Februar endlich eine schriftliche Zusage bekommen habe, in der stand, dass ich vom 24. Januar bis zum 23. Februar Unterstützungspflege bekommen würde“, sagt die 84-Jährige.

Es sei ihr schlicht nicht verständlich, warum es so lange dauere, einem offensichtlich unterstützungsbedürftigen Menschen diese Unterstützung zukommen zu lassen. Die häusliche Krankenpflege bekomme sie mittlerweile durch die Diakoniestation Hückeswagen.

Auf Anfrage dieser Redaktion teilte Sara Rebein von der Barmer Krankenkasse mit, dass der Gesetzgeber das sogenannte Krankenhaus-Entlassmanagement vorgesehen habe. „Damit sollen die Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zuhause nahtlos medizinisch versorgt werden.“ Im Fall ihrer Versicherten Ursula Hombrecher sei jedoch weder Kontakt mit der Kasse aufgenommen worden noch ein Rezept für eine häusliche Krankenpflege ausgestellt worden. Sara Rebein betont: „Hätten wir vor der Entlassung aus dem Krankenhaus eine ärztliche Verordnung bekommen, hätten wir die häusliche Krankenpflege sofort genehmigen, und Frau Hombrecher einen Pflegedienst beauftragen können.“

Die Krankenkasse werde nun zur Klärung des Falls mit dem Krankenhaus Kontakt aufnehmen. „Wir haben Frau Hombrecher um Erlaubnis gebeten, bei der Klinik zu ihrem Fall nachzufragen. Wir möchten vermeiden, dass anderen Versicherten bei der Entlassung dasselbe passiert wie Frau Hombrecher“, sagt Sara Rebein. Unabhängig davon habe man großes Verständnis für die Situation der 84-Jährigen. „Wir haben daher eine Ausnahme gemacht, um Frau Hombrecher für die private Pflegekraft anteilig die Kosten erstatten zu können“, sagt Sara Rebein.

Die Anteile würden bei 60 Prozent des Honorars eines zugelassenen Pflegediensts liegen. Für Ursula Hombrecher dürfte das wenigstens ein kleiner Trost bei allem entstandenen Ärger sein.