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Nur gemeinsam stark für ein besseres Hückeswagen

Ansichtssache : Stadt versucht, aus Wipperfürther Desaster zu lernen

In Sachen Innenstadt-Entwicklung schlägt Hückeswagen einen anderen, bürgerfreundlicheren Weg ein als die Nachbarstadt Wipperfürth – das kann nur von Vorteil sein.

Wer in den vergangenen vier Jahren durch Wipperfürth gefahren ist, kennt den dortigen Umbau der Innenstadt. Wahrscheinlich sogar aus einem Stau heraus, denn die Bauarbeiten am Ortseingang und im Zentrum sind langwierig und stehen, ebenso wie das Konzept selbst, immer wieder in der Kritik. Auch Hückeswagen plant den Umbau des Zentrums, für das gerade das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) aufgestellt wird. Von der Wipperfürth kann die Schloss-Stadt einiges lernen – nämlich, wie man ein solches Großprojekt tunlichst nicht angehen sollte. Die Stadtverwaltung ist dabei auf einem sehr guten Weg, nimmt sie doch schon vor den ersten Planungen die Hückeswagener mit ins Boot.

Nun stehen im Mai vier Raumerlebnisaktionen an, bei denen die betroffenen Flächen im Zentrum genauer unter die Lupe genommen werden. Die Hückeswagener sind aufgefordert, sich daran in möglichst großer Zahl zu beteiligen und ihre Wünschen und Anregungen, aber auch Bedenken zu äußern. Denn nur so haben sie es selbst in der Hand, an der Entwicklung des künftigen Stadtzentrums maßgeblich mitzuwirken. Das hatten die Wipperfürther nicht. Entsprechend groß sind daher seit vier Jahren die Verstimmung und der Frust in der Nachbarstadt.

Verständlich, aber äußerst bedauerlich ist der Rückzug des Ehepaars Paul, das sein beliebtes Bauerncafé am Busenbach nicht wieder eröffnen will. Es hat das zusammen mit der Familie und Freunden an einigen Sommer-Wochenenden betrieben, aber der Aufwand und die vielen Besuchern sind einfach nicht mehr zu stemmen – das erfolgreiche Konzept hat letztlich zum Aus geführt. Für die Radweg-Nutzer ist das keine gute Nachricht, fehlt es doch direkt an der Trasse an Einkehrmöglichkeiten. Wie wäre es daher, sich über eine entsprechende Nutzung der Wupperaue Gedanken zu machen? Dort wäre Platz etwa für einen Biergarten, woran Radler und Wanderer direkt vorbei kämen. Zum geplanten „neuen“ Stadtzentrum würde er außerdem auch passen.

Es sieht traurig aus im Rosengarten am Schloss. Denn der Pavillon fehlt. Auch wenn das etwa 140 Jahre alte Holzhäuschen von weitem noch ganz passabel aussah, so fielen die massiven Schäden bei näherer Betrachtung doch deutlich ins Auge. Es war kein Renommee mehr für den Schlosshagen, zumal sich da dort gerne Brautpaare das Ja-Wort gaben. Angesichts vieler Großprojekte will sich die Verwaltung nicht kurzfristig um die Sanierung des Pavillons kümmern. Doch das ist zu kurz gedacht. Zum einen ist er ein Aushängeschild für die Stadt und den Schlossgarten, zum anderen ist er durch die Trauungen eine Einnahmequelle – wenn auch keine allzu große. Die Stadt wäre gut beraten, auch dieses Projekt schnellstmöglich anzugehen. Spätestens zum Start der Hochzeitssaison 2020 sollte der Pavillon in neuem alten Glanz erstrahlen.