Hückeswagen: Pflegeheime haben Zimmerquote erfüllt

Hückeswagen : Pflegeheime haben Zimmerquote erfüllt

Bis Juli müssen Pflegeeinrichtungen mindestens 80 Prozent der Bewohner in Einzelzimmern unterbringen. Das sieht ein entsprechendes Gesetz vor. Vielen Einrichtungen in NRW droht der Aufnahmestopp - Hückeswagen ist jedoch davor gefeit.

Die Einzelzimmer im Altenzentrum Johannesstift bieten ein eigenes Bad, Barrierefreiheit und "deutlich höheren Komfort", sagt Einrichtungsleiter Matthias Rath. Ein Belegungsstopp droht dem größten Seniorenheim der Schloss-Stadt nicht. "Wir haben schon jetzt eine Einzelzimmerquote von 94 Prozent", versichert Rath.

In den vergangenen Jahren wurde das "Haus am Buschweg" bereits umgebaut und auf die neuen Erfordernisse angepasst, das "Haus am Park" wird demnächst renoviert. Der Unterschied zwischen Doppel- und Einzelzimmer liegt laut Rath vor allem im eigenen Bad. Dies sei auch besser für die Pflege der Bewohner.

Foto: Moll Jürgen

Rund 550 Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen müssen zum 1. August mit einem Belegungsstopp rechnen, weil sie die gesetzliche Einzelzimmerquote nicht erfüllen, teilt das NRW-Gesundheitsministerium mit. Mehr als 2000 Pflegeheime und damit der weitaus überwiegende Teil hätten die Auflage, 80 Prozent Einzelzimmer bereitzustellen, aber erfüllt oder würden sie bis Ende Juli umsetzen.

Insgesamt würden laut NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) voraussichtlich 557 Pflegeheime die Einzelzimmerquote oder die Anforderungen an die sanitären Einrichtungen nicht rechtzeitig umsetzen. Zugleich stellt er klar: "Niemand, der in einem Pflegeheim wohnt, muss zum 1. August ausziehen, auch nicht aus einem Doppelzimmer."

Frei werdende Doppelzimmer oberhalb der erlaubten 20 Prozent dürften aber nicht mehr belegt werden. Ausnahmen gebe es jedoch bei der Kurzzeitpflege. So können Heime in einer Übergangszeit überzählige Doppelzimmer für die Kurzzeitpflege nutzen. Dann haben sie bis Ende Juli 2021 Zeit, die notwendigen Umbauten zur Erfüllung der Einzelzimmerquote und Verfügbarkeit einer ausreichenden Zahl an Sanitärräumen vorzunehmen.

In der Kurzzeitpflege dürfen Bewohner bis zu acht Wochen untergebracht werden. "Das kann vorkommen, wenn Leute eigentlich zuhause gepflegt werden und die Angehörigen mal in den Urlaub fahren wollen", erläutert Rath. Auch unmittelbar nach einem Krankenhausaufenthalt nutzten einige die Kurzzeitpflege, bevor es wieder nach Hause geht. "Der Dokumentationsaufwand zu Beginn ist aber der gleiche, weshalb die meisten Einrichtungen die vollstationäre Unterbringung bevorzugen", sagt der Stift-Leiter. Personal und Dienstpläne seien bei einer permanenten Unterbringung einfach besser planbar.

Im Altenzentrum Johannesstift sind zurzeit etwa 135 von maximal 145 Plätzen belegt, davon sind 14 Kurzzeitplätze. "Die zehn freien Betten nutzen wir momentan als Puffer für den kommenden Umbau", sagt Rath.

Auch im Demenz-Wohnheim "Wohnwerk" an der Montanusstraße wird die Einzelzimmerquote bereits voll erfüllt. "Uns gibt es ja erst seit 2009, wir haben von vorneherein mit 100 Prozent Einzelzimmern geplant", berichtet Leiterin Iris Prangenberg-Röntgen. Von den 20 Plätzen im Heim stehen vier für die "eingestreute" Kurzzeitpflege bereit. "Eingestreut heißt, dass wir keine festen Zimmer dafür zuteilen", sagt Prangenberg-Röntgen. "Wir dürfen aber bis zu vier freie Zimmer für die Kurzzeitpflege verwenden."

Der jetzt endende 15-jährige Übergang sei eine lange Zeit gewesen, erklärt Landesgesundheitsminister Laumann. Der weit überwiegende Teil der Pflegeheime in NRW habe sich rechtzeitig auf den Weg gemacht. Schon 2003 war im Landespflegegesetz die Auflage verankert worden, in den Heimen mindestens 80 Prozent Einzelzimmer vorzuhalten.

Der NRW-Landesvorsitzende des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Christof Beckmann, hatte wegen der Auflagen vor "unübersehbaren Versorgungsengpässen" bei Heimplätzen in NRW gewarnt. In einigen Häusern sei die Umsetzung der Einzelzimmerquote nicht möglich gewesen. "Diese oft alteingesessenen und gut angenommenen Heime stehen ab dem 1. August nach und nach vor dem Aus", betont Beckmann vom bpa. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dürfte es jedoch nicht noch schwerer haben, einen dringend benötigten Heimplatz zu finden.

(cha)
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