1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Mädchen spielen Feuerwehr

Hückeswagen : Mädchen spielen Feuerwehr

Beim Girls' Day sollen Mädchen für technische und handwerkliche Berufe begeistert werden. Die jungen Frauen sind jedoch noch zögerlich, wenn es darum geht, in echte Männerdomänen einzubrechen.

Gespannt schauen 26 junge Mädchen dem Stadtbrandinspektor Karsten Binder zu, wie er einen Rucksack mit einer Sauerstoffflasche anlegt. Dabei erzählt er, wie es ist, mit der schweren Ausrüstung der Feuerwehrmänner durch ein brennendes Haus zu robben.

Leyla El-Jomaa ist an diesem Donnerstag gleich die Erste, die das 15 Kilo schwere Atemgerät anlegt, als Binder fragt, wer es mal anprobieren möchte. "Das ist ganz schön schwer", ächzt die zierliche 14-Jährige. Danach geht sie noch stolz ein Paar Schritte mit dem schweren Gebinde auf dem Rücken.

Mädchen in technischen Berufen

Zum Girls' Day, einem Aktionstag bei dem Mädchen für technische Berufe begeistert werden sollen, schauen sich 26 Mädchen einen Tag lang die Hückeswagener Feuerwache an. "Das ist sehr interessant hier", findet Leyla, die die Montanusschule besucht.

Für technische Berufe interessiere sich die Achtklässlerin allerdings weniger, denn sie will später Bürokauffrau werden. So wie ihr geht es vielen Mädchen, die zum Girls' Day gekommen sind: Das Interesse für die Arbeit der Feuerwehr ist zwar da, in einem technischen Beruf zu arbeiten können sich allerdings nur wenige Mädchen vorstellen.

Einzig die Neuntklässlerin Svenja Schimmelpfennig will später einmal in die naturwissenschaftliche Richtung gehen. "Ich will 'was mit Technik oder Informatik studieren", sagt die Schülerin des Rader Theodor-Heuss-Gymnasiums. Auch den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr kann sie sich vorstellen. "Ich bin seit zwei Jahren aktiv in der DLRG, da gibt es schon einige Überschneidungen mit der Freiwilligen Feuerwehr", sagt die Gymnasiastin. "Heute bin ich aber erstmal nur zum Gucken hier."

Oragnisiert hat den Girls' Day bei der Feuerwehr die Gleichstellungsbeauftragte der Schloss-Stadt, Sabine Müller. "Wir nehmen zum dritten Mal am Girls' Day teil", erklärt sie. Sabine Müller will Mädchen dazu animieren, auch technische oder handwerkliche Berufe zu ergreifen.

Denn schon allein die Sicherheit einen gut bezahlten Job zu bekommen, sei in diesen Branchen viel höher. "Als Frisörin lebt man am Existenzminimum, mit einer technischen Ausbildung im Rücken kann man dafür gut leben und hat Aufstiegsmöglichkeiten", meint die Gleichstellungsbeauftragte.

Falsches Rollenbild im TV

Zudem werde jungen Mädchen im Fernsehen ein falsches Rollenbild vermittelt. "Bei Heidi Klum kommt es nur darauf an, gut auszusehen. Im wahren Leben spielen aber die schulischen Leistungen und das soziale Verhalten die wichtigste Rolle. Sie entscheiden, ob die Mädchen erfolgreich ins Berufsleben starten."

(RP)