Nur gemeinsam stark für ein besseres Hückeswagen

Ansichtssache : Einzelhändler müssen umgehend wieder an einen Tisch

In der Werbegemeinschaft rumort es seit dem Maifest und dem darauf angekündigten Rücktritt eines Mitglieds zurzeit gewaltig. Das ist brandgefährlich – für die Händler selbst, aber auch für die Stadt.

Kaum war mit dem Stadtmarketing die eine Baustelle beendet, wurde diese Woche in Hückeswagen eine andere aufgemacht: Der offenbar schon seit längerem unterschwellige Zorn von Karsten Schlickowey, Inhaber des Geschäfts „Stilmix“ an der Islandstraße, brach sich durch die Vorfälle beim ersten Maifest der Werbegemeinschaft am vorigen Samstag endgültig Bann. Weil der Eiswagen nicht, wie vorgesehen, im Bereich des Weber-Denkmals stand, sondern an der Bahnhofstraße und auch die Kinder beim Trödel eher im unteren Bereich des Islands zu finden waren, blieb er mit seiner Aktion am verkaufslangen Samstag alleine. Für Schlickowey war das der Tropfen, der das Fass nach 15 Jahren in der Werbegemeinschaft zum Überlaufen brachte, so dass er der nun den Rücken kehren will. Das hat sie sich selber zuzuschreiben, da sie anscheinend jahrelang die Wünsche und Bedenken ihres Mitglieds nicht oder zumindest zu wenig ernst genommen hat.

Doch wer nun denkt, das sei eine interne Sache der Einzelhändler, irrt gewaltig. Denn stirbt der Hückeswagener Handel, stirbt auch die Stadt. Ohne Einzelhandel ist die Stadt tot. Und der bewegt sich momentan langsam, aber sicher auf den Abgrund zu – falls nicht schnellstmöglich gegengesteuert wird. Zwar sind noch 50 Händler, Handwerker und Dienstleister in der Werbegemeinschaft Mitglieder, aber deren Auflösungserscheinung wird immer deutlicher. Denn Schlickowey ist nicht der einzige Händler, der in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren seinen Rückzug erklärt hat. Die Gemeinschaft der Einzelhändler war vor einigen Jahren noch um die 80 Mitglieder stark.

Das ist genau das Problem, das auch Schlickoweys Kollegen Dirk Sessinghaus, Ute Seemann und Uwe Heinhaus erkannt haben: Je kleiner die Schar der Mitglieder in der Werbegemeinschaft wird, desto größer ist die Gefahr, dass es keine Aktionen mehr gibt. Ein Maifest ist dabei vielleicht noch zu verschmerzen, eine Weihnachtsverlosung – seit mehr als vier Jahrzehnten ein Garant für einen großen Strom an Kunden und ein gutes Weihnachtsgeschäft – wird es nicht sein. Dafür muss nur ein paar Kilometer gen Osten geschaut werden: Was ist denn in Wipperfürth in der Weihnachtszeit los, der wichtigsten, weil umsatzstärksten Zeit des Jahres für den Handel? Auf jeden Fall weniger als in der kleineren Stadt Hückeswagen. Die Weihnachtsverlosung hier ist ein Magnet – und der wird durch den Rückzug der Mitglieder aus der Werbegemeinschaft nicht wirklich stärker.

STEPHAN BÜLLESBACH. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

In der Stadt kursieren zudem Ideen, dass enttäuschte Händler von der Islandstraße sich zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen sollten. Was für ein Blödsinn! Was die Einzelhändler in Hückeswagen derzeit gebrauchen können wie einen Kropf, ist, dass sie gegeneinander statt miteinander agieren. Eine solche Interessengemeinschaft wäre daher das Schlechteste, was der Stadt und dem Handel passieren könnte.

Zurzeit gibt es offenbar zwei Lager – diejenigen, die sich noch in der Werbegemeinschaft engagieren, und diejenigen, die ihr frustriert den Rücken gekehrt haben. Beide Seiten haben nun die Pflicht, sich an einen Tisch zu setzen und ihre Differenzen auszuräumen. Für sich, für ihre Kunden, für Hückeswagen und die Menschen, die hier leben! Denn in der Tat sind die örtlichen Händler, wie es Dirk Sessinghaus gesagt hat, nur in der Gemeinschaft stark. Und direkt miteinander reden bringt deutlich mehr, als übereinander herziehen in den sozialen Medien.

Aber nicht nur die Händler haben eine große Verantwortung für Hückeswagen, sondern auch die Hückeswagener für den Handel – so lange sie am Ort einkaufen, bleiben die Geschäfte lebensfähig und damit auch die Schloss-Stadt. Ansonsten wird Hückeswagen in absehbarer Zeit dahinsiechen. Das dürfte niemand wollen.

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