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Motorradfahrer zieht's immer noch zur Bever-Talsperre in Hückeswagen

Treff in Hückeswagen : Bever bleibt Anziehungspunkt für Biker

Der Parkplatz am Beverdamm ist immer noch Treffpunkt zahlreicher Motorradfahrer. Das Aufkommen ist allerdings seit dem vorigen Jahr stark zurückgegangen - seit die Verkaufswagen dort nicht mehr stehen dürfen.

Nach der Arbeit noch eine Runde auf dem Zweirad drehen und an der Bever-Talsperre die letzten Sonnenstrahlen des Tages mit Blick aufs Wasser genießen - für Jörg Appel aus Hagen ist das ein schöner Ausklang des Tages. Es ist Freitag, und noch steht sein Zweirad allein auf dem umgebauten Parkplatz am Beverdamm. „Wenn der Erste hier steht, dann kommen immer mehr“, sagt der 51-Jährige. Er behält Recht. Nach einer halben Stunde hat sich die Anzahl der Motorräder dort verzehnfacht. Dass die Kaffee-, Eis- und Würstchenbuden dort nicht mehr stehen dürfen, ist für Jörg Appel nicht ausschlaggebend. „Ich vermisse die Buden nicht, sondern kann mir auch ein Brötchen mitnehmen“, betont er.

Ähnlich denkt auch Sammy Heinle aus Remscheid, der mit Cindy Rammin und Tochter Leyla (8) aus Radevormwald per Zweirad unterwegs ist. „Ich kenne den Biker-Treff schon von klein auf und bin vor 25 Jahren schon mit meinem Vater hierher gekommen“, sagt der Remscheider. Die neue Verkehrsführung hält er jedoch für eine Katastrophe. „Man hat keinen Überblick mehr, besonders beim Abbiegen“, kritisiert Heinle. Selbst Autofahrer hätten Probleme auszuparken, da sie den Verkehr nicht einsehen könnten. Auch seien Bänke und Aschenbecher durch den Umbau weggefallen. „Das ist alles nicht zu Ende gedacht“, bedauert Cindy Rammin. Dass dadurch der Verkehr und damit der Lärm abnimmt, glauben Heinle nicht. „Wo ist der Unterschied, ob ich hierhin fahre und parke oder nur durchfahre?“, fragt der Biker.

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Der neue Standort der Buden in Radevormwald-Rädereichen ist für Motorradfahrer Andreas aus Hattingen keine Alternative. „Es fehlt der Ausblick auf das Wasser, und der Schotterplatz dort ist auch nicht gut für Motorräder“, meint der 40-Jährige.

Fast ein Jahr ist es her, dass der Oberbergische Kreis den Parkstreifen am Damm verlegen ließ. Nach massiver Kritik von lärmgeplagten Anwohnern vor allem aus Reinsbach und der daraus entstandenen Bürgerinitiative war der für 2019 geplante Umbau um zwei Jahre vorgezogen worden. Grundsätzlich sei es etwas ruhiger auf den Straßen geworden, berichtet eine Anwohnerin. „Das ist natürlich immer tages- und wetterabhängig“, fügt sie hinzu. Ein Mitglied der Bürgerinitiative bestätigt das. Dennoch sei das Problem der Lärmbelästigung durch aufgemotzte Motorräder und überhöhte Geschwindigkeit noch lange nicht beseitigt. Der Anwohner fordert: Gesetzgeber, Polizei und die Motorradfans untereinander müssten mit daran arbeiten, die „schwarzen Schafe“ auszusortieren. Daher begrüßt er es, dass der Deutsche Verkehrssicherheitsrat über eine Halterhaftung nachdenke und wahrscheinlich auch beschließen wird. „Das ist sehr wichtig, um die Chaoten unter den Fahrern belangen zu können. Das Problem gibt es ja nicht nur hier, sondern überregional“, fügt der engagierte Anwohner hinzu. „Auf dem Nürburgring werden zu laute Fahrzeuge weggeschickt, aber wir hier müssen das ertragen“, kritisiert der Hückeswagener.

Lorenz Mick, Betreiber des Ausfluglokals „Zornige Ameise“ am gegenüberliegenden Ufer der Bever-Talsperre, hat durch den Umbau keinen nennenswerten Zuwachs an motorisierten Gästen bemerkt. „Zu uns kommen die Leute, die das Ambiente mögen und nicht die, die gehört und gesehen werden wollen“, erklärt er.

Motorradfahrer würden auch untereinander darauf Acht geben, sich angemessen zu benehmen, versichert Henrik aus Hilgen. „Ich wurde im vorigen Jahr von einem Motorradkollegen darauf angesprochen, dass ich nicht so schnell über den Damm fahren soll. Erst da wurde mir bewusst, dass es hier ein Problem mit dem Lärm gibt“, berichtet der 39-Jährige.