1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Nach der Starkregen-Katastrophe - Hückeswagen räumt auf

Nach der Starkregen-Katastrophe : In Hückeswagen wird jetzt aufgeräumt

Am Tag zwei nach der Starkregen-Katastrophe gibt es wenigstens einige gute Nachrichten: Die Evakuierten dürfen zurück in ihre Häuser, der Damm des Beverteichs hält dem Druck stand, und die Bevertalstraße ist wieder freigegeben.

Der Starkregen-Schock von Mittwoch und Donnerstagnacht ist noch lange nicht verdaut, in Hückeswagen haben aber überall die Aufräumarbeiten begonnen. Bürgermeister Dietmar Persian und Stadtbrandinspektor Karsten Binder berichten über die aktuelle Lage in der Schloss-Stadt.

Die Evakuierung ist aufgehoben Die Menschen in den betroffenen Bereichen entlang der Wupper und des Beverbachs können wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Gegen 10 Uhr am Freitag hebt die Stadtverwaltung die Evakuierung auf. In der Nacht auf Donnerstag waren etwa 800 Hückeswagener von Hartkopsbever, Kleineichenweg, von der Bevertalstraße, Peterstraße (Wupperseite), vom Mühlenweg, Färberweg, Walkerweg, Weberweg, Tuchmacherweg, von Reinshagensbever, Pixberger Mühle, vom Schwarzen Weg, von Brücke und Fuhr durch Durchsagen der Feuerwehr aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu verlassen. Bestand doch die Gefahr, dass der Damm des Beverteichs nahe Hartkopsbever aufgrund der enormen Wassermassen, die aus der oberhalb liegenden Bever-Talsperre abgelassen werden mussten, zu brechen drohte. Die Folge wäre eine kleine Flutwelle gewesen. Am Freitagvormittag kehrten die Anwohner wieder zurück. Viele waren für mehr als 30 Stunden bei Verwandten oder Freunden untergebracht, etwa 160 hatten die erste Nacht in der Mehrzweckhalle verbracht, wo eine Notunterkunft eingerichtet worden war. „Die sind alle dann aber ab 18 Uhr am Donnerstag woanders untergekommen“, berichtet Persian im Gespräch mit unserer Redaktion. Viele Hückeswagener hätten am Donnerstag bei der Stadtverwaltung angerufen und Zimmer oder Ferienwohnungen zur Verfügung gestellt. „Das war richtig toll, wie viele Menschen sich gemeldet haben“, zeigt er sich erfreut über die große Hilfsbereitschaft.

 Die Wupperauen – inklusive Radweg – bleiben länger gesperrt, weil die sich abgesetzten ölhaltigen Substanzen entfernt werden müssen.
Die Wupperauen – inklusive Radweg – bleiben länger gesperrt, weil die sich abgesetzten ölhaltigen Substanzen entfernt werden müssen. Foto: Stephan Büllesbach
  • Starkregen-Katastrophe in Hückeswagen : Hückeswagen steht unter Wasser
  • Die Anwohner der unteren Jung-Stilling-Straße können
    Hückeswagener kehren nach Überschwemmung in ihre Häuser zurück : Zwei Tage bangen nach der Evakuierung
  • Wupper tritt über Ufer : Starkregen sorgt für „Land unter“ in Hückeswagen

Der Damm des Beverteichs gilt als sicher Der Bürgermeister versichert am Freitagvormittag: „Der Damm des Beverteichs vor der Ortslage Hartkopsbever ist standsicher.“ Auch der Überlauf aus der Bever-Talsperre habe sich inzwischen deutlich reduziert. „Der Wasserpegel sinkt daher weiterhin konstant, so dass kein Bruch des Damms mehr zu befürchten ist.“ Die Experten des Wupperverbands und der Unteren Wasserbehörde des Oberbergischen Kreises werden aber weiterhin seinen Zustand überprüfen.

Gesperrte Straßen, geöffnete Straßen Mit der Evakuierung wurde um 10 Uhr auch die Sperrung der Bevertalstraße wieder aufgehoben, so dass der Verkehr dort wieder uneingeschränkt fließen kann. Zwischen den Einmündungen Hartkopsbever und Jung-Stilling-Straße hatte das Wasser lange Zeit die Fahrbahn überflutet. Gesperrt bleiben wird dagegen die Alte Ladestraße – und das noch ein paar Tage. Der Grund dafür ist, dass das Wupper-Hochwasser ölhaltige Substanzen mit sich geführt hatte, die sich nun auf der Fahrbahn, an den Rändern, den Wegen und der Lärmschutzwand abgesetzt haben. Spezialfahrzeuge sind laut Persian dabei, die Verschmutzungen zu entfernen. Problematisch sei dabei nicht nur die Verschmutzung direkt auf dem Asphalt, sondern auch auf den Grünstreifen. „Auch dieser Ölbelag muss entfernt werden, damit bei neuen Niederschlägen die Straße nicht wieder verschmutzt wird.“ Wann die Alte Ladestraße wieder für den Verkehr freigegeben wird, kann Persian momentan nicht sagen. „Ich gehe davon aus, dass das im Laufe der nächsten Woche geschehen wird.“ Derweil fließt der innerstädtische Verkehr über Peter-, Bahnhof-, Bach- und Rader Straße.

