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Hückeswagen: Männersache bei der Frauensitzung

Hückeswagen : Männersache bei der Frauensitzung

Nur eine Handvoll Männer ist am kommenden Sonntag auf der Karnevalssitzung der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) geduldet. Martin John ist einer von ihnen. Der 29-Jährige kümmert sich im fünften Jahr um die Saal- und Bühnentechnik.

Es sind nur wenige Vertreter des vermeintlich "starken Geschlechts", denen es gestattet ist, an der Frauenkarnevalssitzung der kfd Hückeswagen teilzunehmen. Dazu zählen die Geistlichkeit des Pfarrverbands sowie das "arbeitende Volk". Zu Letzterem gehört Martin John, der für die gesamte Technik für das gut vierstündige Bühnenprogramm zuständig ist. "Beim ersten Mal habe ich gefragt, ob ich mich als Frau verkleiden muss. Ich war da unsicher", berichtet der 29-Jährige lachend. Eine Verkleidung war gewünscht, Rock und Perücke mussten es aber dann doch nicht sein.

Am Sonntag ist es wieder soweit. Dann stehen die kfd-Frauen mit zahlreichen Sketchen, Tänzen, Liedern und Büttenreden auf der Bühne des Kolpingsaals. Sehr engagiert ist dabei die Familie Knecht. Mutter Beate und die Töchter Patricia und Rebecca besprechen mit dem Wuppertaler vorab den Programmablauf. Dazu müssen Lieder geschnitten und Effekte geplant werden. Teilweise bringt der Hobby-Techniker auch spontan eigene Ideen mit ein, wie Hall in der Stimme, weiche Ausblendungen von Liedern oder auch das Geräusch einer Toilettenspülung, wenn es der Verbesserung der Vorführung dient. "Früher hatten wir die Lieder auf CD. Da waren spontane Programmänderungen oder Zugaben nicht möglich, da immer erst die CD gewechselt werden musste", erinnert sich Rebecca Knecht. Dank des technischen Fortschritts sei das heute kein Problem mehr.

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Martin John steht aber nicht nur festgewurzelt am Laptop, sondern packt auch beim Bühnenumbau mit an, hievt Stühle auf und von der Bühne und sorgt bei jedem Programmpunkt für die richtige Anzahl an Mikrofonen. Auch die Absprache mit Live-Musiker Reinhold Petrikat funktioniert mittlerweile ohne Worte. "Der Augenkontakt und ein kurzes Nicken reichen uns zur Verständigung", versichert John.

Außerhalb der "fünften Jahreszeit" ist der Wuppertaler Elektroniker mit Faszination für Technik. Gemeinsam mit seinem Freund Christian Mertens, der als Veranstaltungstechniker am Schauspielhaus in Bochum arbeitet, hat er in der Oberbarmer Kirchengemeinde St. Johann Baptist ein kleines Technik-Team aufgebaut und auch das Equipment an Geräten aufgestockt. "Ich habe mit zwölf Jahren im Jugendtreff angefangen", erzählt John. Ausgesteuert wurden bereits Veranstaltungen wie "Tanz in den Mai", Musicals des benachbarten Gymnasiums oder Kinderdiscos. "Immer ehrenamtlich und für die Jugendarbeit in der Gemeinde", betont der Wuppertaler.

Vor sechs Jahren fragte dann Rebecca Knecht, ob Martin John eine Lautsprecherbox für ihren 18. Geburtstag beisteuern könne. "Er kam dann mit einem riesen Gerüst samt Laserstrahl, Nebel und Mischpult", berichtet die Hückeswagenerin lachend. Seitdem ist der Wuppertaler für die kfd-Sitzung praktisch zwangsverpflichtet. "Und wir werden immer professioneller. Martin ist halt ein Perfektionist", fügt Beate Knecht hinzu.

Für die Karnevalssitzung im Kolpinghaus leistet der 29-Jährige nicht nur viel Vorarbeit. "Ich blocke dafür das ganze Wochenende. Aber es macht Spaß, sonst würde ich es nicht machen", versichert er. Als Dank erhält John eine Spende von den kfd-Frauen oder auch ein auf ihn gedichtetes Lied, wie in der vorigen Karnevalssession.

In diesem Jahr dürfen sich 150 "jecke Wiever" im Saal wieder auf ein tolles Programm unter dem Motto "Nix blievt wie et is" freuen. Der Ablaufplan steht, die Proben sind in vollem Gange. In welcher Verkleidung der Techniker dieses Mal erscheinen wird, bleibt abzuwarten. Eigentlich tragen die Männer am Mischpult schwarz, um nicht aufzufallen. Martin John ist schon als Polizist und - passend als dienender Untertan - Sträfling im Kolpinghaus erschienen. "Mein Kostüm für dieses Jahr habe ich noch nicht ausgewählt", gesteht er.

Das kfd-Team gibt die Aufgabe der technischen Aussteuerung jedenfalls gerne in Männerhand ab. Denn die Frauen wissen, dass sie sich auf ihren Techniker jederzeit verlassen können.

(heka)