Hückeswagen: Mütter vom Land sind sauer auf die Stadt

Hückeswagen: Mütter vom Land sind sauer auf die Stadt

Heiter bis wolkig präsentiert sich das Wetter über der Außenortschaft Karrenstein. Im krassen Gegensatz dazu steht die Stimmung der Mütter, die sich an diesem Dienstag bei Anwohnerin Andrea Vesper treffen. Die Frauen sind sauer, denn sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.

Hintergrund: Bislang werden Kinder aus Außenortschaften noch per Taxi zu den Schulen in Hückeswagen befördert. Zukünftig wird das nicht mehr der Fall sein. "Für den NRW-Tag ist Geld da, aber nicht für die Schulbildung. Da sind doch die Prioritäten falsch gesetzt", wettert Alexandra Bechem. Zehn Mütter aus neun Außenortschaften — unter anderem aus Karrenstein, Mittelhombrechen, Dürhagen und Steffenshagen — haben sich zusammengefunden und suchen nun mit ihrem Protest die Öffentlichkeit.

Was die Mütter auf die Palme bringt, ist ein Brief des Bürgermeisters. Uwe Ufer hatte 35 Eltern mitgeteilt, dass die Stadt in Zukunft die Taxibeförderung von Schulkindern nicht mehr bezahlen (und organisieren) wird. Hintergrund ist ein Gerichtsurteil, das eine Mutter erstritten hat. Sie wollte erreichen, dass die Stadt künftig die Gesamtkosten für die Taxi-Beförderung übernimmt und die Eltern ihren Anteil nicht mehr zahlen müssen. Der Richter entschied: Die Eltern müssen in der Tat nicht zahlen — die Stadt aber auch nicht. Es gibt kein Recht auf Taxibeförderung zur Schule.

"Es geht uns nicht darum, dass die Kinder mit Taxis zur Schule gebracht werden, wir fordern Gleichberechtigung", so Andrea Vesper. Warum, fragt sie, erhalten die Kinder in den städtischen Gebieten einen kostenlosen Bustransfer, während die Kinder auf dem Land sehen müssen, wo sie bleiben? Das sei nicht gerecht. Die Mütter verweisen auf die Gefährlichkeit des Schulwegs: Geh- und Radwege, Straßenbeleuchtung: Das alles fehle auf dem Land — rasende Autos nicht.

Schüler aus Karrenstein etwa müssten 1,9 Kilometer zur Haltestelle Vormwald laufen, die aus Dürhagen sind 3,4 Kilometer bis Wiehagen unterwegs. "Auch auf dem Land, wo Familien oftmals über Generationen hinweg leben, sind die Menschen berufstätig und mit dem Auto zur Arbeit unterwegs. Mal eben umziehen geht nicht", betont Bechem.

Andrea Vesper ergänzt: "Wo ist die Familienfreundlichkeit von Hückeswagen? Landkinder sind doch Kinder zweiter Klasse." Auf die Palme bringt die Mütter auch, dass die Stadt nicht das Gespräch gesucht hat, sondern sie vor vollendete Tatsachen stellte. "Vielleicht wären wir ja bereit gewesen, mehr als 15 Euro pro Monat selbst für den Dienst zu zahlen", sagt Andrea Vesper.

Wie es nun weitergehen soll, wissen die Mütter noch nicht. "Ein Dialog muss her", fordert Vesper.

(RP)