Hückeswagen: Michael Kirch sagt danke und adieu

Hückeswagen: Michael Kirch sagt danke und adieu

Nach fast zehn Jahren in Diensten der Stadt Hückeswagen wird sich Michael Kirch am Gründonnerstag verabschieden. Es folgen Urlaub und Ausgleichstage, ehe der Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales zum 1. September in den Ruhestand geht.

Michael Kirch nutzt die Gelegenheit - im August vollendet er sein 63. Lebensjahr, kurz darauf ist der Marienheider Rentner. Sein Arbeitsleben endet jedoch bereits am Donnerstag und damit mehr als vier Monate vorher. Er geht nicht mit dem berühmten "lachenenden und weinenden Auge", wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt. "Ich gehe mit einem großen Lächeln", gesteht Kirch.

Dass er die letzten Jahres seines Arbeitslebens in der Verwaltung der Stadt Hückeswagen verbringen würde, war so Mitte/Ende der 1970er-Jahre nicht vorhersehbar gewesen. Wollte Kirch doch Lehrer für Sport und Geografie werden (siehe Info-Kasten). Doch wie so viele, die in dieser Zeit ein Lehramtsstudium beendet hatten, fand sich auch für Kirch keine Stelle an einer Schule. So sattelte er Anfang der 1980er-Jahre um und machte eine Ausbildung bei einer Krankenkasse, wo er 18 Jahre bleiben sollte. Über die Geschäftsführung des Kreiskrankenhauses Waldbröl kam er schließlich im August 2008 zur Stadt Hückeswagen. "Die Ausschreibung hatte mich einfach gereizt", sagt er. Schließlich habe das gepasst: Bei der Krankenkasse habe er eine Verwaltungsausbildung erhalten, und auch Betriebswirtschaft sei bei seinen Aufgaben als Fachbereichsleiter ein wichtiger Zweig. "Die erste Priorität war und ist es, Dienstleister der Bürger zu sein."

Fachbereichsleiter Peter Schiebahn war zu diesem Zeitpunkt bereits in den Ruhestand gegangen, Ordnungsamtsleiter Lutz Jahr sollte ihm ein Jahr später folgen. Mit Letzterem arbeitete Kirch seine ersten acht Monate bei der Stadt zusammen, ehe er den Fachbereich Ordnung und Soziales eigenverantwortlich übernahm.

Wenn Kirch auf seine Zeit bei der Stadtverwaltung zurückschaut, sieht er hauptsächlich Positives. So sei es ihm immer wichtig gewesen, die Feuerwehr gut ausgestattet zu wissen. "Denn ohne die Freiwillige Feuerwehr läuft in einer kleinen Kommune gar nichts", stellt er klar. Erfreut und auch ein wenig stolz ist Kirch, die Flüchtlingskrise, die 2015 und 2016 ihren Höhepunkt erreichte, "mit einer kleinen Mannschaft und vielen Ehrenamtlern gut gemeistert" zu haben. Der Ansatz, die hilfesuchenden Menschen dezentral im gesamten Stadtgebiet unterzubringen, hätte sich als richtig erwiesen. "Wir haben uns bemüht, mit den Leuten gut umzugehen", sagt Kirch.

Von dem Sicherheitskonzept mit dem Streifendienst ist Kirch überzeugt, wenn es auch im Oberbergischen Kreis einmalig ist. "Unser System ist nicht das schlechteste. Es hat sich bewährt", unterstreicht er. Und auch die Zusammenlegung der Stadtarchive von Hückeswagen und Wipperfürth habe sich, trotz anfänglicher Widerstände, bewährt. "Das ist ein gutes Konzept, und wir haben im Archiv eine tolle Truppe", lobt Kirch.

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Auch die Schulen sieht er auf einen guten Weg. So habe sich das Berufskolleg etabliert, der Grundschulverbund von KGS und GGS sei hervorragend gelaufen, und auch die Gründung der Förderschule Nordkreis habe gut geklappt - "darauf können wir stolz sein". Allerdings gebe es einen Wermutstropfen - das Scheitern der Sekundarschule. Kirch ist sich sicher, dass es am Ganztagsbetrieb lag, dass im Februar 2014 letztlich ganze acht Anmeldungen fehlten.

Was ihm aber besonders negativ in Erinnerung bleiben wird, "ist die Entwicklung zur Ich-Gesellschaft. Ich beobachte, dass die Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit zunimmt", sagt Kirch bedauernd. Das könne einem richtig Sorgen bereiten. Nicht nur die Polizei und Rettungskräfte würden heutzutage angepöbelt und mitunter auch handgreiflich angegangen, das sei auch schon den Kollegen des Ordnungsdienstes passiert. "Wir mussten schonmal Strafanzeige wegen Beleidigung und Körperverletzung stellen."

Ein großes Lob verteilt der Fachbereichsleiter an seine Mitarbeiter: "Sie haben es verstanden, sich in den vergangenen Jahren zu einem tollen Team zu entwickeln." Hätten sie vorher nicht viel mit den jeweils anderen Abteilungen zu tun haben wollen, habe sich das Denken geändert: "Da ist ein tolles Team zusammengewachsen, auf das ich stolz bin."

Wenn sich Michael Kirch von diesem Team und anderen Kollegen aus der Verwaltung verabschiedet hat, freue er sich auf ein selbstbestimmtes Leben, auf seine Familie und seine beiden Kinder, sagt er - um dann mit dem für ihn typischen schelmischem Grinsen anzufügen: "Und ich hoffe, die Rentenversicherung noch lange schädigen zu können."

Bald geht's mit seiner Frau zunächst nach Mallorca. Zudem schweben ihm weiterer Aktivitäten für seinen Ruhestand vor. So will er seine Englischkenntnisse auffrischen, verstärkt Sport machen, im Haus und Garten nach dem Rechten sehen - "und meine Frau entlasten".

(büba)
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