Hückeswagen: Leidensweg weicht neuem Lebensmut

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Die Wipperfürther Helios-Klinik bietet die Spinale Rückenmark-Stimulation an. Die kommt zum Einsatz, wenn anderen Behandlungsformen bei chronischen Rücken- oder Beinschmerzen nicht zu einer ausreichenden Linderung geführt haben.

Sieben Jahre ist es her, dass Manuela Fischer daheim über die Teppichkante stolperte - Fraktur des Sprunggelenks. Der Bruch wurde operiert. Doch danach folgten weitere Operationen, weil das Gelenk nicht richtig verheilte. Monate vergingen, Nervenstränge wurden in Mitleidenschaft gezogen, Knieprobleme und Endoprothesen-Operationen waren die Folge. Fünf Jahre lang kämpfte die Patientin mit den Komplikationen, konnte schließlich nicht mehr laufen und musste zur Pflege in ein Seniorenheim. Eine Blutvergiftung 2016 erwischte sie schließlich so schlimm, dass Manuela Fischer bettlägerig wurde. Die 56-Jährige gab sich auf.

"Erst die stationäre Schmerztherapie in der Helios-Klinik im Sommer 2017 gab ihr erstmals wieder Hoffnung", berichtet deren Sprecherin Sandra Lorenz. Die Schmerzen konnten dort bereits gelindert werden. Einen weiteren Erfolg im Rahmen der ganzheitlichen Behandlung versprach sich Ralf Trogemann, Leitender Arzt der Abteilung für Schmerztherapie, durch seine chirurgischen Kollegen: Im Oktober - genau ein Jahr nach der Blutvergiftung - wurde Manuela Fischer von Uwe Mutter, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Helios-Klinik, operiert. Die Spinale Rückenmark-Stimulation (SCS) holte Manuela Fischer schließlich zurück ins Leben.

Das Verfahren kommt bei neuropathischen Schmerzen zum Einsatz. "Diese unterscheiden sich grundsätzlich von allen anderen Schmerzarten, wie Kopf- oder Tumorschmerzen oder Schmerzen durch Entzündung oder eine mechanische Komplikation", erläutert Oberarzt Uwe Mutter. "Sie haben einen brennenden, oft wie ein Stromschlag einschießenden Charakter und treten etwa in Folge einer OP durch Nervenschädigungen auf oder nach einem Unfall, beispielsweise durch Verbrennung oder in Folge eines Quetschtraumas."

Manuela Fischer konnte durch die Nervenschädigungen keine Berührungen ihrer Beine mehr ertragen. Selbst das Zudecken wurde zur Qual, geschweige denn, das Anziehen einer Hose. "Heute trage ich zum ersten Mal seit Jahren wieder eine feste Hose", erzählt die Patientin überglücklich. Schon eine Woche nach dem Eingriff ging sie erste Schritte am Rollator, überwand ihre Schmerzen. Jetzt hat die 56-Jährige ein Ziel: Raus aus dem Heim, zurück in ein selbstständiges Leben.

Sandra Lorenz: "Für die Patientin ist das Unglaubliche in Wipperfürth wahr geworden." Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachabteilungen habe sie ihren Lebensmut und auch ihre Lebensqualität zurückgewonnen. "Meine Mitbewohner im Heim erkennen mich nicht wieder. Ich kann endlich wieder lachen", berichtet Manuela Fischer.

Die Neuromodulation ist ein seit den 80er Jahren bewährtes und etabliertes therapeutisches Verfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen. Chirurg Uwe Mutter hat sich auf die Rückenmark-Stimulation und ein weiteres Verfahren spezialisiert. Er bietet je nach Krankheitsbild auch die Nervenmodulation am Spinalganglion "DRG" (Dorsal Root Ganglion) an. Das Verfahren ähnelt der SCS-Therapie und unterscheidet sich im Wesentlichen von dem Implantationsort der Elektroden. "Eine Ausweitung des Schwerpunkts ist denkbar", berichtet die Klinik-Sprecherin.

Wenn sich die Schmerzen auf ein kleineres Areal beschränken und mit der SCS-Therapie nicht erreichbar sind, muss der Stimulationsort neu bestimmt werden. Dies gelingt über die Modulation an den Spinalganglien, die sich in den Nervendurchtrittsstellen der Wirbelsäule befinden. Durch eine präzise Stimulation werden dabei nur bestimmte Körperstellen über die Elektroden erreicht.

(büba)