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Natur pur auf dem Herzwurzelhof in Hückeswagen

Orts- und Straßennamen Maisdörpe : Natur pur auf dem Herzwurzelhof

Grit Glöckner-Kolodziej und ihr Mann Stephan haben sich in Maisdörpe verwirklichen können.

Wer die Landstraße 101 nach Wermelskirchen zwischen Scheideweg und Dreibäumen entlangfährt und vielleicht nicht ganz ortskundig ist, würde wohl nicht ahnen, was für ein Naturidyll sich abseits der vor allem bei Motorradfahrern beliebten Strecke befindet. Kurz nach dem Ortsausgang Scheidweg geht rechts von der L 101 eine Stichstraße von der Landstraße ab und durchteilt dabei wie selbstverständlich den Golfplatz.

Nach wenigen hundert Metern, die entlang von Obstbäumen und recht kurvig entlangführt, kommt man nach Maisdörpe, einer jener zahlreichen kleinen Hofschaften, die sich wie kleine Farbtupfer auf der Landkarte rund um die Schloss-Stadt verteilt finden. Dort wohnen zurzeit in den zehn Häusern etwa 15 Parteien. Damit ist die Hofschaft durchaus kräftig gewachsen, bedenkt man, dass sich noch im Jahr 1905 nur drei Wohnhäuser mit 17 Einwohnern hier befanden.

Hier aufgewachsen ist Grit Glöckner-Kolodziej. Sie kennt noch die Zeit der drei Höfe. „Damals war hier Landwirtschaft, man fuhr an Weiden vorbei, wenn man von der Hauptstraße kam. Später kamen noch die Ställe, heute stehen da vier neue Einfamilienhäuser“, sagt sie. Das sei der Hauptunterschied zu heute. „Damals habe ich oben an der Straße gesagt: Jetzt bin ich daheim. Heute kommt das, wenn ich am Golfplatz vorbei bin“, sagt die 49-Jährige. Dabei sei das natürlich nicht schlimm, wie sie betont. „Aber es ist eben ungewohnt, wenn man hier groß geworden ist.“

Der Golfplatz sei natürlich die sofort ins Auge fallende Veränderung. Aber, betont Stephan Kolodziej, es hätte natürlich auch ein Gewerbegebiet werden können. „Der Golfplatz wurde vor etwa zehn Jahren gebaut, wir haben unseren Frieden damit gemacht“, sagt der 50-Jährige. Auf der Maisdörpe lebt es sich sehr naturnah. Und weil alles ein wenig weitläufiger ist, begegnet man sich auch nicht ständig. „Es ist keine typische Hofgemeinschaft, bei der man dauernd alles miteinander macht oder viel aufeinanderhängt“, sagt Grit Glöckner-Kolodziej. Und ergänzt: „Aber es ist dennoch ein sehr schönes Miteinander. Wenn man etwas braucht, hilft man sich gegenseitig.“

Weil es sich um eine Sackgasse handelt, an deren Ende ein Wanderweg in den Wald führt, herrscht zudem keinerlei Durchgangsverkehr. „Es ist wunderbar ruhig hier, ich liebe es, das Außen abschalten zu können“, sagt die 49-Jährige. Sie und ihr Mann würden besonders die Weitläufigkeit genießen.

Und dazu die Arbeit auf ihrem Herzensprojekt, dem Herzwurzelhof, den sie zusammen mit ihrem Mann vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen hat. „Wir haben uns auf etwa anderthalb Hektar verwirklichen können“, sagt Grit Glöckner-Kolodziej. Der Herzwurzelfhof ist ein außerschulischer Lernort, der sich aber auch an Einzelpersonen richtet. „Wir haben einige Nutztiere, Schweine, Schafe, Ziegen, Esel und Hühner, und wir versuchen, Erwachsene oder Kinder wieder zur Natur zu bringen“, erklärt die 49-Jährige das Konzept. Sie wollten der Tatsache entgegenwirken, dass die Natur nur noch genutzt werde. „Wir wollen zeigen, dass Zeit in der Natur kostbar ist“, sagt Grit Glöckner-Kolodziej. Und tatsächlich hat man den Eindruck, dass die Zeit in Maisdörpe ein klein wenig langsamer tickt als im schnelllebigen Rest der Welt.

Neben den Tieren ist auch die Streuobstwiese, die Stephan Kolodziej betreut, Teil des Herzwurzelhofs. „Es ist eine weiter andauernde Arbeit, die Natur wieder in die Natur zu bringen“, sagt der 50-Jährige. Es gehe um Vielfalt und ökologisches Gleichgewicht – was selbst in einem Paradies wie der Maisdörpe noch nicht erreicht sei.

„Wir haben nach wie vor zu viele Wühlmäuse und zu wenige Milane oder Bussarde“; sagt Stephan Kolodziej. Seine Frau ergänzt: „Unser Antrieb ist es, etwas Gutes in der Welt zu hinterlassen.“