Hückeswagen: Pkw "zugeparkt" – das war Nötigung

Hückeswagen : Pkw "zugeparkt" – das war Nötigung

Die Anwohnerin einer Einbahnstraße in der Innenstadt muss sich wohl schon häufiger über Autofahrer aufgeregt haben, die ganz oder teilweise ihre Garagen-Zufahrt blockierten.

Da reichte im Februar ein einziger Tropfen, um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen. Und das hatte nun ein Nachspiel vor dem Amtsgericht in Wipperfürth. Dort hatte sich die Anwohnerin wegen Nötigung zu verantworten.

Viel Stress um ein geparktes Auto

Die Vorgeschichte: Eine 22-jährige Hückeswagenerin hatte an dem besagten Tag im Februar ihre Großmutter besuchen wollen und ihr Auto am Rand der Einbahnstraße geparkt — zwischen einem Baum und der Garagen-Zufahrt der darüber erbosten Anwohnerin. "Ich bin extra ganz nach hinten an den Baum gefahren, um die Zufahrt nicht zu verstellen", sagte die Studentin, die vom Gericht als Zeugin geladen worden war, aus.

Die 33-jährige Eigentümerin der Garage, die an diesem Tag gehetzt von der Arbeit gekommen war, um ihr krankes Kind aus der Schule zu holen, parkte daraufhin ihr Auto so vor dem Wagen der Studentin ein, dass ein Ausparken für die junge Frau nicht mehr möglich war. Auf ihre Frage: "Entschuldigen Sie, wie lange möchten Sie da stehen bleiben?", erhielt die Studentin keine klare Auskunft. "Ist ja nicht mein Problem, wenn Sie da nicht mehr raus kommen", soll die Beschuldigte geantwortet haben. Auch fast zwei Stunden später, als die 22-Jährige nach Hause fahren wollte, war die Anwohnerin nicht bereit, ihren Pkw beiseitezustellen. Selbst ein Anruf bei der Polizei konnte die 33-Jährige nicht umstimmen.

Für diese Nötigung sollte die Anwohnerin eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro zahlen. Sie legte Einspruch ein, und so kam es zu der Verhandlung jetzt vor dem Amtsgericht. Deutlich wurde dabei: Die 33-jährige Hückeswagenerin fühlte sich ungerecht behandelt. Sie und ihre Anwältin verwiesen darauf, dass es letztlich die Studentin gewesen sei, die seinerzeit ordnungswidrig geparkt habe. Aber weder die Staatsanwaltschaft noch der Richter sahen das so, nachdem sie sich die Beweis-Fotos angesehen hatten. Sie belegten, dass die Studentin von der Anwohnerin so "zugeparkt" worden war, dass sie keine Chance hatte, ihr Auto aus der Parklücke auf die Straße zu fahren.

"Wir verhandeln unzählige dieser Nachbarschaftsstreitigkeiten", sagte der Richter. Eine gütliche Einigung sei für alle Beteiligten sinnvoller. Die Anwältin pochte jedoch auf das Recht ihrer Mandantin und forderte eine Ortsbesichtigung und einen Beweisantrag für die Behinderung der Garagen-Ausfahrt.

500 Euro Geldstrafe

Der Richter ging darauf nicht ein, er mahnte die Hückeswagenerin: "Es hätte Sie damals nur zwei Minuten gekostet, Ihr Auto wegzufahren. Wenn Sie jetzt auf Ihrem Einspruch bestehen, wird die Strafe vielleicht noch höher." Das wirkte: Nach Beratung mit der Anwältin zog die 33-Jährige ihren Einspruch am Ende zurück. Es bleibt für sie also bei der zu zahlenden Geldstrafe in Höhe von 500 Euro.

(heka)
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