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Lehrstunden auf dem Wasser in Hückeswagen

Mensch & Stadt : Lehrstunden auf dem Wasser

Der Remscheider Segelyachtclub Bevertalsperre bringt Kindern und Erwachsenen in Theorie und Praxis das Segeln bei. Die Kleinsten fangen im Optimisten an.

Der Wind fasst ins Segel und bläht es auf, der Mast schwenkt nach links. Mit geübten Handgriffen zieht Jürgen Kecke an den Seilen, um sein Boot zu steuern und über die Bever zu segeln. Der stellvertretende Vorsitzende des Remscheider Segelyachtclubs Bevertalsperre (RSCB) weiß, dass Übung dazugehört.

Nur wenige Meter entfernt trainieren die Kinder der Segeljugend genau das: Ihr Bott zu händeln und sicher über die Bever zu segeln. Jürgen Kecke und der Vorsitzende Gunnar Müller erklären, wie Kinder und Erwachsene das Segeln erlernen können.

Wie lernen Kinder das Segeln? In den Osterferien findet stets die „Osterfreizeit“ statt. Am Klubhaus des Vereins werden Kinder ab etwa acht Jahren für fünf Tage mit Neoprenanzug, Schuhen und Rettungsweste ausgestattet und lernen das Segeln – von der spielerisch beigebrachten Theorie, wie ein Segelboot aufgebaut wird oder wie sich Schiffe bei Wind verhalten, bis zur Praxis auf dem Wasser.

Auf dem „Optimist“ fangen sie an – ein kleines Segelboot mit Luftpolstern und nur einem Segel, das leicht zu handhaben ist, erklärt Gunnar Müller. Der Optimist eignet sich deshalb besonders gut für Kinderhände. „Entscheidend beim Segeln ist, wie man das Segel hält, wie weit man es öffnet. Denn jede Windrichtung erfordert eine andere Segelstellung“, erklärt Müller.

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Mit dem Optimisten erlernen sie, wie sie ein Ziel anvisieren, im Zick-zack-Kurs gegen den Wind ansteuern, was sie tun müssen, wenn jemand über Bord geht, und welche Vorfahrtsregeln es gibt. „Wir erklären erst, dann wird ausprobiert. Dann ist erstmal Chaos“, sagt Müller. In der Gruppe können sich die Kinder etwas abgucken, voneinander lernen – und entwickeln dabei Ehrgeiz. „Kinder machen das instinktiv. Erwachsene denken zu viel“, sagt Jürgen Kecke.

Welche Voraussetzungen müssen Kinder mitbringen? Kinder müssen schwimmen können. „Das ist ganz wichtig“, sagt Gunnar Müller, „und sie dürfen nicht zu ängstlich sein.“ Mindestens das Bronze-Abzeichen wird gefordert.

Was passiert dann? Am Ende des Lehrgangs erwerben die Kinder den Jugendsegelschein. Dann dürfen sie alleine unter Aufsicht segeln. Wenn die Kinder älter beziehungsweise schwerer werden, wechseln sie auf die sogenannte Laserklasse – eine größere Bootsklasse mit ebenfalls nur einem Segel. Das Lasersegeln gilt als olympische Disziplin.

Den sogenannten Sportbootführerschein Binnen für Binnengewässer dürfen Jugendliche ab 14 Jahren erwerben. Mit der Ausbildung beim RSCB können sie – ab 16 Jahren – auch den Motorbootführerschein machen.

Wie erlernen Erwachsene das Segeln? Einmal jährlich findet ein Lehrgang für Erwachsene statt. An zwölf Sonntagen von Januar bis Ostern lernen sie alles über die Theorie – inklusive Recht und Konstruktion. Ab Ostern wird dann gesegelt – auf Kielbooten. „Die Boote können nicht kentern. Sie legen sich nur extrem auf die Seite und richten sich dann wieder auf“, sagt Gunnar Müller.

Und die Praxis? In der praktischen Ausbildung werden die Trainingstermine individuell vereinbart, ein Vereinstrainer hat zwei Schüler. Die anderthalbstündige Prüfung mit überwiegend Multiple-Choice-Aufgaben findet im Juni statt. „Damit erwirbt man die Lizenz zum Weiterüben“, sagt Gunnar Müller scherzhaft. „Jedes Boot ist anders, das ist wie bei einem Auto“, fügt er hinzu. Nach der Ausbildung können sich die Segler für Gewässer wie die Nord- oder Ostsee weiterqualifizieren, Boote mieten oder sich für den Wettkampfsport – das Regattasegeln – entscheiden.

(Boll)