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Oberberg: Interessenverbände gestalten Zukunftsvereinbarung für Wald

Oberberg und die Herausforderungen des Klimawandels : Zukunftsvereinbarung für den Wald

Trockenheit und Borkenkäfer haben dem oberbergischen Wald arg zugesetzt – ganze Flächen sind kahl. Vertreter von Waldwirtschaft, Naturschutz, Jagd und Fachinstitutionen verständigten sich jetzt auf Leitsätze zur Wiederbewaldung.

Beim Spaziergang in den heimischen Wäldern wird schnell deutlich, dass es schlecht um sie bestellt ist. Die extreme Trockenheit der vorigen Jahre, in der Folge Borkenkäferbefall und auch Unwetter haben ihnen stark zugesetzt. „Dass etwas getan werden muss, um die Zukunft des Waldes in bessere Bahnen zu lenken, ist klar“, sagt Jessica Schöler von der Pressestelle der Kreisverwaltung. In diesem Zusammenhang stellen sich allerdings viele Fragen, auf die Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd unterschiedlich antworten: Wie werden die Wälder künftig aussehen ? Welche Baumarten werden dort wachsen? Was müssen wir dafür konkret tun? Wie verändert sich die Waldwirtschaft?

„Die Interessenverbände im Oberbergischen Kreis eint die Erkenntnis, dass sich die großen Herausforderungen des Klimawandels in Zukunft nur gemeinsam lösen lassen“, berichtet sie. Daher gründete sich jetzt unter Federführung des Kreises der Arbeitskreis „Waldwirtschaft, Naturschutz und Jagd im Oberbergischen Kreis“. In den ersten Sitzungsrunden tauschten sich Vertreter aus Forstwirtschaft, Naturschutz (darunter der Hückeswagener Waldbauer Hans-Friedrich Hardt), Jagd und von Fachinstitutionen intensiv über die vielfältigen Fragestellungen zur Wiederbewaldung der Schadflächen aus. Einzelne Punkte, wie die Auswahl der künftig eingesetzten Baumarten, wurden im Vorfeld kontrovers diskutiert. Dennoch wurde die gemeinsame, freiwillige „Oberbergische Vereinbarung Wiederbewaldung, Naturschutz und Jagd“ erzielt, die von allen mitgetragen wird.

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„Ein Patentrezept für die Wiederbewaldung gibt es nicht“, stellte Kreisdirektor Klaus Grootens klar. „Umso froher bin ich, dass es im Oberbergischen Kreis dennoch gelungen ist, zu einem Konsens gemeinsamer Interessen zu gelangen.“ Ihm ist nicht bekannt, dass es in NRW ein ähnliches Format gibt.

Die Mitglieder des Arbeitskreises stimmten sich zu drei Handlungsfeldern ab: Waldbau und Einkommen, Biodiversität und Naturschutz sowie Zusammenarbeit von Waldwirtschaft, Naturschutz und Jagd. Daraus leiten sich wiederum sieben Leitsätze ab, die ihren Weg in die gemeinsame Vereinbarung gefunden haben.


Entwicklung neuer Wälder auf den Schadflächen Die auf den Schadflächen neu entstehenden Wälder sollen stabil und widerstandsfähig sein, um den klimatischen Veränderungen dauerhaft standzuhalten und die verschiedenen Waldfunktionen erfüllen zu können.


Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie Der Arbeitskreis bekennt sich zu einer gleichermaßen ökonomisch wie ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftung des oberbergischen Waldes.

Wald als Lebensraum Der oberbergische Wald ist als Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt von großer Bedeutung. Dieser Bedeutung müssen die Maßnahmen zur Wiederbewaldung, Pflege und Bewirtschaftung gerecht werden.


Baumarten-Vielfalt Die Vielfalt der heimischen, mitteleuropäischen Baumarten ist das Rückgrat der Begründung artenreicher Mischwälder im Klimawandel. Nicht heimische Baumarten können eine Ergänzung darstellen, wenn sie an geeigneter Stelle in ein Grundgerüst heimscher Baumarten eingebracht werden. (Anmerkung: Die Vereinbarung enthält im Anhang eine Auflistung empfohlener Baumarten)


Pflege und Mischwuchsregulierung Um einen stabilen und baumartenreichen Mischwald heranziehen zu können, ist in den nächsten Jahrzehnten die Beobachtung und Pflege der Bestände durch Mischwuchs- und Standraumregulierung aber auch durch Wildschutzmaßnahmen gegen Verbiss-, Fege- sowie in späteren Jahren auch Schälschäden dringend erforderlich.


Jagd und Waldentwicklung Eine an den Bedürfnissen des Waldes ausgerichtete Jagd auf Schalenwild ist entscheidend für die Entwicklung der zukünftigen Wälder.

 Zusammenarbeit Die großen Herausforderungen der Zukunft mit Blick auf Naturschutz, Waldwirtschaft und Jagd lassen sich nur gemeinsam lösen.

Die Mitglieder des Arbeitskreises wollen die vereinbarten Leitsätze bei ihrer Arbeit künftig berücksichtigten. Die Vereinbarung sei eine gute Empfehlung, auf deren Basis weitergearbeitet werden soll, erklärten sie. Die Zusammenarbeit soll beständig weiterentwickelt werden.