Hückeswagen: Lernen für den letzten Dienst

Hückeswagen : Lernen für den letzten Dienst

In einer Fachklasse des Berufskollegs Bergisch Land geht es still zu: Hier werden angehende Bestattungsfachkräfte in dualer Ausbildung ausgebildet. Die Bestattungsfachkraft ist für alle Tätigkeiten verantwortlich, die bei der Vorbereitung und Ausgestaltung von Bestattungen anfallen.

Wermelskirchen Die Fachklasse "Bestattungsfachkraft" hat Unterricht. Hinter der Klassentür im Berufskolleg Bergisch Land herrscht Grabesstille. Klar: Stille passt zum Bestatter wie Lärm zum Straßenbauer. Doch der Schein trügt. Was wie Beerdigung klingt, ist gängige Begleiterscheinung modernen Lernens: Mittels "Placemat", einer Form der Gruppenarbeit, beschäftigen sich jeweils vier Schüler an getrennten Tischen mit einem Thema. Sie diskutieren leise, um die anderen Gruppen nicht zu stören. Ganz normaler Schüleralltag also. Beinahe. Hinten im Klassenraum ruhen typische Ingredienzien einer Beerdigung: Sargmodelle, Kerzenständer, Dekomaterial. Was der Normalsterbliche selten zu sehen wünscht, ist für den Bestatter Alltag.

"Daran gewöhnt man sich schnell", sagt die Bonnerin Xenia Neuhaus. Zusammen mit derzeit 109 Auszubildenden in NRW lernt die 24-Jährige in dualer Ausbildung — sowohl im Unternehmen als auch im Berufskolleg — den Beruf der "Bestattungsfachkraft". In Wermelskirchen befindet sich das zentrale NRW-Berufskolleg für diesen Beruf. Es genießt einen guten Ruf: Die bundesbeste Bestatterin 2008 hatte in Wermelskirchen gelernt, ebenfalls — und das ist ganz neu — die Bundessiegerin 2010 beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks. Neuhaus schätzt an diesem Beruf "besonders die Vielseitigkeit".

Sylvia Wimmershoff, die Schulleiterin des Berufskollegs, bestätigt: "Dazu gehören nicht nur neben der fachgerechten Abwicklung eines Begräbnisses die Überführung und Behandlung des Leichnams. Hinzu kommen auch kaufmännisches Können und Kenntnisse von Rechtsvorschriften, Gesundheitsbestimmungen sowie Bestattungsbräuche." Bildungsgangleiter Helge Strasdat ergänzt: "Ferner handwerkliches Wissen und Geschick, um zum Beispiel Särge auszustatten und Dekorationen anzupassen."

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Auch Beratung über Bestattungsvorsorge und deren Finanzierung gehöre dazu. "Und natürlich psychologisches Einfühlungsvermögen", betonen beide Berufsschullehrer. Immerhin gelte es, mit den Angehörigen einfühlsam umzugehen — ein Baby müsse selbstredend anders beerdigt werden als ein Erwachsener.

Berufsschüler David Jellinghaus (20) hofft, später den elterlichen Bestattungsbetrieb in Hamm weiterführen zu können. "Ich bin in diesen Beruf hinein gewachsen", erzählt er. Ihm gefalle dabei besonders "das Organisieren der komplexen Abläufe, die dieser Beruf fordert". Wie auch Xenia Neuhaus empfindet er Freude, "wenn Gespräche mit Angehörigen gut gelaufen sind". Die Behandlung von Unfallopfern zählt natürlich nicht zu ihren Traumtätigkeiten. Aber das "gehört nun mal mit dazu".

(RP)
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