Hückeswagen: Pest — und ein dummer Fehler

Hückeswagen : Pest — und ein dummer Fehler

Zwölf Wildschweine hingen noch bis zum Nachmittag des Gründonnerstag in der Hückeswagener Wildsammelstelle am Haken. Eins von ihnen hatte die Schweinepest. Alle mussten vernichtet werden.

Gründonnerstag, 15.30 Uhr: Vor der Wildsammelstelle in Winterhagen steigt ein Mitarbeiter des Forstamts Remscheid frohgelaunt aus dem Auto. Er will das Wildschwein aus dem Kühlcontainer holen, das sein Chef vor Tagen geschossen hat. Doch der Chef wird sich einen anderen Osterbraten aussuchen müssen: Sein Frischling liegt in einer Mülltonne. Das Fleisch darf nicht verzehrt werden, obwohl das Jungtier aus einem Remscheider Revier gesund war.

Aber: Mit ihm und noch zehn weiteren Sauen hatte auch ein anderer Frischling im Container gehangen. Die veterinärmedizinischen Untersuchungen ergaben einwandfrei: Dieses Jungtier trug das Schweinepest-Virus in sich. Nun muss das gesamte Fleisch aus dem Container vernichtet werden. Es ist der erste Seuchenfall im oberbergischen Norden, der Ende Februar zum "gefährdeten Bezirk" erklärt worden war. Ihm ist auch ein Teil des Remscheider Stadtgebiets zugeordnet.

Davon, dass die Schweinepest in der Region ankommen würde, war der oberbergische Kreisveterinär Dr. Bertram Röttger seit Wochen überzeugt: "Wir hatten ja bereits vor der Impfaktion Wildschweine mit Antikörpern im Blut getestet. Und wo Antiviren sind, muss zuvor die Schweinepest aufgetreten sein." Für Röttger war's eine Frage der Zeit, bis das erste Virus-positive Tier entdeckt werden würde. Jetzt ist das der Fall. Der Frischling mit dem Virus im Blut wurde vor Tagen in einem Radevormwalder Revier bei Ispingrade geschossen.

Was den sonst so besonnenen Kreisveterinär am Gründonnerstag auf die Palme brachte: Der Jäger, der den infizierten Frischling aus Rade in die Hückeswagener Wildsammelstelle brachte, hat einen folgenschweren Fehler gemacht: Den Text auf den Info-Tafeln an der Tür zur Kühlkammer hat er offensichtlich nicht gelesen. Dort steht: Geschlossene Frischlinge (also Jungtiere, die nach dem Schuss nicht aufgebrochen worden sind), müssen zwingend in den Konfiskat-Behälter gelegt werden. In dem wird ansonsten der Aufbruch gesammelt, also die Innereien. Der Jäger ignorierte es und hängte seinen Frischling an den Haken neben die anderen Wildschweine im Container. Für alle war die Tierkörperbeseitigungsanstalt letzte Station.

Sauer über so viel Ignoranz zeigte sich am Gründonnerstag auch der Leiter des Hückeswagener Hegerings, Johannes Meier-Frankenfeld: "Wir stopfen jetzt zwölf Sauen in die Tonnen — über 500 Kilo gutes Wildfleisch, das wegen einer Dummheit komplett vernichtet werden muss." Nach dem Abtransport der Tiere wurde die Wildsammelstelle noch am Donnerstag unter Aufsicht von Dr. Bertram Röttger gereinigt und desinfiziert. Seitdem kann sie von der Jägern wieder genutzt werden.

(RP)
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