Hückeswagen: Mehr Greise als Grundschüler

Hückeswagen : Mehr Greise als Grundschüler

Die Entwicklung in Hückeswagen ist typisch für die im Land: Die Zahl der Alten wächst, die der Jungen sinkt. Der demografische Wandel zwingt zum Umdenken in der Politik. Zugespitzt: Nicht mehr Kita-Plätze werden das drängende Thema der Zukunft sein, sondern neue Wohnformen für Alte.

Blick ins Jahr 2015: Der Anteil der Kinder zwischen sechs und neun Jahren an der Gesamtbevölkerung von Hückeswagen liegt bei 3,6 Prozent. Dagegen machen die Hochbetagten (über 80 Jahre) 6,5 Prozent der Hückeswagener aus. Fazit: Mehr Greise als Grundschüler — und auch mehr "spätes" als "frühes" Mittelalter. "Spät" bezeichnet im konkreten Fall die Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen, "früh" die der 25- bis 44-Jährigen.

Fakten statt Vision

Der Blick in die (nahe) Zukunft der Stadt ist keine Vision, er beruht auf Fakten. Zu entnehmen sind sie einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die zur Grundlage eines umfassenden Demografieberichtes für den Oberbergischen Kreis und die 13 kreisangehörigen Städte und Gemeinden wurde. Der Bericht erschien bereits 2010, kurz vor der vorigen Landtagswahl.

Er machte deutlich: Der Wandel hin zu einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft in der Kleinstadt und im ländlichen Raum, letztlich im ganzen Land, ist kein Zukunftsphänomen. Er hat längst begonnen. Und er ist unumkehrbar. Denn die Grundschüler des Jahres 2015 sind bereits geboren. Und die Zahl der Senioren, die in wenigen Jahren in die Altersgruppe der Hochbetagten wechseln, ist statistisch klar fassbar und damit ebenfalls berechenbar.

Darauf muss die Politik reagieren — auf kommunaler Ebene, aber auch landesweit. Zugespitzt formuliert: Wichtige Handlungsfelder sind in absehbarer Zukunft nicht mehr unbedingt die Kindertagesstätten, sondern neue Wohnformen für ältere und alte Menschen, Barrierefreiheit auch öffentlicher Einrichtungen, Mobilität im Alter. Auch die aktuelle Diskussion um die Gründung eines Behindertenbeirates muss in den Zusammenhang der alternden Gesellschaft gerückt werden, weil ältere Menschen naturgemäß häufiger mit Behinderungen leben als jüngere.

Im nun zwei Jahre alten Demografiebericht wird davon ausgegangen, dass 2015 rund 16 000 Menschen in Hückeswagen leben. Das entspricht dem Stand von heute (Menschen mit Zweitwohnsitz in der Stadt mitgerechnet). Von diesen 16 000 Einwohnern werden rund 1030 Frauen und Männer 80 Jahre alt und älter sein. Die prozentual stärkste Altersgruppe in Hückeswagen stellen 2015 mit gut 4900 Frauen und Männern die 45- bis 64-Jährigen.

(RP/rl)