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Nur wenig Resonanz bei Klezmer-Konzert in Hückeswagen

Veranstaltung in Hückeswagen : Kultur-Neustart beginnt verhalten

Zur ersten Veranstaltung im Kultur-Haus Zach mit der dreiköpfigen Band The Klezmer Tunes aus Köln kamen am Freitagabend nur zwei zahlende Gäste. Offensichtlich war die Corona-Angst doch bei vielen noch zu groß.

Die Hückeswagener, an sich ein feierfreudiges und auch durch Wind und Wetter nicht zu erschütterndes Völkchen, zeigten sich am Freitagabend nicht unbedingt gewillt, dem Coronavirus im Kultur-Haus Zach bei einer gesunden Portion Klezmer zu trotzen. Zum ersten Konzert seit dem Veranstaltungsstopp Mitte März kamen zum Auftritt des Kölner Trios „The Klezmer Tunes“ um Klarinettist Dimitri Schenker, Geiger Igor Mazritsky und Vadim Baev am Akkordeon ganze zwei zahlende Gäste. Dabei war es eigentlich auf gleich zweierlei Art sehr passend, dass der Kulturbetrieb mit einem Ensemble startete, das sich diese Art der Musik auf die Fahnen geschrieben hatte. So war doch eines der letzten Konzerte vor dem kulturellen Lockdown jenes mit dem Klezmer-Ensemble der Musikschule gewesen. Und außerdem versprühte diese Musik bei aller fiebriger Lebhaftigkeit doch immer auch einen melancholischen Touch, der einem den Ernst der weltweiten Lage nicht zu einhundert Prozent vergessen ließ.

Die drei Musiker nahmen es zunächst mit rheinischer Gelassenheit, als sie die geschwungene Treppe herunterkamen und sich aufstellten, um Hückeswagen ein kräftiges und fröhliches „Shalom“ entgegenzubringen. „Dass auf der Bühne mehr Musiker sind als im Publikum hat man auch sehr selten“, sagte Mazritsky. Er ließ sich davon aber auch nicht irritieren und geigte wie der Leibhaftige, während Baev stoisch den Rhythmus spielte, und Schenker seinerseits der Klarinette wilde Melodien entlockte. Das Ensemble hatte sich in seinem Programm „Back to Odessa“ einerseits rein instrumentale Lieder verschrieben, unterhielt aber dazwischen mit kurzweiligen Ansagen, die hauptsächlich Schenker übernahm. Schade, dass man an den Sitzplatz gebunden war, denn die Lieder luden direkt zum Tanzen ein. Die beiden Zuschauer sparten allerdings nicht mit Applaus, im Gegenteil, sogar „Bravo“-Rufe gingen in Richtung Bühne. Dennoch, sicherlich bedingt durch die Umstände, ein komisches Gefühl blieb.

Kultur in Zeiten von Corona – das bedeutet nämlich auch dies: Beim Hereinkommen, natürlich mit Mundschutz, erst einmal die Hände desinfizieren und sich in eine Liste mit Name, Telefonnummer und Adresse eintragen. „Schön, dass es wieder losgeht“, sagte Michaela Müller trotzdem – noch ehe sie sich das Desinfektionsmittel auf die Hände verteilt hatte – zu Detlef Bauer und Stefan Noppenberger vom Kultur-Haus Zach. Sie sei regelmäßige Besucherin der Veranstaltungen im Kultur-Haus Zach. „Ich bin kulturell sehr interessiert“, sagt sie. Klezmer kenne sie zwar nicht, freue sich aber auf das Programm. Die Hygienemaßnahmen nahm sie gelassen. „Klar, das ist nicht schön, aber man muss es eben irgendwie akzeptieren“, sagte sie.

Nach einer knappen Dreiviertelstunde läutete das Trio mit einer hervorragenden und furiosen Version des bekannten Volkslieds „Hava nagila“ bereits das Ende dieser „öffentlichen Probe“, wie Mazritsky es ausgedrückt hatte, ein. Schenker erzählte kurz, dass das Ensemble seit März nur ein Konzert gegeben hätten – und demnächst in Norddeutschland noch ein weiteres Open-Air-Konzert spielen würde. „Mal sehen, wie es weitergeht, es ist praktisch alles abgesagt worden“, sagte der Klarinettist. „Geben Sie nicht auf, Musik ist Medizin für die Seele“, sagte da spontan Besucherin Michaela Müller. Das stimme zwar, aber sie würden dennoch etwas essen müssen, antwortete Mazritsky mit Galgenhumor.

Theoretisch könnten bis zu 100 Besucher ins Haus Zach kommen. Aber nur, wenn die Besucher auch mit Kontaktadressen einem festen Platz zugeordnet werden könnten. „Das ist logistisch aber ein großer Aufwand. Wir haben jetzt 31 Plätze aufgestellt, 14 Zweier und einen Dreier. Wenn da jetzt Familien kämen, könnte man die Reihen noch verbreitern“, sagte Bauer.