Hückeswagen: Polizei findet 15,4 Gramm Haschisch in Wohnung eines Hückeswageners

Hückeswagen : Polizei findet 15,4 Gramm Haschisch in Wohnung eines Hückeswageners

Das Verfahren gegen einen 32-jährigen Hückeswagener vor dem Amtsgericht in Wipperfürth berührte eine aktuelle Grauzone der Gesetzeslage.

Der Zerspanungsmechaniker, möglicherweise infolge einer schweren Erkrankung nicht wieder ins Berufsleben eingliederbar, hatte sich für den Eigengebrauch Haschisch besorgt. Was anderswo in Deutschland bereits auf Rezept über die Apotheke möglich ist, hatte der 32-Jährige über einen Dealer auf illegale Weise erledigt.

Nun kam zudem Kommissar Zufall ins Spiel, wie die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklageschrift mitteilte: "In Hückeswagen hatte am Tag der Durchsuchung, dem 8. Mai 2017, ein Raubüberfall stattgefunden. Der Geschädigte hatte der Polizei von den Tätern erzählt und unter anderem den Angeklagten als Mittäter belastet." Daraufhin war die Polizei zur Anschrift des 32-Jährigen gefahren, der bei seinem Vater wohnte. Durch den Vater hatte sie sich Zugang zur Wohnung des jungen Manns verschafft und war bei der Durchsuchung auf 15,4 Gramm Haschisch gestoßen.

"Es ist nicht einsehbar, dass dieser Zufallsfund, denn nichts anderes ist das Beweismittel, nun gegen meinen Mandanten verwendet wird", sagte der Verteidiger. "Dass für die Polizeibeamten Gefahr im Verzug gewesen sein soll, ist nicht nachvollziehbar: Mein Mandant war nicht auf der Flucht, er hat an dem Raubüberfall nicht teilgenommen, er war lediglich nicht zu Hause anzutreffen", betonte der Verteidiger. Seine Argumentation: Hätte die Polizei einfach nur gewartet, wäre sein Mandant über kurz oder lang nach Hause gekommen. Zudem hatte der Geschädigte seine Aussage gegen den 32-Jährigen wenig später widerrufen.

Auch was das aufgefundene Rauschgift anging, äußerte sich der Anwalt des 32-Jährigen: "Mein Mandant hatte just an dem Morgen des 8. Mai des Vorjahres einen zweiten Bandscheibenvorfall erlitten. Er litt unter Schmerzen." Zudem habe er nach dem ersten Bandscheibenvorfall bereits Reha-Maßnahmen und einen Krankenhausaufenthalt hinter sich gehabt, beide Maßnahmen hätten keine günstige Prognose für den weiteren Krankheitsverlauf erwarten lassen. "Mein Mandant hat sich mit dem Haschisch Linderung seiner Beschwerden verschaffen wollen", sagte der Verteidiger.

Der Vorsitzende Richter löste das Problem dann auf pragmatische Art und Weise: "Mein Vorschlag - das Verfahren wird gegen eine Zahlung von 300 Euro an die Gefährdetenhilfe Scheideweg eingestellt." Er legte dem 32-Jährigen allerdings nahe, sich künftig anderer Wege zu bedienen, um sich Haschisch zu besorgen: "Solange wir den politischen Kurswechsel noch nicht haben, müssen Sie sich das Zeug auf Rezept besorgen - sonst werden sie im Zweifel wieder strafrechtlich verfolgt." Der Preis, den man in der Apotheke und beim Arzt bezahlen müsse, sei nicht so hoch, dass man dafür riskieren müsse, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. "Meines Wissens nach ist das jedoch in unserer Region nicht so einfach möglich", sagte der Richter. Ein anderer Angeklagte habe sich das Mittel kürzlich im Münsterland besorgt.

(wow)