Kein Zugang zu den Wupperauen für lange Zeit Der Pegel der Wupper ist zwar im Vergleich zu Mittwochabend und Donnerstagnacht bereits drastisch gesunken, jetzt aber werden die Auswirkungen für die Wupperauen deutlich. „Auch hier haben sich die ölhaltigen Substanzen abgesetzt, die für Mensch und Tier gefährlich sind“, teilt Persian mit. Sie kämen wahrscheinlich von Industriebetrieben – aber nicht nur aus Hückeswagen, sondern auch von solchen, die weiter oberhalb der Wupper angesiedelt sind. „Da hat sich ein Film abgesetzt, mit dem wir uns jetzt beschäftigen müssen“, sagt der Bürgermeister. Daher würden die kompletten Wupperauen inklusive der Gehwege und des Radwegs für mehrere Wochen gesperrt bleiben müssen.

Das Treiben auf der Wupper-Vorsperre Auch auf der Vorsperre sind Ölflecken zu sehen, weshalb etwa Schwäne, Gänse und Enten mit ölverschmiertem Gefieder aufgefunden wurden. Ein Hückeswagener Tierarzt und freiwillige Helfer sind dabei, sie zu säubern. Zu der Lage auf und an der Vorsperre ist die Stadt im Gespräch mit dem Wupperverband und dem Kreis. „Am Donnerstag hatte es aber noch keinen Sinn gehabt, Ölsperren aufzubauen. Die wären aufgrund der extrem hohen Fließgeschwindigkeit sofort weggerissen worden“, sagt Persian.

Die Feuerwehr im Dauereinsatz Sämtliche Feuerwehreinheiten der Schloss-Stadt waren seit Mittwochmorgen, 7.12 Uhr, und bis Donnerstagabend, 22 Uhr, im Dauereinsatz. „Wir hatten etwas mehr als 100 Einsätze“, berichtet Karsten Binder. Hauptsächlich ging es dabei darum, vollgelaufene Keller von Wohnhäusern und gewerblich genutzten Gebäuden leer zu pumpen. Unterstützt wurde die hiesige Feuerwehr von Einheiten aus Wiehl, Reichshof, Nümbrecht, Bergneustadt, Gummersbach und Radevormwald. Zudem war die Freiwillige Feuerwehr Daaden-Betzdorf aus dem Kreis Altenkirchen in der Nacht auf Donnerstag von der Kreisleitstelle in Gummersbach für Hückeswagen angefordert worden. „Sie war mit sechs Fahrzeugen vor Ort und hat die Keller unter dem großen Becken des Klärwerks an der Schnabelsmühle leergepumpt“, sagt der Stadtbrandinspektor.

Der Krisenstab tagt digital Zentrale des Stabs für außergewöhnliche Ereignisse ist der Multifunktionale Sitzungsraum des Bürgerbüros. Allerdings treffen sich dort nicht alle Mitglieder, viele sind digital zugeschaltet. Neben dem Bürgermeister und seiner Stellvertreterin, Stadtkämmerin Isabel Bever, gehören dem Krisenstab sämtliche Fachbereichsleiter sowie weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung an. „Mit der Feuerwehr sind wir im ständigen Kontakt“, versichert Persian.

 Die Alte Ladestraße ist verschmutzt und muss gereinigt werden.
Die Alte Ladestraße ist verschmutzt und muss gereinigt werden. Foto: Stadt

Das Krisentelefon ist weiter geschaltet Die Stadt Hückeswagen hat ein Krisentelefon eingerichtet: Unter 02192 88753 kann sich dort jeder zwischen 8 und 18 Uhr melden, der Hilfe benötigt oder der Unterstützung anbieten will. So hat sich etwa ein Hückeswagener gemeldet, der seinen Radlader zur Verfügung stellen möchte.

Die überraschende Stärke des Starkregens „Wir haben uns im Vorfeld alle Wetterradare angesehen und auch Rücksprache mit der Leitstelle gehabt“, versichert Stadtbrandinspektor Karsten Binder. Von dort sei die Meldung gekommen, dass für Mittwochnachmittag weiterer, größerer Niederschlag zu erwarten sei. „Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es so stark regnen wird“, betont Binder. Und vor allem: „Dass der Pegelstand der Wupper dermaßen schnell ansteigt.“ Der Bürgermeister nennt dazu zwei Beispiele: „Ich war abends gegen 18 Uhr bei der Firma Sinter Metalls, An der Schlossfabrik – innerhalb von nur zehn Minuten stand das komplette Gebäude unter Wasser.“ Wenige Meter weiter befindet sich das Injoy-Fitnessstudio, wo Persian ebenfalls vorbeischaute. „Dort wurde noch trainiert“, berichtet der Bürgermeister. Er habe dann darum gebeten, dass alle umgehend das Gebäude räumen. Und dann sei es so rasend schnell gegangen, dass auch dort alles in kürzester Zeit überflutet wurde.

Der Zusammenhalt ist beispielhaft Auch wenn der Schock tief sitzt und viele Hückeswagener in den vergangenen Tagen ihr Hab und Gut verloren haben, so hat die Katastrophe vom 14. und 15. Juli doch eines wieder gezeigt: Die Hilfsbereitschaft in der Stadt ist grandios. „Ich bin ganz begeistert über den Zusammenhalt“, betont Persian. Zudem habe das Zusammenspiel mit den Einsatzkräften von Feuerwehr, THW, DLRG, Polizei, DLRG, DRK sowie Maltesern sehr gut funktioniert, und viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätten ihren Urlaub unterbrochen oder ihn noch nicht angetreten. Lob gab es auch von Christoph Küster, dem Chief Financial Officer (CFO) von Klingelnberg; das Betriebsgelände an der Peterstraße war von der Wupper überflutet, viele Bereiche sind massiv beschädigt worden. „Er hat im Gespräch mit mir gesagt, dass die Mitarbeiter jetzt kräftig mit anpackten. Und dass das wieder ein Zeichen für den besonderen Zusammenhalt in Hückeswagen sei“, so Persian.