Lisa Beckert tischlerte das beste Gesellenstück

Tischlerprüfung bestanden: Perfekte Arbeit aus Ahorn und Kirsche

Bei der Lossprechung der Tischler-Azubis wurde Lisa Beckert für das beste Gesellenstück geehrt. Die Hückeswagenerin hatte einen Esstisch aus Ahorn und Kirsche gebaut, der nun zum Treffpunkt für die ganze Familie werden soll.

Lauge und Holzseife – das sind die Geheimzutaten für die glatte und gleichmäßige Oberfläche des Esstischs. „Früher hat man Holzseife für Kneipentische verwendet“, sagt Lisa Beckert. Die 22-Jährige, die ihre Ausbildung bei Schreinermeister Lars Osenberg im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg absolviert hat, muss es wissen, hat sie doch vor kurzem ihre Gesellenprüfung zur Tischlerin abgelegt – und das nach nur zwei Jahren Ausbildung.

Die Lauge, erläutert sie, zieht die Farbe aus dem ohnehin hellen Ahorn- und Kirschholz. „Ahorn wird sonst mit der Zeit gelb, das wollte ich nicht“, erklärt Beckert. Die Oberfläche des schmucken Esstischs bearbeitete sie dann in mehreren Arbeitsschritten mit Holzseife. Dadurch ist diese jetzt vollkommen gleichmäßig, es gibt weder glänzende noch stumpfe Stellen. Das Verfahren komme aber kaum noch zum Einsatz, berichtet die Gesellin. Zu aufwendig sei die Erstbehandlung. Die Auszeichnung hat sie aber nicht nur für den Einsatz der Holzseife bekommen. Auch Formschluss, Verbindungen und die Oberflächengüte sind ausschlaggebend. „Das heißt, dass der Tisch keine scharfen Kanten haben darf“, erklärt Beckert. In der Tat: Egal, wo an mit den Fingern drüberstreicht, überall ist der Tisch ganz glatt.

An dem Esstisch der 22-Jährigen können bequem sechs Personen sitzen, wenn man zusammenrückt, auch acht. 100 Stunden hatte Beckert Zeit für ihr Gesellenstück, gefertigt hatte sie es in ihrem Ausbildungsbetrieb. „Der Tisch dürfte so etwa 6000 bis 7000 Euro kosten“, sagt ihr Chef Lars Osenberg. Aber verkaufen will Beckert ihn auf keinen Fall. Der Tisch wurde direkt aus Lennep, wo alle Gesellenstücke für die Prüfer ausgestellt waren, zu ihr nach Hause gebracht.

In ihrer Klasse, im ganzen Jahrgang und im Beruf generell ist die Hückeswagenerin als Frau in der Minderheit. Gespürt habe sie das aber kaum. „Die meisten Kunden sind überrascht, freuen sich aber“, sagt sie. Nur ein-, zweimal habe ein Kunde komisch reagiert. Einen Ausbildungsplatz zu bekommen sei aber einfacher für Frauen geworden. „In den 90ern war der Beruf überlaufen, jetzt findet man kaum Azubis“, hat Osenberg festgestellt. Er habe außerdem das Gefühl, dass Frauen mehr gewillt sind, sich zu beweisen. „Als Mädchen muss man jedenfalls keine Angst davor haben“, sagt Beckert. Ein Praktikum sei aber für beide Seiten von Vorteil.

Die Hückeswagenerin in der Werkstatt vor halbfertigen Garagentoren. Foto: RP/Christian Albustin
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Über ein Praktikum hatte auch Lisa Beckert den Weg in den Beruf gefunden. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur Innenarchitektur studieren. Dafür brauchte sie aber ein Vorpraktikum von sechs Wochen. „Meine Eltern hatten zu der Zeit einen Schrank hier in Auftrag“, erzählt sie. Nach dem Praktikum waren sich Beckert und Osenberg einig, und so startete sie ihre Ausbildung.

In dem Beruf bleiben will sie auf lange Sicht aber nicht. „Ich will noch studieren, und auf Dauer ist es doch zu schwer“, sagt sie. Der Betrieb von Osenberg ist mit zwei Gesellen und einem Auszubildenden vergleichsweise klein. „Bei uns muss jeder alles können“, betont Osenberg. So muss Beckert nicht nur Tische und Schränke bauen. Auch der Umgang mit Fenstern und Türen, Böden und Decken, Glas und Metall gehört dazu. „Im Betrieb ist das alles kein Problem“, versichert der Schreinermeister. Dort gebe es Kollegen und Deckenkräne. Problematisch wird’s auf der Baustelle. „Da kommen fast alle an ihre Grenzen.“

Warum Lisa Beckert ausgerechnet einen Esstisch hergestellt hat? „Ich wollte etwas bauen, was ich auf jeden Fall immer brauchen werde“, sagt sie. Also sollte es ein schöner und großer Esstisch werden. „Außerdem gefällt mir der Gedanke, dass meine künftige Familie auch was von meinem Gesellenstück hat.“ Ein Esstisch diene nur zum Essen, sondern schließlich auch als Treffpunkt zum Spielen und Reden.

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