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Oberberg: Appell für eine große Impfbereitschaft

Corona-Schutzimpfung im Oberbergischen Kreis : Appell für eine große Impfbereitschaft

Vertreter der Ärzteschaft, Pflegepersonal und andere Impfwillige werben gemeinsam für die Corona-Schutzimpfung. Alle gehen davon aus, dass dadurch die Normalität schneller in den Alltag zurückkehren werde.

Die Corona-Schutzimpfung senkt die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 zu infizieren und schützt nachweislich vor einem schweren Covid-19-Verlauf: Das versichern die Kreisverwaltung, die Kassenärztliche Vereinigung Kreisstelle Oberberg, der Hausärzteverband Oberbergischer Kreis und die Ärztekammer Nordrhein Kreisstelle Oberberg in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Alle zugelassenen Impfstoffe hätten eine hohe Schutzwirkung, versichern ihre Vertreter. In den vergangenen Tagen sei dennoch öffentlich diskutiert worden, welcher Impfstoff vermeintlich „besser“ sei. Insbesondere Impfreaktionen wie vorübergehendes Fieber oder Gliederschmerzen standen dabei im Fokus. Speziell der Astrazeneca-Impfstoff steht immer wieder in der Kritik und wird mitunter sogar abgelehnt. „Es handelt sich hierbei nicht um Komplikationen“, stellt Dr. Johannes Schlechtingen, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums, klar. „Unser Körper zeigt uns mit seiner Reaktion vielmehr, dass er gut auf den Impfstoff anspricht.“ Das Immunsystem laufe auf Hochtouren und produziere Antikörper.

Bei der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff treten die Reaktionen eher bei der ersten Impfung auf, beim Biontech-Impfstoff eher bei der Zweitimpfung. Der Zulassung und den Vorgaben entsprechend ist der Impfstoff von Astrazeneca für Personen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren gedacht, den Impfstoff von Biontech erhalten Personen ab 65 Jahren. „Jüngere reagieren im Allgemeinen heftiger als ältere auf Impfstoffe, weil ihr Immunsystem stärker ist“, betont Dr. Ralph Krolewski, Vorsitzender des Hausärzteverbands Oberbergischer Kreis. Die Biontech-Impfung erhielten zunächst vorrangig die Über-80-Jährigen, deren Immunsystem in der Regel schwächer als das der jüngeren Menschen sei. „Es gibt bei diesem Impfstoff folglich weniger Berichte über Nebenwirkungen“, sagt Krolewski.

Zusammen mit seinem oberbergischen Kollegen Schlechtingen ist er davon überzeugt, dass der Astrazeneca-Impfstoff in der öffentlichen Wahrnehmung zu Unrecht als geringwertiger und nebenwirkungsreicher eingeschätzt wird. Prof. Dr. Franz Blaes, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Kreiskrankenhaus Gummersbach, sieht das ähnlich: „Der Astrazeneca-Impfstoff ist kein Impfstoff zweiter Klasse“, macht er deutlich. Es handele sich um einen gut getesteten und sehr gut wirksamen Impfstoff, der helfen werde, die Corona-Pandemie einzudämmen. Blaes: „In der Zulassungsstudie und einer weiteren Studie erreichte der Impfstoff bereits 22 Tage nach der ersten Impfung eine Wirkung von mehr als 70 Prozent. Eine zweite Impfung nach einem verlängerten Intervall von sechs bis zwölf Wochen erhöht die Wirksamkeit auf mehr als 80 Prozent.“ Zudem seien ab dem 22. Tag nach der ersten Impfung mit Astrazeneca kaum noch Covid-19-Erkrankungen aufgetreten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. „Die Weiterverbreitung des Virus wird um mindestens 60 Prozent reduziert“, versichert der Chefarzt.

Unterstützung gibt es von weiteren Kollegen aus dem Kreisgebiet, die sich für die Impfung positionieren – egal mit welchem der aktuell zugelassenen Impfstoffe. Dr. Renate Krug-Peltier, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Kreisverband Oberberg, etwa sagt: „Ich bin froh über jeden, der sich impfen lässt. Jeder Einzelne ist ein Erfolg für die Gesellschaft. Ich selbst würde mich mit jedem der Impfstoffe impfen lassen.“

Dr. Roland Adelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Leiter des Impfteams im Klinikum Oberberg, findet: „Die Impfung – sei es mit dem Impfstoff von Astrazeneca oder einem der anderen zugelassenen Impfstoffe – ist die einzige Möglichkeit, dass Kinder und Jugendliche wieder alle zur Schule gehen, Freunde treffen und Vereinsleben genießen können.“ Die Impfung sei der Weg zu einem normalen Leben.

Dr. Stefan Lichtinghagen, Vorsitzender der Ärztekammer Nordrhein Kreisstelle Oberberg, appelliert: „Wer an der Reihe ist, sollte das Angebot unbedingt annehmen. Die zugelassenen Impfstoffe haben alle eine hohe Schutzwirkung.“ Und Dr. Udo Steiniger, Hausarzt in Reichshof, macht deutlich: „Die Alternative wäre, auf die Impfung und den damit einhergehenden Schutz zu verzichten. Das ist keine Alternative.“

Unter dem Leitspruch „Wir lassen uns impfen“ werben jetzt Vertreter der Ärzteschaft, Pflegepersonal und impfwillige Menschen, die aktuell aufgrund ihrer Berufszugehörigkeit priorisiert mit Astrazeneca-Impfstoff geimpft werden oder künftig geimpft werden können, gemeinsam für die Corona-Schutzimpfung. „Was sind schon ein oder zwei Tage Gliederschmerzen im Vergleich zu einem schwerwiegenden oder tödlichen COVID-19-Verlauf?“, fragt Carsten Haug, Projektleiter in der Pflegedirektion des Klinikums Oberberg, der zurzeit die Impfungen des Krankenhauspersonals mit organisiert und in der Notaufnahme des Kreiskrankenhauses Gummersbach tätig ist.

Angelika Schmitz, examinierte Altenpflegerin im ambulanten Dienst der Diakoniestation Radevormwald, sieht das ähnlich: „Ich wähle die Impfung. Sie schützt nachweislich vor einem schwerwiegenden Verlauf. Da nehme ich eventuell auftretende vorübergehende Reaktionen gerne in Kauf.“

Landrat Jochen Hagt unterstützt die Initiative und bedankt sich bei allen Menschen, die ihr Impfangebot bereits angenommen haben oder vorhaben, sich impfen zu lassen. „Die Impfung ebnet den Weg zurück in die Normalität“, betont er. „Sie ist der entscheidende Baustein, um die Pandemie langfristig zum Erliegen zu bringen.“ Erst wenn möglichst viele Menschen geimpft seien, könne die gewünschte Herdenimmunität erzielt werden. In Nordrhein-Westfalen beginnen jetzt auch die Impfungen der zweiten Prioritätsstufe. „Dann werden Personen mit bestimmten Vorerkrankungen und weitere Berufsgruppen geimpft“, sagt Hagt. „Ich hoffe auf eine hohe Impfbereitschaft.“