Betreuung Neues Angebot der Gotteshütte

Scheideweg · Das Jugend- und Sozialwerk hat eine neue Gruppe eröffnet. Das „Nordlicht“ ist ein Angebot für jüngere Kinder ab sechs Jahren.

 Claudia Schmitz (Bereichsleiterin) und Felix Breidenbach (Teamleiter) vor dem Eingang der neuen Wohngruppe „Nordlicht“.

Claudia Schmitz (Bereichsleiterin) und Felix Breidenbach (Teamleiter) vor dem Eingang der neuen Wohngruppe „Nordlicht“.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Immer wieder sei sie angefragt worden, sagt Claudia Schmitz, Bereichsleiterin beim Jugend- und Sozialwerk Gotteshütte, ob es nicht die Möglichkeit eines vollstationären Angebots für jüngere Kinder gebe. „Das mussten wir aber immer verneinen – bis jetzt“, sagt die Sozialarbeiterin und systemische Pädagogin, die bei der Gotteshütte den Bereich der teil- und vollstationären Gruppen leitet. Genauer gesagt, bis vor etwa einem Dreivierteljahr. „Im Februar wurde die neue Gruppe ‚Nordlicht‘ in Scheideweg eröffnet“, sagt Schmitz. Vorausgegangen war eine etwa sechsmonatige Renovierungs- und Umbauzeit. In der Gruppe, die vom Sozialpädagogen Felix Breidenbach geleitet wird, finden bis zu acht Kinder im Aufnahmealter von sechs bis zwölf Jahren Platz. Betreut werden sie von insgesamt zehn Mitarbeitern – sieben Pädagogen, einem Auszubildenden, einem Bufdi und einer Hauswirtschaftskraft.

Da der Bedarf in Hückeswagen und der Umgebung für eine solche Gruppe offensichtlich vorhanden war, habe man im Arbeitskreis gemeinsam überlegt, wie sie möglich gemacht werden könne, sagt Schmitz. „Irgendwann hat sich dann die Gelegenheit ergeben, die Immobilie in Scheideweg anzumieten. Sobald das klar war, habe ich mich direkt an die Konzeption gesetzt“, sagt die Sozialarbeiterin. Wichtig sei es ihr gewesen, die Eltern mit an Bord zu nehmen. „Eltern sind eben Eltern – egal, wie gestört das System Familie auch sein mag. Eltern und Kinder haben immer eine besondere Beziehung zueinander“, sagt Schmitz. Und so gebe es ganz unterschiedliche Gründe dafür, warum die acht Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren derzeit in der Wohngruppe „Nordlicht“ wohnen. „Etwa wegen psychischer Erkrankungen der Eltern oder wegen häuslicher Gewalt. Wir haben aber auch verhaltensoriginelle Kinder, mit denen die Eltern überfordert sind“, zählt Breidenbach auf.

Ziel sei es immer, dass die Kinder irgendwann wieder zurück ins Elternhaus gehen könnten. „Daher sind wir auch sehr darauf bedacht, intensiv mit den Eltern zusammenzuarbeiten“, sagt Breidenbach. Die Arbeit in der Gruppe „Nordlicht“ solle nach Möglichkeit ein funktionierendes Eltern-Kind-Verhältnis zum Ziel haben. Der Betreuungsschlüssel sei vergleichsweise hoch, die Mitarbeiter immer zu zweit im Dienst. „Das hat damit zu tun, dass Kinder in diesem doch noch jungen Alter ganz andere Bedürfnisse haben als etwa Jugendliche“, erklärt der Teamleiter. So müssten die Mitarbeiter viel mit ihren Schützlingen unterwegs sein – etwa zum Arzt, zum Sport, zu Freunden oder auch zu den Eltern. Und auch Individualmaßnahmen mit einzelnen Kindern könnten so vorgenommen werden. „Oft ist einer der beiden Mitarbeiter unterwegs, während der andere in der Gruppe ist“, sagt Breidenbach.

Der Alltag in der Wohngruppe beginne mit dem Frühstück, ehe die Kinder in die Schule gingen. „Nach dem Mittagessen wird gemeinsam besprochen, was am Nachmittag ansteht. Es werden Hausaufgaben und Erledigungen gemacht, aber natürlich haben die Kinder auch Zeit für freie Aktivitäten oder die Nutzung von Medien“, sagt Breidenbach. Hinter dem Grundstück befindet sich eine große Wiese, die von der Wohngruppe gepflegt werden muss. Auch hier stehe ein therapeutischer Gedanke im Hintergrund. „Bei der Arbeit im Garten kommt man ganz einfach und besser ins Gespräch“, sagt Breidenbach. Zudem könnten Kinder, die unter ADHS leiden würden, sich im Freien sehr gut austoben. „Uns ist aber auch ganz wichtig, am Vereinsleben in Hückeswagen teilzunehmen – fast alle sind hier in Vereinen, auch wenn nicht alle aus der Stadt kommen“, sagt der Teamleiter.

Der Name „Nordlicht“ sei Schmitz wegen ihrer Vorliebe für Skandinavien eingefallen. „Es ist zudem der Wunsch des Trägers, den Gruppen Namen zu geben. Ein Nordlicht verändert sich ständig, ist nie gleich oder starr – genauso ist es hier auch. Wir orientieren uns an den Kindern und deren jeweiligem Zustand“, sagt Schmitz. Die Gruppe solle den Kindern letztlich ein Zuhause geben, in dem sie sich wohlfühlen und zur Ruhe kommen können.

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